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Ausblick auf die Landtagswahl:Auf dem Sprung ins Maximilianeum

Kerstin Schreyer und Ernst Weidenbusch von der CSU wollen ihre Direktmandate verteidigen.

(Foto: Claus Schunk)

Neben den beiden Stimmkreisabgeordneten von der CSU rechnen sich dieses Mal eine Reihe von Kandidaten aus dem Landkreis München Chancen auf ein Landtagsmandat aus.

Die bayerischen Sozialdemokraten ereilte ihr Umfrageschock im Januar vergangenen Jahres; die Christsozialen erlebten den ihren ziemlich genau zehn Monate später. Zunächst 14 Prozent für die SPD, später 37 Prozent für die CSU in der bayerischen Sonntagsfrage - zwei Werte, die dramatische Umwälzungen innerhalb der Parteien zur Folge hatten, auch und gerade im Landkreis München. Veränderungen, die weit in diesen Herbst hinein reichen werden, wenn die Bürger des Freistaats einen neuen Landtag wählen.

Die Neubibergerin Natascha Kohnen ist die Frau, die der SPD neues Leben einhauchen soll. Die bisherige Generalsekretärin der Bayern-SPD wurde nach der Demission des gleichermaßen glück- und farblosen Florian Pronold in das Amt der Landesvorsitzenden katapultiert und zugleich zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl gekürt.

Die 50-Jährige ist die letzte Hoffnung einer darbenden Partei ohne Selbstvertrauen, die bei der Bundestagswahl am 24. September nicht zuletzt im Landkreis ein Debakel hinnehmen musste: Mit 14 Prozent der Zweitstimmen fuhr die Partei im bevölkerungsreichsten Landkreis des Freistaats - ihrer einstigen Hochburg - ein historisches Tief ein. Schlimmer noch: Die Direktkandidatin und Kreisvorsitzende Bela Bach scheiterte auch bei ihrem zweiten Anlauf trotz Platz 20 auf der bayerischen Landesliste der SPD.

Wird jetzt bei der Landtagswahl in diesem Herbst für die Genossen alles besser? Und kann die CSU zu ihrer alten Stärke zurückfinden? Sie geht im Landkreis erneut mit zwei politischen Schwergewichten ins Rennen: Ernst Weidenbusch, 54, aus Haar im Stimmkreis München-Land Nord und Kerstin Schreyer, 46, aus Unterhaching im Stimmkreis München-Land Süd. Beide - Schreyer als Integrationsbeauftragte und Weidenbusch als Finanzexperte seiner Fraktion - dürften entscheidenden Anteil daran gehabt haben, dass auch die CSU im Landkreis München im Wahlkampf Plakate mit dem neuen Ministerpräsidenten Markus Söder aufhängen wird - und Seehofer-Porträts im Keller verstauben werden.

Der Landkreis München mit seinen beiden Stimmkreisen ist - wie nahezu alle im Freistaat - seit Jahrzehnten ein Erbhof der CSU. Es müssten schon ein politisches Erdbeben und ein Wunder zusammenfallen, dass die Partei nicht erneut beide Direktmandate ergattert. Schreyer und Weidenbusch wissen mit dem an Mitgliedern zweitstärksten Verband im Freistaat nach jenem in der Landeshauptstadt eine Hausmacht hinter sich, einen "Tanker", wie es aus dem Kreisverband immer wieder heißt, der die Kraft und auch die finanziellen Möglichkeiten aufbringt, Wahlkämpfen eine neue Dynamik zu verleihen.

Dass die beiden CSU-Abgeordneten auch nach der Wahl im Herbst wieder im Maximilianeum sitzen werden, gilt daher als sicher. Spannender ist eher die Frage, was sie danach in einem voraussichtlichen Kabinett von Markus Söder noch werden könnten.

Bei SPD, Grünen und FDP wird es spannend

Gerade für den Landkreis München ist die Frage, wer den beiden Christsozialen aus den anderen Parteien in den Landtag folgen wird, ungleich interessanter. Die größten Chancen hat dabei in der SPD sicher Natascha Kohnen, die im Landkreissüden kandidiert und von Platz eins der oberbayerischen Liste aus prominent auf Stimmenfang gehen kann. Die Spitzenposition für die Spitzenfrau kann für Annette Ganssmüller-Maluche, die SPD-Kandidatin im Norden, indes zum Problem werden.

Denn die SPD ist wie kaum eine andere Partei eine Partei des Proporzes. Die Kreisverbände aus allen Ecken Oberbayerns werden mit allen Mitteln darum kämpfen, ihre Kandidaten so aussichtsreich wie nur möglich auf der Landesliste zu platzieren. Ob sie es zulassen werden, dass zwei Kandidatinnen aus dem Landkreis München weit vorne auftauchen, ist mehr als fraglich. Ganssmüller-Maluche könnte aber davon profitieren, dass sie als stellvertretende Landrätin im ganzen Landkreis bekannt ist und zu den Erststimmen im Nord-Stimmkreis viele Zweitstimmen aus dem Süden sammeln kann.

Die Grünen wollen sich die besondere Situation des in zwei Stimmkreise geteilten Landkreises ebenfalls zunutze machen. Markus Büchler, 44, der bekanntere der beiden grünen Bewerber, kandidiert - anders als 2008 und 2013 - diesmal im südlichen Stimmkreis. Mit diesem taktischen Kniff versuchen die Grünen Büchlers Bekanntheit im Norden weiter zu nutzen und seine noch ausbaufähige im Süden zu steigern. Das könnte sich nach zwei erfolglosen Anläufen auszahlen; der Verkehrsexperte der Partei hat sich nicht zuletzt durch akribische, manchmal auch etwas grantige Arbeit im Kreistag einen Namen gemacht. Zudem kann sich Büchler Hoffnungen auf Listenplatz vier in Oberbayern machen, was ein hervorragendes Sprungbrett für den Einzug in den Landtag wäre.

Im Norden tritt für die Grünen erstmals die Unterhachinger Gemeinderätin Claudia Köhler an, die sich kurz vor ihrer Nominierung durch den Kreisverband bereits optimistisch zeigte und sagte, sie rechne sich "gute Chancen" auf den Einzug ins Maximilianeum aus. Die 51 Jahre alte Köhler ist nicht gerade das, was gemeinhin als "typische" Grüne bezeichnet wird: Als Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, kirchlich engagiert und begeisterte Trachtlerin könnte sie auch als Schwarze durchgehen. Wäre da nicht ihre Vorzeigearbeit in der Flüchtlingshilfe oder im örtlichen Krautgarten.

Auf den Wiedereinzug in den Landtag hofft freilich auch der Neubiberger Tobias Thalhammer, 38, der als einstiger parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion bei der Wahl vor fünf Jahren krachend aus dem Parlament flog. Behalten die Umfragen recht, dürfte Thalhammer von Herbst an wieder häufiger politische Reden halten - und seltener als "Toby z Monachium" bei Schlagerveranstaltungen in Polen "Verliebt in Oberschlesien" ins Mikrofon trällern. Im Norden des Landkreises kandidiert für die Liberalen erstmals der bisher weitestgehend unbekannte Kirchheimer Thomas Jännert, 40.

Unklar ist die Lage noch bei den Freien Wählern: Der Ismaninger Landtagsabgeordnete Nikolaus Kraus, 52, hat sich noch nicht erklärt, ob er neuerlich kandidieren wird. Die Freien Wähler werden - wie auch die AfD im Landkreis - ihre Bewerber erst in den ersten Wochen des neuen Jahres aufstellen.

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