AFK-Geothermie im Münchner OstenKommunaler Wärmeversorger will Kunden nach Protesten entlasten

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Druck auf dem Kessel: Die Energiezentrale der AFK-Geothermie in Aschheim.
Druck auf dem Kessel: Die Energiezentrale der AFK-Geothermie in Aschheim. (Foto: Claus Schunk)

Der Druck auf das Geothermie-Unternehmen der Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim zeigt Wirkung. Es verspricht für 2025 pro Anschluss einen Bonus von 200 Euro und will danach den CO₂-Preis übernehmen. Den Kritikern reicht das allerdings nicht.

Von Irmengard Gnau, Aschheim/Kirchheim

Es soll ein Signal sein an die Aschheimer, Feldkirchner und Kirchheimer, die das Zukunftsprojekt Geothermie unterstützen und von denen zahlreiche in den vergangenen Monaten überaus verärgert waren über die hohen Preise: Die interkommunale AFK-Geothermie GmbH hat angekündigt, dass sie Bestandskunden finanziell entlasten will. Pro Anschluss soll ein Bonus von 200 Euro auf die Jahresrechnung für das Jahr 2025 angerechnet werden, außerdem will die Gesellschaft vom 1. Januar 2026 an den bislang von den Kunden getragenen CO₂-Preis übernehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Gemeinderäte in Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim dem in den im Juli anstehenden Sitzungen zustimmen.

Angestoßen hat die nun in Aussicht gestellten Veränderungen ein gemeinsamer Antrag der SPD-Fraktionen in den drei Nachbargemeinden im Münchner Osten aus dem Winter 2024. Kirchheim, Aschheim und Feldkirchen haben sich 2009 zum ersten interkommunalen Geothermieprojekt in Deutschland zusammengetan und betreiben die AFK seither gemeinsam.

Mit der nun – noch vor den Abstimmungen in den Gemeinderäten – veröffentlichten Ankündigung wollten die Bürgermeister der drei Gesellschafter-Kommunen auf die Kritik der vergangenen Monate reagieren, sagt Maximilian Heyland, der seit März dieses Jahres Pressesprecher der AFK-Geothermie GmbH ist. Schon seine Einstellung darf als Bemühung der Gemeinden gewertet werden, die Außendarstellung und die Kommunikation mit den 1600 Kunden des Unternehmens zu verbessern. Das ist wohl auch nötig, betrachtet man die Vorwürfe, die zuletzt laut geworden waren.

Als Reaktion auf deutliche Preissteigerungen Ende 2023, die zum Teil zu einer Verdoppelung der Zahlungsbeträge geführt haben, hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Der Zorn der Geothermie-Kunden entzündet sich vor allem an der aus ihrer Sicht unfairen und intransparenten Preisgestaltung. Tatsächlich liegen die Preise der AFK im Vergleich zu anderen Anbietern in der näheren und weiteren Umgebung zum Teil deutlich höher.

Dazu kommt ein Grundübel, das den Kunden bei so gut wie allen Geothermie-Anbietern aufstößt: Für die Kalkulation ihres Grund- und Arbeitspreises ziehen die Geothermie-Versorger bestimmte Indizes heran, die das Statistische Bundesamt erstellt. Dazu sind sie laut der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme verpflichtet. Weil der deutsche Wärmemarkt jedoch immer noch von fossilen Energieträgern dominiert wird, bestimmen die aktuellen Preise für Erdgas und Öl auch den Wärmemarkt-Index mit, an den die Geothermie-Anbieter gebunden sind, um zu große Ausreißer zu vermeiden.

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Die Bürgerinitiative in Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim forderte daher, unter anderem in einem offenen Brief an die AFK und die Bürgermeister der Gesellschafterkommunen, mehr Transparenz zur Preisgestaltung und günstigere Preise für ihre Fernwärme. Der aktuelle Vorstoß der AFK sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, sagt Susan Gentz von der Bürgerinitiative: „Das zeigt: Sie haben sich Gedanken gemacht. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Langfristig sollte es unser Ziel sein, die Preisformel zu ändern, die uns abhängig macht von fossilen Energieträgern.“

Die SPD-Fraktionen unterstützen diese Forderung. Die Klausel, welche die starke Bindung der AFK-Preise an fossile Brennstoffe festlegt, sei völlig legal und bei ihrer Einführung vor einigen Jahren vermutlich mit gutem Vorsatz gewählt worden, stellt Michaela Harlander, Umweltunternehmerin und Vorsitzende der Kirchheimer SPD-Fraktion, klar. „In unserer heutigen Situation ist sie aber maximal ungeschickt. Man kann – gerade als kommunaler Anbieter – die Leute nicht auf einem fast verdoppelten Preis sitzen lassen.“ Harlander sieht deshalb die angekündigte Preissenkung durch einen Bonus für alle Kunden nur als ersten Schritt. Sobald es die Umstände zulassen, müsse eine andere Klausel gewählt werden, die sich mehr an den tatsächlichen Kostenfaktoren der AFK orientiere, fordert Harlander.

„Wenn die zweite Bohrung erfolgreich ist, dann wird auch die Preisklausel geändert“, sagt ein Sprecher

Die AFK Geothermie stellt diesbezüglich Besserung in Aussicht. Im kommenden Jahr soll die Anlage um ein zweites Bohrloch erweitert werden, um ihre Kapazität zu erhöhen. Für die Bohrungen und die dann notwendige zweite Energiezentrale veranschlagt die AFK nach heutigem Stand circa 50 Millionen Euro. Doch diese Investition soll sich lohnen: Von 2027 an, so hofft die AFK, wird sie dann sowohl ihr Netz weiter ausbauen und neue Kunden anschließen können, als auch ihre Wärme zu weit höherem Anteil als bisher tatsächlich aus Erdwärme gewinnen. Dank dieser neuen Zusammensetzung der Energie kann es dann auch für die Kunden günstiger werden, sagt Unternehmenssprecher Heyland: „Wenn die zweite Bohrung erfolgreich ist, dann wird auch die Preisklausel geändert.“

Bis dahin ist noch einiges zu tun. Doch die AFK signalisiert guten Willen. Die Ausschreibungen und Genehmigungsverfahren für die zweite Bohrung laufen. Intern würden gerade viele Prozesse digitalisiert, erklärt Heyland. Auch bei der Anlagentechnik seien noch einige Investitionen nötig. Die Zahl der Gaskessel soll sukzessive verringert und durch andere Techniken ersetzt werden. Es gibt Pläne für eine große Solaranlage. Das alles soll dem großen Ziel dienen, bis 2045 vollständig klimaneutral zu werden. „Das ist unsere Aufgabe für die Zukunft“, sagt Heyland.

Am Montag, 14. Juli, informieren die AFK und die Bürgermeister von Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim im Feldkirchner Rathaus über die Pläne zur kommunalen Wärmeplanung der Gemeinden. Beginn ist um 18.30 Uhr.

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