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Aschheim:Rathausneubau steht auf der Kippe

Kommt die Abrissbirne oder ein Sanierer?: Die Zukunft des Aschheimer Rathauses ist wieder offen.

(Foto: Claus Schunk)

Auf Betreiben der Freien Wähler will der Gemeinderat abermals die Rentabilität einer Sanierung prüfen lassen. Der Beschluss vom Vorjahr für einen Abriss des Rathauses ist vorläufig außer Kraft gesetzt

Von Christina Hertel, Aschheim

"Endlich ja gesagt" und "Das alte Rathaus muss weichen" - so lauteten im März 2019 die Überschriften im Münchner Merkur und der Süddeutschen Zeitung. Damals hatte der Gemeinderat einstimmig entschlossen, das alte Rathaus in Aschheim abzureißen und neuzubauen. Heute - nicht einmal eineinhalb Jahre später - steht diese Entscheidung wieder auf der Kippe. Ein neuer Sachverständiger soll nun prüfen, ob sich eine Sanierung tatsächlich nicht mehr lohnen würde. In seiner Sitzung am Donnerstagabend hat der Gemeinderat außerdem beschlossen, die Planungen für einen Neubau währenddessen ruhen zu lassen.

Diese Entscheidungen sind auf einen Antrag der Freien Wähler zurückzuführen, deren Fraktionsvorsitzender Eugen Stubenvoll ursprünglich sogar erwirken wollte, dass die Beschlüsse, die der Gemeinderat einst zum Rathaus getroffen hat, aufgehoben werden. Sein Argument: Die Kostenschätzung, wonach eine Sanierung teurer als einen Neubau sei und auf deren Grundlage der Gemeinderat damals abgestimmt hatte, sei inzwischen veraltet. Das Raumprogramm habe sich in "erheblichem Maße" verändert, heißt es in dem Antrag. Eine neue Kostenschätzung habe das Rathaus trotz Nachfrage nicht abgegeben. Aufgrund dieser "Ungereimtheiten ist es unumgänglich, die Planung neu zu beginnen", schreibt Stubenvoll weiter. Die Freien Wähler hatten sich ebenso wie die Grünen bereits im Wahlkampf dafür ausgesprochen, den Rathausabriss zu überdenken. Weil seit der Kommunalwahl beide Parteien die Mehrheit im Gemeinderat stellen, blieb nun auch CSU und SPD nichts anders übrig, als auf einen Kompromiss hinzuarbeiten. Doch zumindest eine Aufhebung ihrer Beschlüsse vom März 2019 wollten sie verhindern.

Die Hürde dafür müsse hoch sein, sagte Bernhard Stilling (CSU). Zahlreiche Architekten, Sachverständige und Planungsbüros hätten sich mit dem Rathaus beschäftigt. Ihr Fazit damals: Das Gebäude habe Mängel beim Brandschutz, sei nicht barrierefrei und zu klein für alle Mitarbeiter. Sollten alle Beschlüsse, die der Gemeinderat auf dieser Grundlage traf, rückgängig gemacht werden, sagte Stilling, "frage ich mich schon, was ich die vergangenen zwei Jahre eigentlich getan habe". Architektin Sonia Fritsch ging im März 2019 sogar davon aus, dass eine Sanierung teurer käme als ein Neubau in gleicher Größe. Einschließlich der Kosten für zusätzliche Räume sprach die Architektin damals von fast sieben Millionen Euro, die die Gemeinde investieren müsse. Dass das lediglich ein Schätzwert gewesen sei, betonten unisono Bernhard Stilling von der CSU und Ingrid Lenz-Aktas von der SPD. Konkrete Zahlen könnten auch deshalb nicht vorliegen, weil die Planung noch viel zu vage sei - diese wollte der Gemeinderat nun eigentlich mit einer Ausschreibung vorantreiben. Das ist nun vorerst gestoppt.

Letztlich ließ sich Stubenvoll darauf ein, die Beschlüsse nicht aufzuheben, sondern erst die Meinung eines neuen Experten abzuwarten. Doch auch das kostet die Gemeinde Geld. Weil das alte Rathaus zu klein und die statischen Mängel zu groß wurden, sind die Rathausmitarbeiter im Herbst in ein leer stehendes Bürogebäude umgezogen. Diese Räumlichkeiten mietet die Gemeinde. "Das ist verbranntes Geld", sagte Lenz-Aktaş. Als Kommunalpolitikerin habe sie es immer wieder erlebt, dass Sanierungen - etwa beim Pasinger Krankenhaus oder beim Kirchheimer Gymnasium - um ein Vielfaches teurer seien als zunächst angenommen. "Das Rathaus", sagte sie, "hat seinen Dienst getan."

© SZ vom 20.06.2020

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