Ausstellungen 2018 Strizzis, Lackln und andere Identitäten

Ironische Zweisamkeit: Ein Bild aus Daniela Comanis Serie "Eine glückliche Ehe", von Februar an zu sehen im Kallmann-Museum.

(Foto: Daniela Comani, VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Das Schlossmuseum Ismaning, die Galerie im Schlosspavillon und das Kallmann-Museum beschäftigen sich in ihren Jahresprogrammen künstlerisch, sozial- und lokalhistorisch mit Ichbewusstsein, Heimat und Zugehörigkeit.

Von Udo Watter, Ismaning

Sich unerschrocken auf nicht ganz so vertraute geistige Terrains wagen, gehört zu den Leittugenden des neugierigen Wissenschaftlers. Christine Heinz, Kunsthistorikerin und Leiterin des Ismaninger Schlossmuseums, ist so frei, schiebt aber vorsichtshalber voraus: "Ich bin kein Bayer, das gebe ich zu bedenken." Als die in Hamburg aufgewachsene Heinz freilich den Titel der Ausstellung "Strizzis, Lackln, Goaßlschnalzer" ausspricht, die von Mai bis September im Schlossmuseum zu sehen sein wird, erntet sie ein anerkennendes "Gar nicht so schlecht" von Gisela Hesse, Leiterin der Galerie im Schlosspavillon und gebürtige Münchnerin.

Gar nicht so schlecht: ein angemessenes Urteil über die Mundartkompetenz von Heinz. Aber wollte man die Jahresprogramme der drei Ismaninger Institutionen Schlossmuseum, Galerie im Schlosspavillon und Kallmann-Museum, die jetzt dort vorgestellt wurden, zusammenfassend bewerten, wäre es Understatement. Was Heinz, Hesse und Rasmus Kleine, der Leiter des Kallmann-Museums, den Besuchern 2018 anzubieten haben, ist so spannend wie abwechslungsreich, intellektuell und ästhetisch herausfordernd, und nicht zuletzt von einer enormen Vielfalt geprägt.

Das Leitmotiv des Jahres ist "Identitäten". Die von Heinz erwähnte Schau "Strizzis, Lackln, Goaßlschnalzer" ist als Wanderausstellung des Bauernhausmuseums Amerang zu Gast in Ismaning, sie ist zugleich Teil des Projekts "Identitäten" des Museumsverbundes "Landpartie - Museen rund um München" im Jahr 2018. Sie thematisiert das klischeehafte, im 19. Jahrhundert entstandene Bayernbild, und wird ergänzt durch eine Sonderschau zur Geschichte der Ismaninger Trachtenvereine.

Etwa im gleichen Zeitraum nähert sich das Kallmann-Museum ebenfalls im Rahmen des Landpartie-Projektes dem Thema auf weitergreifende Art an: In der Ausstellung "Ein gemachter Mensch - Künstlerische Fragen an Identitäten" geht es darum, mit zeitgenössischen Werken verschiedener Gattungen zu zeigen, wie im digitalen Zeitalter die Möglichkeiten steigen, die eigene Identität auszudifferenzieren. Zudem verweist die gängige Phrase vom "gemachten Mann" darauf, dass derjenige, der es gesellschaftlich zu Anerkennung gebracht hat, seine Identität großteils aus der Anpassung an diese Gesellschaft bezieht.

Identität im Spannungsfeld von Individualität und Uniformität: Dörthe Bäumers "Schwarze Sonne Afrika".

(Foto: Bäumer)

Mit einem mindestens ebenso spannenden Thema eröffnet das Kallmann-Museum am 10. Februar die diesjährige Ausstellungssaison: "What is Love? Nähe, Begehren und Beziehungen". Rasmus Kleine treibt dabei die Frage um, warum die Liebe nicht zu den bevorzugten Themen der zeitgenössischen Kunst gehört. "Weil sie einen sehr privaten Bereich betrifft? Weil sie als Sujet schnell dem Verdacht anheimfällt, zum Kitsch zu verkommen?" In "What is Love?" sind zahlreiche künstlerische Positionen zum Thema zu sehen.

Ein Novum gibt es im Dezember: Es wird eine parallele Ausstellung mit Kallmann-Arbeiten in der einen Hälfte des Museums und dem Preisträger des erstmals ausgeschriebenen Kallmann-Preises in der anderen Hälfte geben. "Wir wollen neue Impulse setzen", erklärt Kleine. Der Preis richtet sich an Künstler, die sich mit Genres auseinandersetzen, die in Kallmanns Schaffen bestimmend waren: Landschaft, Porträt und Tierbild. Heuer im Vordergrund steht "Porträt".

"Ismaninger in Tracht".

(Foto: Schlossmuseum Ismaning)

Vorher widmet sich das Kallmann-Museum von September an dem während der NS-Zeit verfemten Künstler Fritz Ascher. Nicht zu vergessen ist auch die exzellente Reihe "Konzerte im Kallmann" mit neun Konzerten 2018.

Gisela Hesse, Leiterin der Galerie im Schlosspavillon, stellte ebenfalls ein viel versprechendes Programm vor. Der Vorhang hebt sich am 2. März mit der Schau "Dörthe Bäumer - Jeder Moment ist für immer". Die Künstlerin stellt die menschliche Figur in den Mittelpunkt, ihre Kunst spiegelt auch Eindrücke von Arbeitsaufenthalten in Kuba und Westafrika wider.

Sie beschäftigt dabei die Frage nach möglichen Identitäten - womit wir wieder beim Thema des Jahres wären. Zudem präsentiert Veronika Schattenmann, die ein Atelier im Ismaninger Wasserturm hat, vielgestaltige, das Leben feiernde Werke in der Galerie. "Sie hat hier eine richtige Fangemeinde", erklärt Hesse. Eine weitere Werkschau befasst sich den Sommer über mit "Zeitformen", surrealistische Werke von Fritz Hörauf sind im Herbst zu sehen, und von November bis Dezember steht das "Buch als Kunstwerk" im Fokus.

Im Schlossmuseum werden neben der "Strizzis"-Schau eine Reihe von Sonderausstellungen zu sehen sein: Den Auftakt macht "Kaffeeklatsch und Teestunde - Geschichte der nachmittäglichen Kaffeetafel" im Februar. Exponate, die "150 Jahre Kolpingsfamilie Ismaning" dokumentieren, sind im Oktober zu sehen und von November an widmet sich eine Ausstellung der Frage nach Ursachen und Auswirkungen des Nationalsozialismus in dörflichen Milieus: "Dreißig Jahre - Alltag in Ismaning zwischen 1925 und 1955". Nicht zuletzt aufgrund solcher Ausstellungen dürften die drei Institutionen im Schlosspark für den heutigen Ismaninger einen großen identitätsstiftenden Faktor haben.