Die Sozialdemokraten in Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim wollen das interkommunale Geothermie-Unternehmen AFK transparenter machen. In gleichlautenden Anträgen kritisieren die drei SPD-Gemeinderatsfraktionen die bisherige Informations- und Preispolitik und fordern eine bessere Kommunikation. „Sowohl die Bürger als auch die Gemeinderäte fühlen sich nicht ausreichend informiert“, sagt Ingrid Lenz-Aktaş von der Aschheimer SPD-Fraktion. Das Thema sei nicht nur in ihrer Gemeinde schon seit längerer Zeit im Gespräch.
Zuletzt verursachten starke Preiserhöhungen Ende 2023 Aufregung. Wie Christian Wilhelm von der Feldkirchner SPD-Fraktion berichtet, seien die Preise teilweise doppelt so hoch gewesen wie noch zwei Jahre zuvor. Viele Bürger würden nun für die Geothermie deutlich mehr zahlen als für einen Gasvertrag.
Geschäftsführerin Martina Serdjuk hatte zwar nach massiver Kritik im Frühjahr im Aschheimer Gemeinderat erklärt, wie die Preise zustande kommen: Diese würden mithilfe einer Formel berechnet, die unter anderem Indexwerte für Erdgas, Strom, Heizöl und Fernwärme beinhaltet. Da der Preis nur ein Mal im Jahr angepasst werde, kämen Entwicklungen wie die Höchststände der Gaspreise bei AFK-Kunden verzögert an.
Für die SPD kamen diese Erläuterungen allerdings zu spät und die Verbraucher seien nicht direkt informiert worden: „Man will doch als Kunde ernst genommen werden und nachvollziehen können, warum es Preiserhöhungen gibt“, sagt Lenz-Aktaş. Ein Ziel des Antrags ist daher mehr Transparenz: „Preiserhöhungen wurden lange nicht gut kommuniziert“, sagt Michaela Harlander von der Kirchheimer SPD-Fraktion. „Das ist alles sehr undurchsichtig.“ Insbesondere die Formel, mit der die AFK ihre Preise berechnet, sei ein Problem: Für die meisten Laien ist sie laut Harlander kaum nachvollziehbar. Sie selbst hat eigenen Worten zufolge Tage gebraucht, um sie völlig zu verstehen.
Wilhelm aus Feldkirchen kann das bestätigen: Als Kunde erhalte man nur ein Preisblatt und müsse sich damit selbst ausrechnen, welche Auswirkungen Änderungen konkret hätten. Die SPD fordert von der AFK daher nicht nur eine für Laien verständliche Erläuterung der Preisklausel, sondern auch konkrete Rechenbeispiele, etwa für den Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses.
Um die Berechnung in Zukunft gerechter zu gestalten, regt die SPD zudem an, die Preisklausel anzupassen. Laut Harlander nehmen die Preise für fossile Energien gleich doppelt Einfluss auf die Geothermie-Kosten: Einerseits führt die AFK einen expliziten CO₂- Preis auf, weil sie mit Gas zuheizt, andererseits fließt der aktuelle Erdgaspreis in einen Index ein, der ebenfalls zur Berechnung verwendet wird. „Fossile Energien treiben den Preis, obwohl die Leute mit sauberer Energie heizen“, sagt Harlander. Dass die AFK-Preise aufgrund eines zwischenzeitlichen Höchststands bei den Gaskosten ebenfalls in die Höhe getrieben wurden, sei für die Kunden „ein Schlag ins Gesicht“ gewesen.
Die SPD fordert daher, die Klausel bei nächster Gelegenheit anzupassen. Laut Harlander könnte man etwa den expliziten CO₂- Preis streichen oder für die Berechnung einen anderen Index verwenden, in den nicht die Preise für Erdgas einfließen.
Aufgrund der enormen Preissteigerung vermuten die Sozialdemokraten, dass die AFK zumindest im Jahr 2024 einen hohen Gewinn erwirtschaften kann. Die Fraktionen fordern, die genauen Zahlen öffentlich einsehbar zu machen. Ein allzu großer Überschuss sollte, so wünscht es sich die SPD, im kommenden Jahr als Rabatt an die Kunden zurückgegeben werden – um die vergangenen Preissteigerungen abzufedern.
„Das Unternehmen hat an sich eine gute Zukunft“
Die SPD-Politiker sind sich einig darin, dass die AFK-Geothermie eine „Erfolgsgeschichte“ ist, wie Lenz-Aktaş es nennt. „Das Unternehmen hat an sich eine gute Zukunft“, sagt Wilhelm. Damit das so bleibt, sehen sie aber in Bezug auf die Transparenz und die Preispolitik dringenden Handlungsbedarf. Wilhelm zeigt sich zuversichtlich, dass der Zusammenschluss der drei Fraktionen etwas bewirken kann: „Wir ziehen alle an einem Strang.“
Ein Teil der Forderungen könnte sich indes bald erfüllen: Wie Feldkirchens Bürgermeister Andreas Janson (Unabhängige Wählervereinigung) vergangene Woche bei der Bürgerversammlung mitteilte, hat die AFK einen Mitarbeiter für die Kommunikation und Kundenbetreuung eingestellt. Zu seinen Aufgaben zähle auch die Überarbeitung der Informationen auf der Internetseite.

