Aschheim Landratsamt fördert Deutschkurse doch weiter

Landrat Göbel weist sein Haus an, Anträge wie den der Aschheimer Asylhelfer künftig zu bewilligen

Von Korbinian Eisenberger, Aschheim

Das Landratsamt will nun doch weiterhin Deutschstunden für Flüchtlinge fördern. Wie die Sozialabteilung des Amts am Dienstag mitteilte, wird auch in Zukunft Geld zur Verfügung gestellt, um 20 Aschheimer Flüchtlinge professionell unterrichten zu können. Ein entsprechender VHS-Kurs, der nach bisherigem Stand am 19. Oktober hätte enden sollen, könne demnach über dieses Datum hinaus weitergeführt werden, hieß es. Zuvor hatte das Landratsamt dem Aschheimer Asylhelferkreis auf Anfrage mitgeteilt, dass der Kurs nicht verlängert werden könne. Zur Begründung hieß es, dass "kaum finanzielle Mittel für Deutschkurse zur Verfügung stehen".

Wie die SZ berichtete, hatte Julia John, Bildungsbeauftragte des freiwilligen Helferkreises Aschheim, diese Entscheidung mehrfach angeprangert. "Ich finde es mehr als bedauerlich, dass es für unsere Aschheimer Asylbewerber in Zukunft keine Sprachkurse mehr geben soll", hieß es in ihrer E-Mail an das Landratsamt. Als Antwort hatte sie ein Schreiben erhalten, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass das Landratsamt derzeit "leider keine andere Möglichkeit" habe. "Ich bin froh, dass es jetzt zu dieser Entscheidung gekommen ist", sagte John am Dienstag. "Das ist für die Flüchtlinge und für uns Helfer schon mal ein guter Anfang."

In dem Deutschkurs an der Volkshochschule bekommen Asylbewerber aus Dornach bei Aschheim professionellen Sprachunterricht. Bisher waren John und ihre Kollegen vom Helferkreis davon ausgegangen, das die 20 jungen Männer von Mitte Oktober an zu den privat organisierten Klassen im Asylbewerberheim an der Karl-Hammerschmidt-Straße stoßen würden. Im dortigen Container ist der Platz jedoch bereits jetzt gerade so ausreichend. "Außerdem hätten dann Anfänger und Fortgeschrittene zusammen lernen müssen", sagt John.

Soweit dürfte es nun nicht kommen. "Der Kurs wird weiter bezahlt", kündigte Markus Hauser, Leiter der Sozialabteilung des Landratsamt an. Landrat Christoph Göbel (CSU) habe die Anweisung gegeben, dass Anträge wie die von John bewilligt werden müssten. Die VHS müsse sich lediglich um Lehrer kümmern, so Hauser. Es sei dabei denkbar, dass die Volkshochschule jene einsetze, die bisher in ihrer Freizeit in der Dornacher Container-Unterkunft unterrichten. Die Kurse dort leiten derzeit jedoch größtenteils Laien. An der VHS, fordert John, müssten dagegen Profis ran. Ob ausgebildete Lehrer oder Ehrenamtliche bezahlt werden, entscheidet letztlich die Volkshochschule selbst.

Kritik daran, wie die bayerische Bildungspolitik mit dem derzeitigen Flüchtlingszuzug umgeht, hatte jüngst der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) geäußert. Präsidentin Simone Fleischmann prangerte an, dass zu wenige Lehrer eingestellt worden seien, um den steigenden Bedarf an Deutschunterricht für junge Flüchtlinge zu decken. Grüne und SPD im Landkreis hatten das bayerische Kultusministerium dafür ebenfalls kritisiert.

Um die Bildungschancen erwachsener Flüchtlinge zu erhöhen, fordert unterdessen die CSU-Stimmkreisabgeordnete im Bayerischen Landtag, Kerstin Schreyer-Stäblein, die Wirtschaft zur Unterstützung auf. Unternehmen sollten verstärkt darüber nachdenken, ob sie Praktika oder Ausbildungsstellen an Flüchtlinge zu vergeben haben. "Wir müssen die Menschen, die zu uns kommen, in Arbeit bringen", so Schreyer-Stäblein. Arbeit sei "Voraussetzung für eine wirtschaftliche Eigenständigkeit und der Grundstein für eine gelungene Integration in Deutschland". Bedarf an qualifizierten Fachkräften gebe es in der Region zur Genüge. Zudem würden Asylbewerber nach Beschäftigungsmöglichkeiten fragen.