Artenschutz:Bienen retten per App

"Das Glas Honig steht sowieso im Supermarktregal und irgendetwas blüht doch eh immer vor meiner Haustür." Die Versuchung, so zu denken, sei groß, jedoch leider "ein fataler Trugschluss", warnt Judith Grimme, Grünen-Kreisrätin und Mit-Initiatorin des digitalen Artenschutz-Projekts "Smart.Bienen.Retten!". Jeder kann dabei mitmachen.

"In den letzten Jahren beobachten wir auch bei uns im Landkreis München einen deutlichen Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen", erklärt Oliver Seth, der ebenfalls für die Grünen im Kreistag sitzt und nebenberuflich Imker ist. Damit einher gehe "ein besorgniserregendes Insektensterben". Das eine hänge, wie so oft in der Natur, direkt mit anderen zusammen, so Seth. Bereits 2018 haben die Menschen im Landkreis München mit ihrer breiten Zustimmung zum Artenschutz-Volksbegehren "Rettet die Bienen" der Politik einen klaren Auftrag erteilt. Der Kreistag zeige bisher allerdings immer noch keine überzeugende Bereitschaft, ausreichend finanzielle Mittel für den Artenschutz und eine Förderung der Biodiversität bereit zu stellen, klagen die Grünen.

Deshalb startet die Kreistagsfraktion der Partei nun ein eigenes Projekt. Per Handy-Kamera und der App Flora Incognita kann jeder Pflanzen in seinem Umfeld bestimmen. Mit Hilfe eines so genannten "Blühkalenders" wird dann nachgesehen, ob der jeweilige Fund Nahrung für bestäubende Insekten wie Bienen bietet. Darüber hinaus wird angezeigt, ob ganzjährig genug Blüten vorhanden sind. Etwaige Lücken bedeuten Hungerphasen für Insekten. Judith Grimme: "Mit diesem Wissen, kann ich zumindest in meinem eigenen Garten oder auf meinem Balkon ganz bewusst für ausreichend Nahrung und gute Bedingungen für die Tiere sorgen."

Am Ende des Jahres will die Kreistagsfraktion der Grünen zudem die meisten Arten- Funde und die besten Aktionen, um bestehende Lücken zu füllen, aus. Auch Vorträge, Exkursionen und Veranstaltungen wie Honig-Partys sind geplant.

© SZ vom 07.04.2021 / cw
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