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Autobahnausbau:In Feldkirchen formiert sich der Widerstand

Die betroffenen Anwohner wollen den Ausbau des Autobahnkreuzes München-Ost nicht hinnehmen. Unterstützung erhalten sie unter anderem von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger.

Von Martin Mühlfenzl, Feldkirchen

Baustelle am Autobahnkreuz München-Ost, 2017

Gebaut wird am Autobahnkreuz München-Ost immer wieder. Doch jetzt gibt es Pläne für eine massive Vergrößerung.

(Foto: Claus Schunk)

Nikolaus Kraus sprintet in einem Tempo in Richtung Rednerpult im Saal des evangelischen Kinderheims in Feldkirchen, das Autos auf der nahen A 94 zu Stoßzeiten gefühlt nie erreichen. Und der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler aus Ismaning hat eine Botschaft im Gepäck, die er schnell unters Volk bringen will.

Er höre aus Grünwald immer öfter den Satz, es brauche langsam den Südring. "Vor allem von Handwerkern und Geschäftstreibenden", sagt Kraus. "Wir bleiben dran an dem Thema."

Während also Kraus verkündet, dass der Widerstand im Süden bröckle, beginnt er sich in Feldkirchen gerade erst zu formieren. Und zwar gegen den Ausbau des Autobahnkreuzes München-Ost samt gigantischen Overfly-Auf- und Abfahrten, die den Verkehr dem Willen der Autobahndirektion Südbayern nach beschleunigen sollen. Der Landwirt Alexander Holly hat zu der Informationsveranstaltung geladen, an deren Ende feststeht: Zahlreiche Feldkirchner wollen sich gegen das Projekt zusammentun und den Widerstand in einer Interessengemeinschaft organisieren. Das empfiehlt auch Hubert Aiwanger. Der massive Ausbau des Kreuzes löse keine Probleme, richte aber viele Kollateralschäden an, sagt der Parteichef und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im bayerischen Landtag, der von Holly als Gastredner eingeladen worden ist. "Es ist auch noch nichts entschieden. Deshalb sage ich euch: Organisiert euch und gründet eine Initiative", rät Aiwanger. "Wenn ein breiter Wind gegen das Projekt aufkommt, kann es der Politik nicht wurscht sein."

Anfang des Jahres hatte die Autobahndirektion Südbayern erste Pläne für die Neugestaltung des Schnittpunkts der A 99 mit der A 94 vorgestellt: Demnach sollen zwei Overfly-Fahrbahnen den Verkehr über mehrere Etagen von der A 99 in Richtung München und Passau lenken. Zudem könnte die bestehende Kreisstraße, die Feldkirchen mit Weißenfeld verbindet, geschlossen und westlich neu errichtet werden. Nicht zuletzt Landwirt Holly, dessen Reiterhof mit 60 Pferden direkt am Autobahnkreuz liegt, fürchtet "sinnlosen Flächenverbrauch und mehr Verkehr, Lärm und Dreck". Holly sieht auch seine Existenz gefährdet. Würden die Pläne so realisiert, wäre sein Hof von Straßen und Autobahnen umzingelt und abgeschnitten. "Wenn das alles so kommt, gibt es nicht einen Vorteil für den Verkehr in Feldkirchen", sagt Holly.

Eine Protestbewegung wie im Isental

Unterstützung erhält er von Anton Stürzer, Kreisobmann des Bauernverbands und CSU-Kreisrat aus Höhenkirchen: "Wir wollen unsere Flächen schützen, sie nutzen und nicht eine weitere Zerstörung der Biodiversität und der Ressourcen." Was "die Planierung" der Landschaft für Folgen haben könne, erlebten sie in Höhenkirchen seit Jahren. "Zehn Todesopfer auf unserer neuen Umgehung", sagt Stürzer. "Und der Jäger schießt noch drei Viecher, klaubt aber im Jahr 20 von der Straße."

Die immer weiter fortschreitende "Metropolisierung der Region", wie Hubert Aiwanger es ausdrückt, der Verlust von Grünflächen, die Zunahme des Verkehrs, der schleppende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs - es werden an diesem Abend viele Argumente angeführt, die nahezu von allen Anwesenden geteilt werden und ein deutliches Bild zeichnen: Die Feldkirchner wollen die Pläne so nicht hinnehmen und den Widerstand organisieren. "Was die im Isental so lange geschafft haben, das schaffen wir auch", sagt eine Frau entschlossen. "Wir müssen jetzt nur anfangen."

Kreisbauernobmann Anton Stürzer und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (von links) ermuntern die Feldkirchner zum Kampf gegen den Ausbau des Autobahnkreuzes.

(Foto: Claus Schunk)

Christian Wilhelm, Fraktionschef der SPD im Gemeinderat, verspricht Holly: "Du hast in der kommunalen Politik einen Verbündeten." Der Gemeinderat habe bei der Vorstellung der Pläne der Autobahndirektion auch Alternativvorschläge gemacht. "Es ist alles noch sehr offen", sagt Wilhelm. Der Gemeinderat werde alle Erdenkliche unternehmen, um zu verhindern, dass mit diesen Plänen "der Verkehr um 30 Prozent zunimmt".

Und der Ringschluss der A 99 im Süden? Den befürworten an diesem Abend eigentlich alle. Auch Aiwanger. Er sagt aber auch, die politische Stimmung sei "momentan nicht dafür" - und die Widerstände im Süden seien zu gut organisiert. Jetzt wollen die Feldkirchner zeigen, dass sie das auch können.

© SZ vom 26.07.2018/belo
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