bedeckt München

Wirtschaft:Autozulieferer aus der Spur

Aschheim, Firmengebäude Schlemmer

Das Unternehmen am Einsteinring ist weltweit tätig.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Schlemmer Group in Aschheim muss Insolvenz anmelden. Als Ursache gelten die starke Expansion, aber auch der Nachfragerückgang und die Neuausrichtung der Branche.

Von Gudrun Passarge

Der Automobilzulieferer Schlemmer Group aus Aschheim hat Insolvenz angemeldet. Von dem bereits am 18. Dezember gestellten Antrag sind die Standorte Aschheim, Haßfurt und Münchingen mit etwa 600 Mitarbeiter betroffen, darunter 167 am Firmenhauptsitz des Spezialisten für Kunststoffe und Spritzgusslösungen in Aschheim.

Allerdings, so eine Mitteilung der Schlemmer Group vom Dienstag, seien Kündigungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht geplant: "Die Insolvenz hat keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze." Die Löhne würden weitergezahlt. "Auch der Geschäftsbetrieb bleibt von der Insolvenz unberührt und läuft weiterhin reibungslos."

Schlemmer ist ein Unternehmen, das weltweit 3800 Mitarbeiter beschäftigt, nach Angaben der Firmen-Homepage in 22 Ländern. Von der Insolvenz seien nur die deutschen Standorte betroffen. Eine Tochterfirma von Schlemmer, die Hoppe Kunststoffspritzerei und Formen GmbH & Co. KG in Berlin, hatte bereits im Oktober ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet.

Die Schlemmer Group, die Batteriebauteile und Kabelschutzlösungen für Autos, Motorräder und Lkw herstellt, war im Mai 2016 von dem Finanzinvestor 3i übernommen worden. Sie begründet den Insolvenzantrag damit, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gewachsen und "vor allem durch das Wachstum am nordamerikanischen Markt finanziell stark beansprucht" worden sei.

Ziel sei in den vergangenen Monaten gewesen, die Organisationsstrukturen entsprechend anzupassen und eine Finanzierung aufzubauen. Dazu gab es auch Finanzierungsgespräche, die jedoch "angesichts der konjunkturellen Lage und damit verbundener Absatzeinbußen" nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Deswegen habe sich die Geschäftsleitung dazu entschlossen, Insolvenz anzumelden. Dadurch solle die Fortführung des Unternehmens gesichert werden.

Das Unternehmen sucht neue Kapitalgeber

In einer aktuellen Pressemitteilung heißt es, in den nächsten Wochen werde ein "strukturierter Investorenprozess" aufgesetzt, sprich: Das Unternehmen sucht neue Kapitalgeber. Geschäftsführung und Insolvenzverwalter Hubert Ampferl von der Kanzlei Beck und Partner sind nach eigener Darstellung zuversichtlich, einen neuen Investor zu finden, denn die Schlemmer Group fertige wichtige Bestandteile für die E-Mobilität und autonomes Fahren, so etwa Batteriegehäuse und Lösungen zur Sensorreinigung. Laut Bayerischem Rundfunk sind die Auftragsbücher gut gefüllt.

Die betroffenen Mitarbeiter des Unternehmens waren vor Weihnachten informiert worden. Bereits einige Tage nach der Antragstellung wurden Löhne und Gehälter durch eine Insolvenzvorfinanzierung gesichert. Die Schlemmer Group ist nicht der erste Autozulieferer, der mit Schwierigkeiten und der sich abschwächenden Nachfrage zu kämpfen hat.

Auch Größen wie Schaeffler, Conti oder Bosch haben wegen der Neuausrichtung in der Branche einen Stellenabbau angekündigt, auch Werke sollen geschlossen werden. Die Branche zählt mehr als 800 000 Beschäftigte in Deutschland, mehrere hunderttausend Stellen sollen von dem Umbruch betroffen sein, so das Ergebnis von Studien. Die Schlemmer Group arbeitet jetzt erst einmal an der Fortführung des Unternehmens.

© SZ vom 15.01.2020/wkr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite