bedeckt München 18°

Artenschutz:Urwald an der Isar

Pullach weist gemeindeeigenen Forst als Naturreservat aus

Von Michael Morosow, Pullach

Die Gemeinde Pullach überlässt ihren Wald künftig den Launen der Natur: Mit großer Mehrheit hat der Umwelt- und Mobilitätsausschuss des Gemeinderates in seiner jüngsten Sitzung den Beschluss gefasst, den gemeindeeigenen Hang- und Schluchtwald an der Isar zu einem Naturwaldreservat auszuweisen. Mit dieser Umwidmung will die Südgemeinde einen wichtigen Beitrag zur Erreichung ihrer Klimaziele bis zum Jahr 2030 leisten und gleichzeitig die Zunahme der Artendiversität in diesem Bereich unterstützen. Der Verzicht auf Einnahmen durch den Verkauf von Holz fällt kaum ins Gewicht, jährlich kommen dabei gerade einmal 5000 Euro zusammen.

Der Verzicht ist zwingend, denn laut den Bestimmungen des Bayerischen Waldgesetzes dürfen Naturwaldreservate nicht bewirtschaftet werden. Langfristig wird im Isartal also ein Urwald entstehen auf einer Fläche von circa 75 Fußballfeldern. Die sukzessive Anreicherung von Totholz und starken Altbäumen soll dazu führen, dass das Gesamtvolumen der Holzmengen Jahr für Jahr zunimmt und damit auch der Umfang der Schadstoffspeicherung.

Eine Tonne Holz binde langfristig eine Tonne Kohlenstoffdioxid, sagte Bernhard Rückerl, sodass bei aktuell 15769 Festmetern 4300 Tonnen CO₂ gebunden sind und weitere 14 200 Tonnen aus der Luft entnommen werden. Bedenken, dass in einem verwilderten Wald für Spaziergänger eine Gefahr durch umstürzende Bäume entstehen könnte, zumal vor dem Hintergrund des Eschentriebsterbens und des Borkenkäferaufkommens, vermochte Rückerl zu zerstreuen. Geschwächte Bäume würden entfernt. Bei geologischen Gefahren, etwa durch Hangrutsche, stehe die Gemeinde aber nicht in der Pflicht, antwortete der Umweltamtsleiter auf eine entsprechende Anfrage von Cornelia Zechmeister (WIP). Die Aufrechterhaltung der Schutzwaldfunktion sei vielmehr hoheitliche Aufgabe der Unteren Forstbehörde. Von den Erklärungen Rückerls ließen sich bis auf Michael Reich (FDP) alle Gremiumsmitglieder überzeugen.

Über eine 74,6 Hektar große Waldfläche verfügt die Gemeinde Pullach erst seit einem Jahr. Zuvor gehörten ihr circa 20 Hektar, den großen Rest hat sie vom Kraftwerksbetreiber Uniper mittlerweile erworben - zu einem marktüblichen Preis, wie es heißt.

© SZ vom 30.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema