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Aschheim:"Erst einmal sacken lassen"

Nein zum Fleischhandelszentrum: Der Bürgerentscheid hat die Pläne der Gemeinde Aschheim durchkreuzt.

(Foto: Claus Schunk)

Nach dem Nein zum Schlachthof ist offen, wie es in der Gemeinde weitergeht. Zieht stattdessen ein Logistikkonzern an die A 99? Kommunalpolitiker wollen erst einmal abwarten. Als sicher aber gilt, dass sich Betriebe ansiedeln werden

Von Martin Mühlfenzl, Aschheim

Es sind markige Worte, mit denen die Tierschützer der Organisation Animals United das Aus für den Schlachthof in Aschheim begleiten. "Die finale Schlacht um den Schlachthof ist geschlagen und findet ein gutes Ende", lassen die Aktivisten verlauten. Und tatsächlich wird der überwältigende Erfolg der Schlachthof-Gegner vom Sonntag zur Folge haben, dass ein Betrieb dieser Art in Aschheim auf absehbare Zeit wohl nicht einmal mehr in den Träumen der einstigen Befürworter vorkommen wird.

Das hat auch Investor Albert Oppenheim erkannt, der am Montag via Pressemitteilung erklärte, es sei "in der aufgeheizten Stimmung" nicht mehr möglich gewesen, mit sachlichen Argumenten durchzudringen. Er selbst stehe weiter zu einem modernen Konzept einer Metzgerei- und Schlachtgemeinschaft mit regionalen Betreibern. Ob und vor allem wo er dieses Konzept verwirklichen will, wollte Oppenheim auch auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung nicht weiter erläutern.

Das Aus eines Schlachthofs in Aschheim bedeutet für die Gemeinde allerdings nicht, dass eine Gewerbeansiedlung auf dem Areal an der A 99 für alle Zeit vom Tisch wäre. Ganz im Gegenteil. Denn es stellen sich regelmäßig Unternehmen bei der Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) vor und bekunden ihr Interesse an einem Umzug in die Gemeinde. So auch im Jahr 2015. Damals skizzierte der Großlogistiker Transgourmet dem Gemeinderat seine Absicht für den Aufbau eines weiteren Logistikzentrums in Aschheim. Das Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitern beliefert in ganz Deutschland Restaurants, Hotels und Betriebe. Das Aschheimer Gremium aber sprach sich aufgrund der zu erwartenden geringen Steueraufnahmen gegen die Ansiedlung eines Logistikunternehmens aus.

Nach der Abfuhr aus Aschheim versuchte Transgourmet in Freising sein Glück. Dort fand am Sonntag ebenfalls ein Bürgerentscheid statt, bei dem die Gegner des Logistikunternehmens allerdings knapp verloren. Allerdings hatte Transgourmet kurz vor der Abstimmung seine Pläne genervt ad acta gelegt. Ein erneuter Versuch seitens des Logistikers, eventuell doch in Aschheim zu landen, sei aber nicht geplant, versichert Bürgermeister Glashauser: "Es gibt keine Gespräche." Wohl aber den erklärten Wunsch, schon bald Betriebe auf dem als Gewerbefläche ausgewiesenen Areal an der A 99 anzusiedlen. Ob dies ein Logistikunternehmen sein könnte, das viel Verkehr nach sich zieht? "Ich weiß es nicht", sagt Thomas Glashauser. "Wir werden darüber in aller Ruhe diskutieren."

Jetzt werde man das Ergebnis vom Sonntag "erst einmal sacken lassen". "Aber dann muss die Arbeit weitergehen. Wir sind als Gemeinde angesichts der Herausforderungen, die vor uns liegen, auf die Gewerbesteuereinnahmen angewiesen", so Glashauser. Die Sanierung der Grundschule, der Neubau des Gymnasiums Kirchheim, den Aschheim als Zweckverbandsmitglied mitfinanziert, ein mögliches weiteres Gymnasium in Aschheim oder Feldkirchen - "wir tragen als Gemeinderat Verantwortung, dass wir all das finanziert bekommen".

Wie das innerhalb eines Gremiums gelingen soll, das sich in der Schlachthof-Debatte als tief zerrissen präsentierte, ist für Glashauser klar: "Ganz einfach, durch gute Arbeit." SPD-Gemeinderätin Ingrid Lenz-Aktas und ebenfalls eine Schlachthof-Befürworterin sieht indes "viel Aufarbeitung vor uns" und den Rathauschef in der Verantwortung. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bürgermeister offensiver für das Projekt geworben hätte. Aber es kam nichts. Und irgendwann war es sehr schwer, überhaupt durchzudringen." Die SPD-Politikerin hofft nun, dass das "vergiftete Klima" zwischen Gegnern und Befürwortern nicht von Dauer ist, und auf eine "Abkehr vom Sankt-Florians-Prinzip". "Bei Gesprächen habe ich immer wieder gehört, dass Bürgern der Schlachthof auch in dieser Größe egal ist, solange er nicht in ihrer Nachbarschaft steht." Wie Glashauser hält auch Lenz-Aktas die Ansiedlung von Gewerbe für unausweichlich, um den Ort für die Zukunft zu rüsten.

Die Grünen im Landkreis kritisieren, dass sich CSU und SPD im Gemeinderat gerade von einem Schlachthof Mehreinnahmen erhofft hatten. "Gewerbesteuereinnahmen, sagt die Vorsitzende Antje Wagner, leiteten sich vom Gewinn und nicht vom Umsatz ab: "Dass ein Unternehmen in den Aufbaujahren so einen hohen Gewinn generiert, ist unwahrscheinlich." Die Bürger hätten sich aber nicht blenden lassen und dem Gemeinderat "eine deftige Ohrfeige" verpasst.

Für Bürgermeister Glashauser hat die Auseinandersetzung übrigens noch ein juristisches Nachspiel: Gegen ihn liegen vier Dienstaufsichtsbeschwerden vor. Diese werden derzeit im Landratsamt geprüft.

© SZ vom 11.10.2016

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