Mit der Bürgermeisterwahl am 1. Dezember endet in Aschheim eine lange Zeit der Unsicherheit. Mehr als zwei Jahre lang behalf sich die Gemeinde mit einer Übergangslösung, nachdem Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) sich im September 2022 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Die Amtsgeschäfte führt seither Zweiter Bürgermeister Robert Ertl (Freie Wähler) mit Unterstützung von Dritter Bürgermeisterin Marion Seitz (Grüne). Beide bewerben sich nun um die Nachfolge Glashausers. Und auch CSU-Ortsvorsitzender Florian Meier möchte es auf den Chefsessel im Rathaus schaffen.
Dabei finden sich in den Programmen einige Gemeinsamkeiten. Alle Kandidaten sprechen sich dafür aus, die Geothermie zu stärken. Aschheim betreibt gemeinsam mit den Nachbargemeinden Feldkirchen und Kirchheim das kommunale Unternehmen AFK-Geothermie. Meier kündigt an, sich für den Ausbau der Kapazitäten einzusetzen. Ertl und Seitz plädieren für eine transparentere Kommunikation mit den Kunden sowie für faire, nachvollziehbare Preise. Immer wieder gibt es aufgrund der komplexen Berechnung Beschwerden.
Transparenz soll es laut allen Bewerbern auch in der Rathausverwaltung geben. „Man darf den Bürgern nicht nur sagen: Das können Sie nachlesen“, sagt Seitz. Entscheidungen müsse man erklären, Ideen und Anliegen von Bürgern müssten ernst genommen werden. CSU-Kandidat Meier will die Digitalisierung für mehr Nahbarkeit nutzen und als Bürgermeister Online-Sprechstunden anbieten. Auch die Kommunikation der Rathausverwaltung über die sozialen Medien möchte er ausbauen.

Eine Prognose mag niemand abgeben, für viele gilt aber Robert Ertl als Favorit. Der 59-Jährige ist selbst ebenfalls zuversichtlich. In den vergangenen zwei Jahren habe er schon Erfahrung sammeln können, sagt er: „Ich weiß, wie es funktioniert.“ Er wünscht sich eigenen Worten zufolge, dass die Bürger sagen: „Die zwei Jahre Ertl haben mir gefallen, da mache ich mein Kreuz.“
Wenn ihm die Mehrheit diesen Wunsch erfüllt, möchte Ertl sich als Bürgermeister für eine attraktive Ortsmitte einsetzen. Das passiere zwar nicht von heute auf morgen, doch man könne immerhin Pläne ausarbeiten. Konkret stellt Ertl sich vor, dass ein solcher Treffpunkt am bestehenden Marktplatz ausgebaut werden könnte. Man müsse ein „vernünftiges Ensemble“ mit der Kirche und dem Pfarrheim gestalten, „das muss eine Einheit bilden“.
Auch günstigen Wohnraum will Ertl weiterhin schaffen. Der Zuzug soll moderat sein, um die Infrastruktur nicht zu überlasten, sagt der 59-Jährige. Eine starre Obergrenze möchte er aber nicht. „Es kann natürlich mal mehr werden, aber dann muss man auch wieder langsamer machen.“ Insgesamt müsse der Ort lebenswert bleiben. Aktuell fehlt laut Ertl noch eine Einrichtung zur Tagespflege, für eine solche möchte er sich ebenso einsetzen wie für eine Einkaufsmöglichkeit im Norden der Gemeinde.

Diese Einrichtungen hat auch Florian Meier in sein Programm aufgenommen. Der CSU-Ortsvorsitzende gilt als schärfster Konkurrent des amtierenden Rathauschefs. Bereits bei der vergangenen Wahl kam es zur Stichwahl zwischen dem damaligen CSU-Bewerber Glashauser und dem Kandidaten der Freien Wähler, Eugen Stubenvoll. Glashauser entschied sie knapp für sich. Auch dieses Mal ist ein Stechen denkbar.
„Persönliche Kontakte machen viel aus“
Meier ist seit seiner Nominierung im September unterwegs im Haustürwahlkampf. Noch habe er es nicht zu allen Adressen in Aschheim geschafft, aber „Tausende“ besucht, wie er sagt. „Persönliche Kontakte machen viel aus“, ist Meier überzeugt. Vor einigen Wochen startete der 39-Jährige eine Umfrage, an der nach seinen Angaben knapp 500 Aschheimer teilnahmen. Sie seien mit vielem zufrieden, zum Beispiel mit der Kinderbetreuung, es bestehe viel Verbesserungsbedarf. „Ein großes Thema ist Bauen und Wohnraum. Leute, die mit mir in die Schule gegangen sind, finden teilweise keine Wohnung mehr.“
Er wolle das Gesicht von Aschheim nicht verändern, sagt Meier. Stattdessen setzt er auf Nachverdichtung im Ort: Ein „Herzensprojekt“ sei ein neues Quartier im bisherigen Gewerbegebiet an der Saturnstraße, wo die Gemeinde eine Mischung aus Wohnraum, Grünflächen und Läden schaffen möchte. Meier kann sich gut vorstellen, dass auch ein Ärztezentrum dort Platz findet. Denn die medizinische Versorgung sei noch nicht optimal: Für einen Termin beim Facharzt müssten die Aschheimer momentan meist auf Nachbargemeinden ausweichen.

Auch Marion Seitz setzt auf den direkten Austausch: Wer will, kann sich von ihr Punsch und Glühwein in Aschheim an die Haustür bringen lassen: „Das ist das Schönste am ganzen Wahlkampf“, sagt die 44-Jährige, die kürzlich auch zur Kreisvorsitzenden der Grünen gewählt worden ist. „Im persönlichen Gespräch kann man vieles besser besprechen.“
Die Grünen-Kandidatin hat dabei festgestellt, dass die Bürger etwa ein fehlender Supermarkt im Norden der Gemeinde oder auch ein mögliches Ankerzentrum in Dornach bewegt. Einer solchen Einrichtung hatte die Kommune eigentlich schon eine klare Absage erteilt, auch Oberbayerns Regierungspräsident Konrad Schober hatte mitgeteilt, das Vorhaben aktuell nicht weiterzuverfolgen. Im Wahlkampf sei es dennoch zum Thema gemacht worden, sagt Seitz mit Blick auf ihre Kontrahenten. „Das schürt nur Ängste.“ Sie selbst würde eigenen Worten zufolge als Bürgermeisterin den Klimaschutz stärker in Planungen berücksichtigen – auch zum Selbstschutz vor extremen Wetterlagen wie Starkregen.
Als Mutter von vier Kindern wird die 44-Jährige nach eigenen Worten immer wieder darauf angesprochen, wie sie das Bürgermeisteramt mit der Familie vereinbaren wolle. „Ich frage dann immer zurück, ob das bei den anderen Kandidaten auch gefragt würde.“ Unabhängig davon ist sie der Meinung: „Eine 80-Stunden-Woche ist für niemanden gesund.“

