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Aschheim:Zurück zur Zusammenarbeit

Nach der Ablehnung des Schlachthofs suchen Aschheims Freie Wähler politischen Dialog

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Eine gute Woche lang hatten die Aschheimer nun Zeit, um wieder etwas Ruhe einkehren zu lassen in ihrem Ort. Am vorvergangenen Sonntag hatten die Bürger den Fleischhändler Albert Oppenheim und seinen britischen Projektentwickler John Roland Pickstock mit ihrem Vorhaben abblitzen lassen, einen Schlachthof in der Gemeinde zu errichten. 87 Prozent stimmten am Ende beim Bürgerentscheid gegen das Projekt - eine deutliche Absage.

Und zudem eine Absage, die sich auch die Fraktionen von CSU und SPD im Aschheimer Gemeinderat ans Revers heften lassen müssen. Die Kommunalpolitiker, Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) eingeschlossen, hatten das Projekt mit einem Ratsbegehren unterstützt, wenn sich auch nur Vertreter der SPD öffentlich einer Diskussion stellten. Die Fraktion der Freien Wähler hingegen hatte sich früh an die Spitze der Schlachthofgegner gestellt und gemeinsam mit einer Gruppe von Bürgern das Bürgerbegehren, das letztlich zum Entscheid geführt hatte, initiiert.

Nachdem die Entscheidung zum Schlachthof nun gefallen ist, bemühen sich die Freien Wähler, den Dialog mit den übrigen politischen Fraktionen wiederzubeleben. Dieser hatte in den vergangenen Wochen spürbar unter dem alles überschattenden Thema Schlachthof gelitten. Vor der ersten Gemeinderatssitzung nach dem Bürgerentscheid, die am kommenden Donnerstag von 19.30 Uhr an angesetzt ist, sendet der Ortsverein nun ein versöhnliches Zeichen an seine Aschheimer Kollegen. Man wolle zurück zu einer konstruktiven Politik für die Gemeinde, heißt es in einer Pressemitteilung der Freien Wähler. Die Aufgaben, welchen sich die Kommune gegenüber sieht, seien "gewaltig", konstatieren die Freien Wähler; darüber bestehe jedoch "sehr viel weniger Uneinigkeit, als die Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen vermuten lassen".

Zwar betont Robert Ertl, der der fünfköpfigen Freie-Wähler-Fraktion im Gemeinderat vorsitzt, deren Anspruch als "Oppositionspartei", die sich auch einmal gegen Pläne der Gemeinde stellt. Er sehe aber keinen Grund, der dagegen spreche, mit CSU und SPD zurück zu einer Kooperation zu finden, so Ertl. Die Gräben zwischen den drei in Aschheim aktiven Parteien seien weniger weit, als es aus manch anderer Perspektive aussehen möge; man habe nun die gemeinsame Aufgabe, die Gemeinde vernünftig weiter zu entwickeln.

Es bleibt zu hoffen, dass es den Kommunalpolitikern rasch gelingt, das Klima im Gemeinderat wieder zu entgiften. Um zu verhindern, dass der Schlachthof noch einmal zum Stein des Anstoßes werden kann, fordern die Freien Wähler von der Gemeinde eine deutliche Lossagung auch über die Sperrwirkung des Bürgerentscheids hinaus. Dieser ist laut Gemeindeordnung ein Jahr lang bindend.

© SZ vom 18.10.2016

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