Auch wenn an allen Ecken und Enden gebaut wird, ist Haar bemüht, dass es am Ort grün bleibt. Deshalb hat sich das Rathaus auf ein aufwendiges Zertifizierungsverfahren eingelassen, um sich als "stadtgrün naturnahe" Kommune bezeichnen zu können. Haar beteiligt sich als eine von 15 Gemeinden bundesweit und als einzige aus Bayern an dem Projekt "Stadtgrün - artenreich und vielfältig", das vom Bundesumweltministerium und vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. In einer Bestandsaufnahme musste zunächst gemeldet werden, wie es um das Grün und die ökologische Vielfalt bestellt ist. Kürzlich machten sich Projektbetreuer zudem ein Bild. Kommenden Herbst wird bei einem Fachkongress das Label vergeben: in Gold, Silber oder Bronze.
Bis jetzt hat die Teilnahme an dem Projekt schon einmal den Blick darauf geschärft, wie es um die Naturflächen am Ort steht. In Haar gibt man sich recht selbstbewusst. "Wir haben Grünflächen immer auch mitgebaut", sagt Rathaussprecherin Ute Dechent unter anderem mit Blick auf die Grünplanung, die einst beim Ortsteil Eglfing gemacht wurde. Seit den Neunzigerjahren setze Haar auf eine naturnahe Gestaltung. So wurde die Anlage von Wildblumenwiesen und von blühenden Straßenrandstreifen gefördert. Es gibt Patenschaften für kleine Blühflächen und das Projekt "Haar zum Anbeißen", in dem sich Bürger zusammentun, um Obst und Gemüse auf ausgewiesenen Flächen für die Allgemeinheit anzubauen.
Gerade erst hat die Gemeinde eine Bestandsaufnahme gemacht und 8238 Bäume im Gemeindegebiet gezählt, darunter 131 einheimische Arten. Neun Kilometer Heckenstreifen und vier Hektar Magerrasenflächen gibt es in Haar. Als Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) die Zahlen auf der Bürgerversammlung präsentierte, kündigte sie an, dass zwischen Eglfing und dem Riemer See ein ökologischer Grünzug geschaffen werden solle. Dort würden Wege angelegt und Grundstücke mit Bepflanzung aufgewertet. Auch wird Müller zufolge auf dem Grundstück südlich von Gut Haar, auf dem einst die Traglufthalle für Flüchtlinge stand, eine Streuobstwiese ausgewiesen. Freilich wird im Jugendstilpark, auf altem Klinikgelände, derzeit auch intensiv baulich verdichtet.
Bis Ende 2018 muss die Rathausverwaltung nun einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, um beim Stadtgrün-Label zu punkten. Im Frühjahr soll eine Strategie oder gar ein Leitbild entwickelt werden. Demnächst soll die Stadtgrün-Kampagne im Gemeinderat vorgestellt werden, heißt es aus dem Rathaus.