Aschheim:Zügig durchgezogen

Lesezeit: 2 min

Aschheim: Gegen "Wunschkonzerte": Bürgermeister Thomas Glashauser dämpft überzogene Erwartungen.

Gegen "Wunschkonzerte": Bürgermeister Thomas Glashauser dämpft überzogene Erwartungen.

(Foto: Claus Schunk)

In der offenen Stockschützenhalle steht Rathauschef Thomas Glashauser wenigen Bürgern Rede und Antwort

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Die Präsentation, die seine Verwaltung Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) für die Bürgerversammlung am Freitagabend vorbereitet hat, beginnt mit der Ansicht des derzeitigen Verwaltungssitzes. Auf dem Foto strahlt die Herbstsonne auf das helle Bürohaus in der Saturnstraße, auf dem seit mehr als zwei Jahren die Aufschrift "Rathaus" prangt. Ein Schwarm Vögel fliegt gerade auf. So idyllisch das Bild scheinen mag, in Joachim Helbig erweckt es eine andere Assoziation: Mancher wolle da wohl Reißaus nehmen vor der immer noch ungeklärten Rathaus-Frage, mutmaßt der Aschheimer.

Das leidige Thema Rathausbau hätte sich Bürgermeister Glashauser wohl gern erspart. Noch immer hat der Gemeinderat keine Entscheidung darüber getroffen, wie es mit dem alten Rathaus in der Ismaninger Straße weitergeht: Wird es abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt, wie das Gremium es 2019 einmal beschlossen hatte? Oder soll der 100 Jahre alte Bau des einstigen Schulhauses kernsaniert und um ein modernes Gebäude ergänzt werden? Er glaube nicht, dass weitere zehn kostspielige Gutachten zu dieser Abwägung notwendig seien, mahnt Helbig. "Wir müssen das dieses Jahr noch beschließen", stimmt Glashauser zu. Eine externe Moderatorin soll die zerstrittenen Parteien zu einer Entscheidung führen.

Daneben darf Glashauser an diesem Abend vor allem positive Nachrichten verkünden: Finanziell ist die Gemeinde Aschheim bisher gut durch die Corona-Zeit gekommen. Neben dem Bonus der Staatsregierung von sieben Millionen Euro beliefen sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer 2020 auf mehr als 24 Millionen Euro; Aschheim zählt damit weiterhin zu den gut situierten Kommunen im Landkreis. Allerdings stehen der Gemeinde auch einige Großprojekte ins Haus, allem voran der Schulcampus mit Erweiterung der Realschule und einem neuen Gymnasium, daher sieht Glashauser keine Spielräume für ein "Wunschkonzert". Für dieses Prestigeprojekt, das Aschheim gemeinsam mit den Nachbarn Kirchheim und Feldkirchen sowie dem Landkreis plant, wird derzeit bereits der Erdboden auf dem Grundstück neben dem Sportpark abgeschoben.

Bei einem anderen Schulprojekt steht die Fertigstellung kurz bevor: Die neue Turnhalle der Kelten-Grundschule wird nach Jahren des Baus und Kosten von etwa 8,2 Millionen Euro derzeit überprüft und darf bald von der Schulfamilie wie auch den Vereinen in Betrieb genommen werden. Eine gute Ausstattung bei Schulen und Kinderbetreuung sieht Glashauser als einen der Gründe für den steten Zuzug in die Gemeinde, die an der 10 000-Einwohner-Marke kratzt. Damit sieht sich die Kommune freilich auch mit einer hohen Nachfrage nach familienfreundlichen Wohnungen konfrontiert. Sie reagiert darauf, in dem zwischen Industrie- und Weidachstraße ehemalige Gewerbebauten abgerissen werden, stattdessen sollen Wohnungen und Betreutes Wohnen entstehen.

Damit die Gewerbesteuer auch weiterhin eine verlässliche Einnahmequelle für Aschheim bleibt, versucht die Kommune neben den 1669 bestehenden Unternehmen weiteren den Standort schmackhaft zu machen. Im Gewerbegebiet Dornach wächst gerade an der Karl-Hammerschmidt-Straße ein weiterer Büropark in den Himmel, der "Campus-Park" ist in Planung. Schräg gegenüber überragt das neue Rechenzentrum wie ein schimmernder Klotz das nebenstehende Hotel, was nicht allen gefällt. Allerdings bringt das Unternehmen Gewerbesteuer und, betont der Bürgermeister, es arbeiten dort weit weniger Menschen als es in anderen Branchen auf dieser Fläche möglich wäre - weniger Verkehr also für den Ort. Auch für die geplante Wirecard-Zentrale am Einsteinring will der Investor Rock Capital in neuem Gewand rasch Interessenten finden.

Mögliche Windräder waren kein Thema der Versammlung; was aber auch daran liegen könnte, dass sich neben haupt- und ehrenamtlich Engagierten nur etwa zwei Dutzend Bürgerinnen und Bürger eingefunden hatten bei der Abendveranstaltung im Freien in der nach zwei Seiten offenen Stockschützenhalle.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB