GeothermieNeue Tiefenbohrung soll Energieversorgung der Region sichern

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Die AFK-Zentrale Aschheim rüstet sich mit einer neuen Tiefenbohrung für die Zukunft.
Die AFK-Zentrale Aschheim rüstet sich mit einer neuen Tiefenbohrung für die Zukunft. Claus Schunk
  • Die AFK Geothermie GmbH plant 2026 eine zweite Tiefenbohrung für 50 Millionen Euro, um 1200 weitere Haushalte anzuschließen.
  • Der Geothermieanteil soll von knapp zwei Drittel auf über 90 Prozent steigen und die Abhängigkeit von Erdgas reduzieren.
  • Bis 2045 soll die Anlage vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden und die Hälfte des Wärmebedarfs der drei Gemeinden decken.
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Seit 2009 beliefert die AFK Geothermie GmbH Privathäuser und Firmen im Münchner Osten mit Erdwärme. Zuletzt wurde Kritik an dem Projekt laut. Nun soll eine zweite, millionenschwere Tiefenbohrung die Geothermie für die Zukunft rüsten.

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Was für Laien nur nach ein paar Erdhaufen hinter der Aschheimer Energiezentrale aussieht, verborgen im Schatten der Lärmschutzwände der Autobahn, ist in Wirklichkeit der Beginn eines großen Vorhabens. Es sind die Vorboten eines großen Projekts, das die Energieversorgung der drei Gemeinden Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen für die Zukunft sichern soll: Die AFK, das gemeinsame Geothermieprojekt der drei Gemeinden östlich von München, plant eine zusätzliche Tiefenbohrung – ein entscheidender Schritt für die künftige Energieversorgung.

2008 legten die damals amtierenden Bürgermeister von Kirchheim, Aschheim und Feldkirchen den Grundstein für die AFK. Die gemeinsame GmbH war damals das erste interkommunale Geothermievorhaben in Deutschland. Für die Kommunen markierte die AFK den Einstieg in eine nachhaltige, umweltfreundliche Wärmegewinnung. Derzeit versorgt das Geothermienetz etwa 1700 Gebäude in den drei Orten mit etwa 31 000 Einwohnern. Dabei handelt es sich um Privathaushalte genauso wie Unternehmen.

Allerdings zeigten die vergangenen Jahre deutlich, dass die AFK an ihre Grenzen gekommen ist. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Erdwärme aufgrund der Gaspreisexplosion nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine konnte der Kommunalversorger nicht erfüllen. Und der bestehende Energiemix aus einem vergleichbar niedrigen Anteil von knapp zwei Drittel Geothermie und gut einem Drittel Erdgas, mit dem zugeheizt wird, erwies sich bei den plötzlich stark gestiegenen Gaspreisen als Manko, das zu hohen Kundenpreisen führte. Beschwerden wurden laut.

Dem treten die Kommunen nun mit einem „Transformationsplan“ für die AFK entgegen. Zentraler Punkt ist: 2026 soll eine zweite Tiefenbohrung erfolgen, welche die Kapazitäten der AFK deutlich erhöht und den Geothermieanteil auf mehr als 90 Prozent anhebt. Etwa 1200 weitere Haushalte und Betriebe könnten dadurch zusätzlich an die Geothermie angeschlossen werden, erklärte AFK-Geschäftsführerin Martina Serdjuk während einer Informationsveranstaltung für die Gemeinderäte der Kommunen Anfang Februar.

Der Wunsch nach einer Dublette war schon länger laut geworden. Bislang war diese aber an der Finanzierung gescheitert. Nun, unter anderem dank verbesserter Förderbedingungen, will die AFK das Großprojekt angehen. Von den rund 50 Millionen Euro Gesamtkosten haben die drei Gemeinden fünf Millionen selbst zu stellen. 20 Millionen Euro stammen an Fördermitteln, die restlichen 25 Millionen finanziert die AFK über Kredite. Nach einem Jahr der Vorbereitungen und Fundamentarbeiten, sagt Serdjuk, soll das Zukunftsprojekt ab 2026 dann auch sichtbar werden.

Die AFK will die Kommunikation mit ihren Kunden auf ein neues Level heben, verspricht Martina Serdjuk, Geschäftsführerin Martina Serdjuk
Die AFK will die Kommunikation mit ihren Kunden auf ein neues Level heben, verspricht Martina Serdjuk, Geschäftsführerin Martina Serdjuk Claus Schunk

Das bedeutet: Wo heute noch Erdhaufen abgeschoben werden, wird im Laufe des Jahres ein 40 Meter hoher Bohrturm entstehen, um knapp 2600 Meter in die Tiefe vorzustoßen, wo sich das begehrte, etwa 90 Grad heiße Thermalwasser befindet. Neben der Förderbohrung wird eine zweite Bohrung gesetzt, über die das Wasser nach dem Durchlaufen des Heizkreislaufs wieder zurück in die Erde geleitet wird.

Bereits im Frühjahr 2026 soll parallel der Bau einer zweiten Energiezentrale beginnen, in der Wärmetauscher und Trafo untergebracht sind. Voraussichtlich ab Mitte 2027 soll die neue Anlage in Betrieb gehen können und das Wärmenetz verstärken. Begleitend wird das Leitungsnetz ausgebaut; die Geothermieanlage soll zudem durch den Zubau von Kompressionswärmepumpen effizienter gemacht werden.

Langfristig sieht der Plan vor, dass die Geothermieanlage in Aschheim bis 2045 vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben wird; welche genau das sein werden, soll je nach Verfügbarkeit entschieden werden. Für die Eigenstromversorgung ist etwa eine große Photovoltaikanlage im Gespräch. Durch all diese Maßnahmen soll die AFK im Jahr 2045 etwa die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs der drei Kommunen abdecken können.

Auf einer neuen Website können Interessierte den Baufortschritt mitverfolgen

Hand in Hand zum technischen Ausbau passt die AFK ihr Auftreten an. „Wir wollen die Kommunikation mit unseren Kunden auf ein neues Level heben“, sagt Serdjuk. Die drei Gemeinden haben eine Kommunikationsagentur beauftragt, die für die AFK ein neues, ansprechendes Markenauftreten entwickelt hat. Unter dem Slogan „Energie unter uns“ und einem modernen Logo präsentiert sich der Energieversorger künftig auf Fahnen, Informationsmaterial und – als Herzstück – einer neuen Website. Auf dieser können Kunden und Interessierte unter anderem den Baufortschritt für die zweite Tiefenbohrung mitverfolgen, Preise vergleichen und recherchieren, ob ihr Wohnhaus im Planungsbereich der AFK liegt oder nicht.

Als Zeichen für mehr Transparenz bietet die AFK künftig Führungen durch die Geothermieanlage an; für November ist eine Kundenveranstaltung in Kirchheim geplant. Die Kommunalpolitiker sollen in regelmäßigen Abständen über den Fortschritt informiert werden. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte Andreas Janson (Unabhängige Wählervereinigung), Bürgermeister von Feldkirchen und derzeit Vorsitzender des AFK-Aufsichtsrats. Auch wenn es zu Beginn der Geothermieförderung einige Fragen gegeben habe, rückblickend müsse man den Gründervätern der AFK dankbar sein für ihren Mut und Weitblick. „Nun ist es an uns, diesen Schatz auch weiterhin bestmöglich nach oben zu bringen.“

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