Mobilität:Autonomes Rasen

TU München Indianapolis Autonomes Fahren

So sehen Sieger aus: Die TU-Studenten mit Teamchef Alexander Wischnewski (2.v.r.) vor ihrem Wagen in Indianapolis.

(Foto: privat)

Der selbstfahrende Wagen eines Garchinger TU-Teams gewinnt ein Rennen auf dem legendären "Indianapolis Motor Speedway" in Indianapolis.

Von Bernhard Lohr

Ohne Fahrer mit bis zu 300 Stundenkilometern unterwegs: Ein Team der Technischen Universität (TU) München hat mit einem selbst entwickelten autonom fahrenden Rennwagen auf dem legendären "Indianapolis Motor Speedway" in den USA die Konkurrenz hinter sich gelassen. Mit den jungen Forschern vom Team "TUM Autonomous Motorsport" waren am Samstag acht weitere Teams aus unterschiedlichen Ländern am Start. 21 Universitäten waren beteiligt. Die Sieger sicherten sich ein Preisgeld von einer Million US-Dollar, das in die weitere Erforschung des Autonomen Fahrens an der TU fließen soll.

Weltweit wird in Laboren und Werkstätten bei Herstellern und an Universitäten das Auto gerade neu erfunden. Der stinkende Verbrenner, mit dem sich der Fahrer schlecht orientiert durch den Stadtverkehr quält, soll bald der Vergangenheit angehören. Doch auch wenn jeder Neuwagen mittlerweile irgendein Fahrassistenzsystem an Bord hat, ist man weit davon entfernt, entspannt die Arme hinterm Steuer verschränken zu können. Bei der "Indy Autonomous Challenge" zeigten junge Entwickler an Universitäten unter Extrembedingungen, was möglich ist.

Die Startflagge hatte eine Drohne zu einem Roboter gebracht. Und als der das Rennen eröffnete, wurden die Wagen gestartet und waren dann sich selbst überlassen. Dabei fuhren Flitzer auf dem Rundkurs in Indiana, die denen von Lewis Hamilton und Max Verstappen aus der Formel 1 täuschend ähnlich sehen. Aber die künstliche Intelligenz im Cockpit lieferte sich kein Rennen gegeneinander, bei dem man taktisch agiert und sich zum Beispiel auch mal fies ausbremst. Soweit ist man noch nicht.

Enorme Anforderungen

Dafür galt es beim Indy-Rennen, Hindernisse zu erkennen und gestoppt die beiden schnellsten Runden hinzulegen. Mit 218 Stundenkilometern im Durchschnitt war der Rennwagen der TU am schnellsten. "Wir sind super glücklich mit diesem Ergebnis", sagte Teammanager Alexander Wischnewski nach dem Erfolg. "Das nächste Ziel ist es, ein Rennen Fahrzeug gegen Fahrzeug zu gewinnen."

Die Anforderungen, die bei der Indy Autonomous Challenge an ein Fahrzeug gestellt wurden, waren Wischnewski zufolge enorm. "Anders als im normalen Straßenverkehr gibt es so gut wie keine Regeln, das Verhalten der anderen Fahrzeuge ist daher schwer vorhersehbar. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern muss die Software extrem schnell auf Veränderungen reagieren."

Der Bordcomputer erfasst und analysiert dabei in Sekundenbruchteilen alle Informationen, die Kameras, Lidar-Sensoren, GPS-Empfänger und Radarsensoren liefern. Mit den Daten werden Prognosen erstellt, wohin sich die anderen Autos bewegen, um Entscheidungen zu treffen, die als Fahrbefehle an Lenkung oder Bremsen gehen.

Eineinhalb Jahre lang haben etwa 60 Doktoranden und Studierende des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik und des Lehrstuhls für Regelungstechnik der TU an der Software gearbeitet. Dabei griffen sie auf Erfahrungen zurück, schließlich hatte das Autonomous-Motorsport-Team in der Vergangenheit an diversen Roborace-Veranstaltungen teilgenommen. Trotzdem musste laut TU für das Indy-Rennen eine völlig neue Software entwickelt werden.

Die gewonnenen Erfahrungen sollen bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge im Straßenverkehr helfen. "Wir konnten viel darüber erfahren, wie einzelne Teile der Software zusammenspielen", sagte Wischnewski. Die Forschung konzentriere sich oft auf wenige konkrete Fragestellungen. Bei Rennen könne man das "komplette System" betrachten.

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