Aussegnungshalle Bis zuletzt im richtigen Licht

Architekt Stefan Holzfurtner hat für die Gemeinde Pullach eine moderne Aussegnungshalle geschaffen. Sie bietet nicht nur mehr Platz für die Trauergemeinden, sondern auch technische Neuerungen

Von Michael Morosow, Pullach

Das Gebäude markiert die Schnittstelle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Dass hier das Leben und der Tod zuhause sind, bemerkt der Besucher sofort, sobald er durch die schwere Messingtüre in den ersten Raum vorgedrungen ist: Sein Blick fällt wohl zuerst auf das filigrane Metallkreuz an der Stirnseite des Raumes, dann aber unweigerlich auf die beiden Buntglasfenster an beiden Seitenwänden, von denen zwei Erzengel als Hüter der Schwelle grüßen - links der Engel, der für die Geburt steht, rechts der Engel, der den Tod versinnbildlicht. Architekt Stefan Holzfurtner hat sich viel mit Liturgie, Bestattungszeremonien und kirchlicher Symbolik beschäftigt, nachdem er 2015 von der Gemeinde Pullach den Auftrag für Umbau und Erweiterung der Friedhofsgebäude erhalten hatte.

An diesem Freitag, 5. April, können die Pullacherinnen und Pullacher erstmals das Ergebnis seiner Überlegungen in Augenschein nehmen. Nach einer Bauzeit von knapp drei Jahren lädt die Gemeinde zur Wiedereröffnung der Friedhofsgebäude ein. Der offizielle Teil mit Reden, ökumenischer Weihe durch die Pfarrer Wolfgang Fluck und Martin Zöbeley und anschließendem Empfang beginnt um 17 Uhr, doch bereits von 15 Uhr an bietet der Architekt im Halbstundentakt drei Führungen an. Eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich.

Mehr Raum, mehr Licht, mehr Urnen-Nischen - die Pullacher Friedhofsgebäude erstrahlen in neuem Glanz.

(Foto: Claus Schunk)

Bis Herbst 2017 hätte alles stehen sollen, und veranschlagt dafür waren ursprünglich 4,8 Millionen Euro. Es hat also wesentlich länger gedauert mit der Fertigstellung und mit Baukosten in Höhe von insgesamt 5,8 Millionen Euro ist der ursprüngliche Kostenrahmen gesprengt worden. Aber das Ergebnis gefällt nicht nur dem Architekten selbst, auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), Bautechnikleiter Peter Kotzur und die Gemeindearchitektin Birgit Haschka zeigten sich bei einem Besichtigungstermin für die Presse am Mittwoch angetan von den neuen Friedhofsgebäuden, der Gestaltung des Platzes davor und den vielen Neuerungen, wie etwa zwei freistehende Urnenwänden mit insgesamt 114 Grabkammern an einem anonymen Urnengrabfeld sowie 55 Urnennischen in der sogenannten Schaugangwand oder einer Behinderten-Toilette.

Die Sanierung des Pullacher Friedhofsgebäudes war schon lange überfällig. In der mehr als 60 Jahre alten Aussegnungshalle hatte bei Trauerfeiern oft eine drangvolle Enge geherrscht, weshalb der Gemeinderat den Umbau 2013 beschlossen und ein Friedhofgestaltungsgremium mit Vertretern aller Fraktionen gegründet hatte, die sich denn auch regelmäßig einbrachten in den laufenden Prozess. Für den provisorischen Friedhofsbetrieb ließ die Gemeinde eine temporäre Aussegnungshalle errichten.

Eines der Buntglasfenster, das einen Erzengel zeigt.

(Foto: Claus Schunk)

In neuem Glanz strahlt nun auch der Vorplatz. Die mit wildem Wein bewachsene Mauer, die keine Sicht auf die Aussegnungshalle zuließ, wurde entfernt. Trauergäste haben nun auf einem ebenen, großformatigen Betonsteinpflaster einen barrierefreien Zugang zur Aussegnungshalle. Südlich des Friedhofsgebäudes, direkt an der Münchner Straße, ist ein Werkhof für die größeren Fahrzeuge und Geräte sowie für eine Doppelgarage, Werkstatt und Waschhalle entstanden. Die Holzverschalung des Werkhofs hebt sich vom steinernen Gebäude der Aussegnungshalle ab. Mehrere Rasensegmente lockern den Vorplatz ein wenig auf, auch sechs Platanen sind schon darauf gepflanzt worden, sie sollen dereinst Trauernden als grüne Schattendächer dienen.

Mit der Eröffnung der neuen Friedhofsgebäude - die erste Beerdigung nach dem Umbau steht am kommenden Montag an - wird vor allem die lange beklagte Platznot ein Ende haben. Die 188 Quadratmeter große Aussegnungshalle hat einen mobilen Raumtrenner, kann für bis zu 80 oder für bis zu 200 Trauernde bestuhlt werden. Für große Beerdigungen wurde an den Außenwänden Lautsprecher installiert. Für Trauerfeiern im kleinen Kreis wurde ein externer Raum eingerichtet und mit viel Symbolik ausgestattet - etwa mit einer abgehängten, gefalteten Decke. "Die Decke stellt eine schützende Hand dar", erklärt Holzfurtner. Das Licht dringt nicht durch ein Fenster ein, sondern von oben über einen Lichtschacht, den man nur bemerkt, wenn man direkt darunter steht und hinauf schaut. "Mit dem Licht haben wir uns viel Mühe gemacht", sagt Bürgermeisterin Tausendfreund. Angehörige können nun sogar für die Beleuchtung der drei Aufbahrungsräume die Farbe des Lichts wählen. Wenn also der Verstorbene zu Lebzeiten eingefleischter Fan des TSV 1860 München war und dies gewünscht hat, kann der Sarg in blaues Licht getaucht werden.

Über die Neuerungen freuen sich (von links): Peter Kotzur und Birgit Haschka von der Rathausverwaltung, Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund und Architekt Stefan Holzfurtner.

(Foto: Claus Schunk)

Aber die neue Technik in den Pullacher Friedhofsgebäuden kann noch viel mehr, immerhin sind laut Architekt Holzfurtner "ein paar Kilometer Kabel" verlegt worden für eine Multi-Media-Anlage. Dazu gehört ein riesiger Fernseher, auf dem Angehörige und Freunde mit Fotos oder Filmen an die Verstorbenen erinnern können.