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Autokino Aschheim:Falsch abgebogen

Fünf Jahre saß Harry König wegen des Diebstahls von Luxusautos hinter Gittern. Im Aschheimer Autokino ist ihm das nicht anzumerken.

(Foto: Claus Schunk)

Harry König erlangte mit dem Diebstahl von Luxuskarossen in den Sechzigerjahren fragwürdigen Ruhm. In Aschheim geht es beim Car-Napping-Event auch um seine Geschichte - und eine mögliche Fortsetzung des Kultfilms

Autodesigner Robert Mehring ist schockiert: Nach seinem Urlaub muss er feststellen, dass sein bisheriger Arbeitsplatz nicht mehr existiert. Sein ehemaliger Arbeitgeber hat die Firma liquidiert und ist heimlich mit Mehrings Entwürfen ins Ausland geflohen. Der frustrierte Designer will sich das nicht gefallen lassen und folgt dem Betrüger an die Côte d'Azur. Jedoch bleibt die Konfrontation ohne Erfolg. Als dann auch noch Mehrings Porsche 911 gestohlen wird und er von der Polizei keine Hilfe erhält, gerät der ehemalige Designer auf die schiefe Bahn. Er entdeckt zufällig die Diebe, doch als er sie zur Rede stellt, handelt er einen Deal aus. Mehring verrät die Gauner nicht an die Polizei und darf im Gegenzug mit ihnen zusammenarbeiten.

So erhält er die Gelegenheit, Rache an seinem ehemaligen Chef zu üben. Denn in dessen Pariser Autohaus stehen 40 Porsche. Mit mehreren Komplizen klaut Mehring in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alle Autos und verkauft anschließend die Beute in Südfrankreich. Doch damit nicht genug: Mehring wird zum Anführer der Diebesbande und klaut fortan Luxusautos auf Bestellung.

Lange Zeit war der Achtzigerjahre-Film "Car Napping" von der Bildfläche verschwunden, nun will ihn Autotuner Rainer Buchmann wieder ins Rampenlicht bringen. Der 74-Jährige stellte die Luxusautos für die Dreharbeiten zur Verfügung und organisierte am Wochenende eine Veranstaltung im Aschheimer Autokino, bei der vor der Filmvorführung vier Original-Fahrzeuge seiner Tuning-Firma präsentiert wurden. Ein weiteres Highlight für alle Fans: Neben Regisseur Wigbert Wicker und Kameramann Gernot Roll war auch das "Vorbild" des Films anwesend. Denn "Car Napping" basiert auf der wahren Geschichte des Gauners Harry König, der in den Sechzigerjahren europaweit sündhaft teure Luxusautos klaute und damit zu fragwürdigem Ruhm gelangte. Für fünf Jahre saß König hinter Gittern.

Der Hintergrund der Veranstaltung: Auch wenn so mancher nostalgische Liebhaber den Streifen gerne als "Kultfilm" bezeichnet, heute ist "Car Napping" nur schwer auf DVD zu erwerben. Buchmann erzählt, dass viele Fans ihn deshalb gebeten hätten, den Film erneut aufzuführen. Gemeinsam mit Urs Spörri, dem Kurator des Deutschen Filmmuseums, sei er auf die Idee gekommen, eine Vorführung in den Räumlichkeiten des Museums anzubieten. Der Andrang sei überwältigend gewesen, und so habe man beschlossen, das Event zu vergrößern. Ein Autokino lag als passender Ort nahe, denn "die Leute wollen auch ihre Autos zeigen", so Buchmann.

Laut Aussage des Tuners besuchten die erste Veranstaltung in Frankfurt mehr als tausend Menschen aus verschiedensten Gegenden - ganz so viele waren es in Aschheim nicht, auch wenn unter den Autos der Zuschauer vereinzelt Kennzeichen aus Salzburg, Frankfurt oder Düsseldorf zu finden waren. Gangster Harry König kündigte bei der Veranstaltung an, derzeit am Drehbuch der Fortsetzung von "Car Napping" zu schreiben. Der Film soll an die Geschichte des ersten Teils anknüpfen.