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Architektur:Wohnen auf Stelzen

Wo heute nur geparkt wird, soll künftig auch gewohnt werden: Geht es nach der Haarer SPD, soll über dem Parkplatz am S-Bahnhof ein Wohngebäude entstehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die örtliche SPD möchte den Parkplatz auf der Südseite des Haarer S-Bahnhofs ähnlich wie am Münchner Dantebad durch ein dreigeschossiges Haus überbauen und zusätzlich Gewerbe ansiedeln.

Von Bernhard Lohr, Haar

Das Stelzenhaus am Münchner Dantebad hat Berühmtheit erlangt, weil es ansprechend aussieht und als Wohnungsbau über einem Parkplatz gleich mehrere Probleme auf einmal löst. Ein derartiges Konzept bringt nun auch die Haarer SPD ins Spiel: Die Sozialdemokraten wollen den Parkplatz auf der Bahnhof-Südseite mit einem dreigeschossigen Wohngebäude überbauen. Wo heute geparkt wird, könnte nach Vorstellung der SPD im Gemeinderat der Busbahnhof entstehen und darunter eine mehrgeschossige Tiefgarage für Pendlerparkplätze.

Auch in Haar sind die Flächen knapp und Wohnraum gefragt. Vor allem wird in der Gemeinde händeringend nach neuen Möglichkeiten gesucht, Gewerbe anzusiedeln. Die bisherigen Bemühungen gestalteten sich schwierig, weil die Grundstücke nicht der Kommune gehören wie an der äußeren Leibstraße oder erst mit hohen Kosten freigemacht werden müssten wie etwa an der Blumenstraße oder am Baseballfeld.

Thomas Fäth, SPD-Sprecher im Gemeinderat, sagt, es sollte beim Ausbau von Gewerbeflächen in Haar ein Hauptaugenmerk auf die Umwandlung von bereits versiegelten Flächen gelegt werden. Parkplätze wie der am Bahnhof böten sich an, aber auch Gewerbehallen mit guter Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.

Der spektakulärste Vorschlag bezieht sich auf den Bahnhofsparkplatz und wird von der SPD als "Drei-Sterne-Lösung" angepriesen, die Gewerbeflächen in den Obergeschossen, einen Busbahnhof und eine Pendlergarage ermöglicht. Die SPD hätte gerne, dass die Deutsche Bahn das "gestaltet", der die Fläche gehört. Die ist aber bekanntlich ein schwieriger Verhandlungspartner, was eine zeitnahe Umsetzung wohl kaum ermöglichen dürfte. Thomas Fäth räumt daher ein, dass die Idee "kurzfristig unrealistisch" ist. "Das bedeutet aber nicht", sagt er, "dass man nicht anfangen soll". Von sich aus werde die Bahn sicher nichts unternehmen.

Besser sieht es allerdings im Sportpark aus, wo sich die SPD ebenfalls eine Bebauung der großzügigen Parkplatzflächen vorstellen kann. Diese gehören der Gemeinde. Auch dort wäre ein Stelzenbau vorstellbar, sagt Fäth und schlägt vor, ebenfalls mit einem Tiefgaragendeck den Verlust an Parkplätzen aufzufangen. Auch hätte Fäth gerne den Blick wieder stärker auf die Peter-Henlein-Straße in Haar gerichtet, die wie die beiden Parkplätze nah am Bahnhof liegt und an der bisher vor allem Lagerhallen und einfache Gewerbebauten stehen.

Städteplaner haben der Gemeinde vor Jahren bei einer Standortanalyse schon geraten, dort höherwertige Büroflächen etwa für Startups anzusiedeln. Das greift die SPD auf und möchte in dem Antrag an die Gemeinde geprüft wissen, ob dort eine Optimierung möglich ist. Neue Gewerbeflächen sollen mittelbar dazu beitragen, die Steuereinnahmen zu erhöhen, die in der Gemeinde dringend benötigt werden.

Und auch die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes rückt immer mehr in den Fokus. Von Dezember 2021 an sollen zusätzlich zwei Expressbuslinien den Haarer Bahnhof ansteuern, der damit als Verkehrsknotenpunkt deutlich an Gewicht gewinnt. SPD-Sprecher Fäth bezeichnet ihn auch als hochwertigen Gewerbestandort. Das Beispiel der Nanotech-Firma Attocube, die seit kurzem in einem repräsentativen Neubau des Architekten Gunter Henn residiert, ist für ihn der beste Beleg.

© SZ vom 23.11.2020/wkr
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