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Ausstellung:Das weite Feld der Spur

Abdrücke, Abwege und der alles prägende Mensch - der Künstlerkreis Haar zeigt tiefgründige Werke

Vier mit Bildausschnitten gefüllte Großbuchstaben laden ab heute in das Rathaus Haar ein. Unter dem Thema "Spur" zeigt der Künstlerkreis Haar noch bis Sonntag, 3. November, seine Jahresausstellung. Jedes Mitglied der 1980 gegründeten Künstlervereinigung hat ein "Spur"-Bild geschaffen. Die Palette der 24 Werke reicht von konsequent gegenständlicher Darstellung über leichte Auflösungen bis zur völligen Abstraktion. Diesen Freitag, um 19 Uhr, ist im Rathausfoyer Vernissage. David Farago, ein aus Ungarn stammender Musiker und Komponist, begleitet das Ereignis auf seiner Zither.

Vor allem dürfen die Besucher an dem Abend erstmals zwischen all den Werken "mit detektivischem Spürsinn Witterung aufnehmen", um "den Aussagen der Werkkompositionen auf den Grund zu gehen", wie die Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) im Vorwort zum ebenfalls erhältlichen Jahreskalender schreibt. Denn "alles, was uns begegnet, hinterlässt seine Spuren", sagt Müller, die zur Vernissage auch erwartet wird.

Spuren, das zeigen die 24 Werke im Foyer des Haarer Rathauses, können rote Fäden oder Linien ebenso sein wie gemalte Wege, monochrome Flächen, Assoziationen - etwa ein Tattoo oder ein Gesicht - und Erinnerungen. Ebenso Warnungen, Finger- und Fußabdrücke oder auch ein Aphorismus. Die gezeigten Möglichkeiten sind vielfältig und spannend zugleich.

Karl Hertje und Elfie Bilger bereiten noch alles für die Ausstellung vor, die an diesem Freitag beginnt.

(Foto: Claus Schunk)

Karl Hertje etwa, Vorsitzender des Künstlerkreises und Diplom-Grafikdesigner, nimmt das Thema wörtlich. Mit seinem "Fingerprint" zeigt er die Linien des Fingerabdrucks in vielen Farben. Wissend, dass diese Papillarleisten die eindeutigsten Spuren sind, die ein Mensch hinterlassen kann. Weniger individuell, aber auch deutlich sind Fußspuren, wie sie etwa Neta Mangafic als Kontur eines menschlichen Fußes oder Gabi Halla als Tatze einer Wildkatze umgesetzt haben. Doch der Begriff "Spur" kann auch für Wege stehen.

Es bleibt in Haar allerdings dem Besucher überlassen, an welchen Gang er sich erinnert. Da steht er am Anfang eines von Bäumen gesäumten Weges durch den Sand, der über den Horizont hinaus führt (Ingrid Bauer "Sandspur") oder vor einem mächtigen verschneiten Berg mit dem Titel "keine Spur von ihr" (Gerold Hauer). Bei "Spuren der Wanderer" von Shahab Nadery, genannt Nady, führt der Weg gar zu einem schwarzen Fensterloch am Rande eines Sees. Wohin führt er? In diese nur scheinbar schlichte Naturdarstellung kann man sich vertiefen und wird auf immer mehr Fragen kommen.

Hertjes Bild "Fingerprint" zeigt die individuellen Spuren eines Lebens.

(Foto: Claus Schunk)

Immer wieder geht es in der Ausstellung um die Auswirkungen der menschlichen Existenz auf die Natur oder die Menschen selbst. Hier mahnt etwa Anja Ruttkowskis "Dicker Fang": In dem abgebildeten Fischernetz sind keine Fische, sondern Plastikflaschen und anderer Müll gefangen. Dort setzt Erika Lohr ein Gedicht des zeitgenössischen, 1959 geborenen deutschen Dichters und Aphoristikers Henning Sabo auf Leinwand: "Alle Wege des Irrens/ Bin ich gegangen/ An allen Orten des Fehlens/ Hielt ich mich auf/ Ahnend, wissend/ Blieb ich doch gefangen - / Nun löst mein Traum/ Sich in ein Lächeln auf". Wer die Frakturschrift entziffern kann, wird darüber nachdenken.

"Spur hatte offenbar die größte Darstellungsweite, was die künstlerische Umsetzung betrifft", sagt Hertje. Die Verschiedenartigkeit der ausgestellten Werke bestätigt dies und macht die "Spurensuche" lohnend. In den Seitenflügeln und im Obergeschoss des Rathauses sind weitere Werke zu entdecken.

Die Jahresausstellung des Künstlerkreises Haar geht bis zum 3. November. Sie ist geöffnet Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 12.30 Uhr, freitags von 7.30 bis 12 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag (Künstler anwesend) von 10.30 Uhr bis 17 Uhr im Rathaus Haar, Bahnhofstraße 7, Haar. Der Eintritt ist frei. www.kkhaar.de

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