Aschheim:Abriss oder Erhalt

Aschheim: Die Verwaltung ist längst umgezogen, wie es mit dem alten Rathaus weitergeht, ist noch unklar.

Die Verwaltung ist längst umgezogen, wie es mit dem alten Rathaus weitergeht, ist noch unklar.

(Foto: Claus Schunk)

Der Gemeinderat streitet weiter um die Zukunft des Rathauses

Von Sabine Wejsada, Aschheim

Wenn es um das Schicksal des alten Rathauses geht, dann kochen im Aschheimer Gemeinderat immer noch die Emotionen hoch - und das, obwohl sich Befürworter und Gegner eines Abbruchs des bestehenden Gebäudes und dem folgenden Neubau in den vergangenen Monaten durchaus angenähert haben. Ein Antrag der Freien Wähler, den bereits in der Sache eingeschalteten Gutachter Karl-Heinz Voggenreiter vom gleichnamigen Ingenieurbüro eine aktuelle Kostenaufstellung machen zu lassen, führte am Donnerstagabend im Feststadl zu einem Schlagabtausch im Gremium. Am Ende wurde das Ansinnen mit der deutlichen Mehrheit von 13 zu acht Stimmen abgelehnt. Neben den Freien Wählern votierte nur Grünen-Gemeinderätin Sabine Maier dafür.

Vor mehr als drei Jahren waren bei einer Untersuchung erhebliche Mängel an der Statik und am Brandschutz des Altbaus entdeckt worden. Die Verwaltung musste daraufhin ausgelagert werden und ist seither in einem Bürogebäude an der Saturnstraße untergebracht. Die Entscheidung für einen Abriss des mehr als 100 Jahre alten Rathauses an der Ismaninger Straße und die Errichtung eines Neubaus, der sich zusätzlich über das angrenzende Sauter-Grundstück erstreckt, hatte der Gemeinderat bereits 2019 einstimmig getroffen. Weil sich aber nach der Kommunalwahl 2020 die Verhältnisse im Aschheimer Gemeinderat deutlich verschoben haben, wurde die Debatte um eine mögliche Zukunft des alten Rathauses wieder aufgenommen.

Vor allem die Freien Wähler, die über sieben Sitze verfügen und zusammen mit den Grünen, die auf Anhieb vier Mandate gewannen, die Mehrheit in dem Gremium stellen, setzen sich für eine Sanierung ein. Bürgermeister Thomas Glashauser und seine achtköpfige CSU-Fraktion sowie die zwei Vertreter der SPD halten an den Plänen für einen Neubau fest. Um die Lage zu befrieden, ließ die Verwaltung ein Gutachten erstellen, um noch einmal die Kosten für eine Sanierung des Altbaus zu prüfen und auszuloten, ob der Platz für die Mitarbeiter reichen würde. Der Sachverständige Voggenreiter war zu Jahresbeginn zu dem Ergebnis gekommen, dass dies machbar sei; allerdings müsste trotzdem ein zusätzlicher Neubau entstehen, damit Aschheim genug Büros hat und als wachsende Gemeinde für die Zukunft gerüstet ist. Die Fraktionen machen sich seither in einer Arbeitsgruppe Gedanken, eine abschließende Entscheidung, wie es mit dem Rathaus weitergehen soll, steht nach wie vor aus.

Die Freien Wähler brauchen offenbar weitere Infos: In ihrem Antrag setzten sie sich dafür ein, Voggenreiter erneut zu Rate zu ziehen. Er solle berechnen, wie hoch die Kosten für eine Sanierung des Rathausaltbaus mit geringstem Aufwand oder unter Beachtung der aktuellen energetischen Maßstäbe jeweils samt Neubau auf dem Sauter-Grundstück wären und diese den Ausgaben für Abriss und Neuerrichtung gegenüberstellen. Geprüft werden solle überdies, wie mit der Erweiterung der Tiefgarage verfahren werden kann: Soll sie mit der bestehenden verbunden werden oder soll vielmehr Platz für das Kellergeschoss erhalten bleiben und stattdessen eine öffentlich zugängliche Garage unter dem Markt- und Synodenplatz geplant werden.

Die Reaktionen auf diesen Antrag fielen heftig aus: SPD-Gemeinderat Andreas Bichler bezeichnete ihn als "sinnlos", sein CSU-Kollege Florian Meier als "Schwachsinn", der eine Entscheidung nur weiter hinauszögere - was lautstarke Gegenrede der Freien Wähler hervorrief. Schlussendlich mussten sie sich geschlagen geben. Was mit dem Rathaus wird, bleibt weiter unklar.

© SZ vom 26.06.2021
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