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Hofreiter und Englmann::Vereint gegen den Schlachthof

Aschheim, Kulturelles Gebäude, Toni Hofreiter liest aus seinem Buch 'Fleischfabrik Deutschland'

Unterstützt den Widerstand der Schlachthofgegner: Toni Hofreiter

(Foto: Angelika Bardehle)

Bürger in Aschheim bekommen prominente Unterstützung: Toni Hofreiter lehnt den Bau klar ab. Auch Altbürgermeister Englmann bezieht klar Stellung.

Es kommt selten vor, dass sich ein Grüner und ein CSU-Politiker gänzlich einig sind in einer Sache. Toni Hofreiter, Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Bundestag, und Aschheims Altbürgermeister Helmut Englmann demonstrierten am Samstagabend, dass dies doch möglich ist.

Beide sprachen sich klar gegen die Ansiedlung eines Schlachthofs in der Landkreisgemeinde aus und argumentierten, ein neuer Schlachthof sei nur an einem Standort sinnvoll, wo es auch Mastbetriebe gebe. "Und Aschheim ist meiner Beobachtung nach nicht gerade ein Zentrum der Tierhaltung", bemerkte Hofreiter.

Eine Woche vor dem Bürgerentscheid über den Bau des Schlachthofs hatten die Gegner des Projekts in Hofreiter einen prominenten Gast als Fürsprecher gewinnen können. Im gut besuchten Bürgersaal gab der in Sauerlach aufgewachsene Biologe mit einer von der Landkreis-Gruppe der Grünen organisierten Lesung aus seinem Buch "Fleischfabrik Deutschland" der aktuellen Schlachthofdiskussion zunächst einen theoretischen Überbau. Manche Hintergrundinformationen über den Grad der Industrialisierung der Landwirtschaft und die Situation in der Massentierhaltung hierzulande ließen die Zuschauer schlucken.

Das Hauptinteresse des Publikums galt aber dem Ansinnen eines Fleischhändlers aus Nordrhein-Westfalen, mit Hilfe eines britischen Projektentwicklers ein Schlachtzentrum mit einer maximalen Schlachtkapazität von 1500 Rindern und 7000 Schweinen pro Woche zu errichten, in das womöglich die Metzger des Münchner Schlachthofs umziehen sollen. CSU- und SPD-Fraktion im Gemeinderat unterstützen das Projekt. Nach großen Protesten in der Bevölkerung kommt es am 9. Oktober zu einem Bürgerentscheid.

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Hofreiter plädiert für dezentrale Schlachthöfe

Die Ablehnung des Betriebes vereint seither Parteien, die selten am selben Strang ziehen. Gegen den Schlachthof sprechen sich Bürger und die örtlichen Freien Wähler ebenso deutlich aus wie der Bund Naturschutz und mehrere Tierschutzgruppen. Auch die Grünen sind in Aschheim sonst wenig präsent - die Kommune ist die einzige im Landkreis ohne grünen Ortsverband. Für seine Argumente gegen den Schlachthof erhielt Hofreiter am Samstag hingegen viel Zustimmung. "Aus unserer Sicht ist das eine Fortsetzung des falschen Systems", betonte Hofreiter. Er sprach sich für dezentrale Schlachthöfe aus. "Wir müssen nicht die Tiere transportieren, sondern das Fleisch." Gerade angesichts des rasanten Flächenverbrauchs in Bayern warnte der Grünen-Politiker die Kommune zudem davor, ihre Grundstücke übereilig zu "verramschen".

Englmann: Der Schlachthof muss nicht sein

Auch Aschheims Altbürgermeister Englmann, der nach 30 Jahren Amtszeit 2014 an seinen Nachfolger Thomas Glashauser (CSU) übergeben hatte, betonte, Aschheim sei finanziell gut aufgestellt, es gebe keinerlei Zwang, die Grundstücke im Gewerbegebiet gleich zu verkaufen; dank eines Vorkaufsrechts verdient die Gemeinde auch bei Grundstücksverkäufen von Privatleuten wie im vorliegenden Fall mit. Zudem, unterstrich Englmann, habe Aschheim Alternativen bei der Ansiedlung und verwies auf das Noris-Rechenzentrum, welches derzeit unweit des geplanten Schlachthofgeländes entsteht. Solche Betriebe brächten auch "qualifizierte Arbeitsplätze für die jungen Leute", sagte Englmann - ein Seitenhieb auf die von den Befürwortern angeführten Jobs, die im Schlachthof entstehen sollen.

Ingrid Lenz-Aktas von der SPD, die als einzige Gemeinderätin im Publikum die Befürworterseite vertrat, sah sich in der folgenden Diskussion einer Übermacht von Ablehnung gegenüber.