bedeckt München 17°

Aschheim:Schlachthofgegner wetzen die Messer

Hitzige Debatten und Protest bestimmten die Infoveranstaltung zum geplanten Schlachthof in Aschheim.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Aschheimer reagieren mit massivem Protest auf Informations- und Werbeveranstaltung der Investoren.

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Der Imagefilm über den geplanten Schlachthof, den die PR-Agentur der Initiatoren eigens für die Informationsveranstaltung am Freitagnachmittag vorbereitet hatte, lief nur wenige Minuten. Dann ging er unter im Protest der Aschheimer Bürger. Mehrere Hundert waren ins Kulturelle Gebäude gekommen, um ihre Fragen und Zweifel zu dem umstrittenen Projekt los zu werden. Zunächst musste die Veranstaltung unterbrochen werden, da Tierschützer des Aktionsbündnisses "Mastanlagen-Widerstand" mit einem Transparent die Bühne besetzten. Sie verließen später freiwillig die Bühne, nachdem Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) die Polizei verständigt hatte. Dennoch blieb die Veranstaltung hitzig.

Die Form der Einzeldiskussion an kleinen Tischen, die der Initiator des Projekts, Albert Oppenheim, Fleischgroßhändler aus Nordrhein-Westfalen, und seine Mitstreiter vorgesehen hatten, stieß auf lautstarken Protest. "Ich habe den Eindruck, dass man sich vor öffentlichen Fragen drückt", kritisierte Andrea Pieringer aus Aschheim stellvertretend für viele Anwesende. Nach mehreren hektischen Minuten stellten sich Oppenheim, der britische Projektentwickler John Roland Pickstock, deren anwaltliche Berater und Mitgesellschafter Christian Hüsken sowie Architekt Jörg Hetkamp auf dem Podium den Fragen der Anwohner.

Das Misstrauen ist groß

Diese ließen in großen Teilen durchscheinen, wie groß das Misstrauen vieler Anwesender gegenüber dem Schlachthof inzwischen ist. Ob die Podiumsrunde dieses entkräften konnte, muss indes angezweifelt werden. Die Antworten von Hüsken, der die Wortführung bald an sich zog, wurden immer wieder von Missmutsäußerungen unterbrochen. Die Fragesteller zogen unter anderem die von Investorenseite in Aussicht gestellten Gewerbesteuereinnahmen von jährlich etwa zweieinhalb Millionen Euro in Zweifel.

Die Betriebe des Münchner Schlachthofs, die als mögliche Mieter der neuen Aschheimer Anlage immer wieder genannt werden, wiesen insgesamt nur äußerst geringe Bilanzgewinne auf, sodass so hohe Gewerbesteuereinnahmen im Vergleich utopisch erschienen, so das Argument der Gegner. Auch dass Initiator Oppenheim mit Verweis auf noch laufende Verhandlungen nicht nennen wollte, welche "mindestens zehn regionalen Metzgereibetriebe" sich wie angekündigt in Aschheim ansiedeln sollen, wurde kritisiert, ebenso die Verteilung von Werbematerial für den Schlachthof, das in einigen Aschheimer Briefkästen gleichzeitig mit den Briefwahlunterlagen gelegen habe.

Das Misstrauen in Aschheim gegen den Schlachthof ist groß. Der Investor konnte die Kritiker nicht überzeugen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bürgerentscheid am 9. Oktober

Positiv aufgenommen wurde Oppenheims Zusicherung, eine Biogasanlage zur Vergärung der Schlachtabfälle habe man aus den Plänen gestrichen. Die Anlage hatte unter den Bürgern zusätzlich große Ablehnung hervorgerufen. Der Entwurf des Architekten Jörg Hetkamp sieht auf dem gut elf Hektar großen Areal im Gewerbegebiet an der A 99 eine getrennte Rinder- und Schweineschlachtung mit Verarbeitungs-, Kühl- und Verwaltungsgebäuden mit einer Grundfläche von insgesamt etwa 27500 Quadratmetern sowie Anlieferzonen und Grüngürtel vor. Der Schlacht- und Verarbeitungsprozess soll gänzlich im Haus stattfinden, sodass keine Geruchsbelästigung auftrete.

Die architektonischen Details wurden am Freitagabend überlagert von anderen grundsätzlichen Fragen. Bis in den Abend hinein wurde im Bürgersaal teils aufgebracht diskutiert. Welche Argumente am Ende entscheidend sind, wird sich am 9. Oktober zeigen: Dann beschließen die Aschheimer beim Bürgerentscheid, ob sich der Schlachthof ansiedeln darf oder nicht.

© SZ vom 17.09.2016/hilb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite