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Aschheim:Schlachthof-Investor setzt auf Salamitaktik

Investor Albert Oppenheim (vorne) und Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser machen Werbung für den Schlachthof.

(Foto: Claus Schunk)

Angesichts der Proteste in Aschheim geht Albert Oppenheim in die Offensive: Der Fleischhändler beklagt "Gruselbilder" in der Öffentlichkeit und verspricht Transparenz

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Ein Vierteljahr nach Bekanntwerden der Pläne für einen Schlachthof in Aschheim gehen die Initiatoren in die Offensive. Grund ist der Bürgerentscheid, für den der Gemeinderat an diesem Donnerstag die Fragestellung festlegen wird und in dem die Aschheimer am 9. Oktober entscheiden werden, ob das Großprojekt gebaut oder gekippt wird. Letzteres wollen die Kommune und der Investor, die Firma Opus Munich, tunlichst verhindern.

Angesichts des Protests in der Bevölkerung eröffneten beide am Mittwoch eine Kommunikations-Gegenoffensive. Mit der eigens gegründeten "Initiative Pro Metzgerei- und Schlachtgemeinschaft an der A 99" will Opus-Munich-Geschäftsführer Albert Oppenheim um Unterstützung für sein Projekt werben. Er wolle aufklären über zum Teil falsche Vorstellungen, sagte der Fleischgroßhändler aus dem Münsterland bei einem Pressetermin am Standort. Es seien Gruselbilder im Umlauf, die den Abläufen in einem modernen Schlachtbetrieb von heute nicht entsprächen. Nach Darstellung des Investors soll das geplante Aschheimer Fleischzentrum das modernste deutschlandweit werden.

Eine PR-Agentur hilft den Befürwortern

"Es ist uns wichtig, Unwahrheiten mit Fakten zu widerlegen", sagte auch Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU). Zu diesem Zweck haben sich Oppenheim und die Gemeinde die PR-Agentur Engel und Zimmermann aus Gauting an die Seite geholt, die Kunden in der Lebensmittelbranche berät und mit Erfahrung in Krisenkommunikation wirbt.

Zu den Bestandteilen der Informationskampagne zählt die Internetseite www.metzgereigemeinschaft-a99.de, auf der die Befürworter ihre Schlachthofpläne erläutern, sowie die direkte Ansprache der Bürger, die sich bislang heftig über die mangelnde Kommunikation des Rathauses beklagt hatten. Am 16. September soll es zudem einen Informationsnachmittag mit dem Investor geben. Oppenheim kündigte an, er werde auch mit Informationsständen mehrfach in Aschheim und Dornach sein. "Es werden alle Fragen beantwortet."

Dass der Aufschrei in Aschheim und den Nachbarkommunen so groß sein würde, damit hatte die Gemeinde offensichtlich nicht gerechnet. Noch immer wird das Projekt im Gemeinderat von einer deutlichen Mehrheit aus CSU und SPD unterstützt, doch auch die Befürworter scheinen erkannt zu haben, dass es nicht einfach sein dürfte, die Anwohner von einem Schlachthof zu überzeugen.

In sechs Wochen sollen die laufenden Verhandlungen abgeschlossen sein

Die Mitglieder der Informationsinitiative betonen daher den regionalen Charakter des Projekts. Er könne sich "dafür verbürgen", dass kein Großkonzern nach Aschheim komme, versichert Oppenheim. 15 bis 20 mittelständische Metzgereien aus der Region München, darunter Metzger vom Münchner Schlachthof, sollen die Mieter werden. In etwa sechs Wochen, so hofft Oppenheim, sollen die laufenden Verhandlungen abgeschlossen sein. Dann werde man Namen nennen können.

Bis dahin sollen auch die Baukosten des Projekts genau abzuschätzen sein, das auf mehr als elf Hektar Fläche an der Klausnerstraße entstehen soll. Wenn nötig, werde man beim Bau des Schlachtzentrums auf die Erfahrung des britischen Pickstock-Konzerns zurückgreifen, sagte Oppenheim an. Die Pickstock-Gruppe ist ein internationales Unternehmen mit Sitz im britischen Shropshire, das in der Lebensmittel-, Bau- und Immobilienbranche aktiv ist. John Pickstock ist neben Oppenheim Geschäftsführer der Firma Oppenheim und Co. Real Estates GmbH, die als persönlich haftender Gesellschafter der Opus Munich GmbH und Co. KG auftritt.

Oppenheim versprach am Mittwoch in Aschheim, dass dank eines hochmodernen Baus weder Gerüche noch Lärm aus dem künftigen Schlachtzentrum dringen könnten. Die Viehtransporter - vorgesehen sind etwa 25 pro Schlachttag von Montag bis Freitag - sollen direkt von der A 99 zum Schlachthof geleitet und im Gebäudeinneren ausgeladen werden. Der Abtransport der fertigen Fleischwaren solle durch etwa 50 Kleintransporter erfolgen. Maximal können in dem Betrieb den Plänen zufolge jede Woche 1500 Rinder und 7000 Schweine geschlachtet und verarbeitet werden.

© SZ vom 28.07.2016

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