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Archäologie:Gereift auf der Insel

In einer Ausstellung in der Burg Grünwald sind bis zu 5000 Jahre alte Fundstücke aus dem Starnberger See zu sehen

Vorsicht, dass die Füße nicht nass werden! Um das zu vermeiden, geht man am besten auf den runden Holzscheiben, die übers Wasser führen im Ausstellungsraum der Burg Grünwald im ersten Stock. Die kleine Behelfsbrücke ist eine Spielerei, die der Gestalter der Ausstellung Christoph Stählin eingebaut hat. Natürlich ist das Wasser nur eine Folie, ebenso wie der 13 Meter lange Einbaum, der darauf aufgezeichnet ist. Dieses wertvolle Ausstellungsstück hätte man nicht in die Burg Grünwald gebracht, weder die Treppe hinauf, noch durchs Fenster. Das Original aus Eichenholz ist in einem Depot untergebracht. In der Sonderausstellung "Archäologie auf der Roseninsel seit König Max II. von Bayern" der Archäologischen Staatssammlung München ist es daher nur symbolisch vorhanden. Dennoch ist dieser Fund, der zwischen 1987 und 1990 geborgen wurde, eine Sensation.

Durchs Fenster gepasst hat aber ein kleinerer Einbaum, anhand dessen man sich vorstellen kann, wie die größere Version aussehen mag. Beide Stücke wurden aus dem Schlamm des Starnberger Seebodens nahe der Roseninsel geborgen. Der kleinere Einbaum stammt etwa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Fischer immer noch mit solchen Gefährten auf dem Wasser unterwegs waren. Der 13 Meter lange Einbaum aber wird auf das Jahr 900 vor Christus datiert. Dass sich solche Stücke all die Jahrtausende so gut halten, liegt daran, dass sie von Sauerstoff abgeschlossen im Schlamm liegen.

Für Professor Rupert Gerhard, leitender Direktor der Archäologischen Staatssammlung, der auch zur Eröffnung in die Grünwalder Dependance gekommen ist, war der 13-Meter-Einbaum ohnehin ein ganz besonderer "Meilenstein" - der Fund war sein erster "Fall" am damals neuen Arbeitsplatz, wie er sich beim Rundgang erinnert. Die Roseninsel, erklärt er, sei für Archäologen sehr bedeutend. Die kleine Insel diente seit der Steinzeit als geschützter Siedlungs-, Kult- und Begräbnisplatz. Daher findet man sowohl auf der Insel als auch im Wasser rundherum sehr interessante, alte Gegenstände. Erste Ausgrabungen gab es Mitte des 19. Jahrhunderts, unter anderem weil König Maximilian II., der die Insel von Fischern gekauft hatte, sie umgestalten und dabei die Oberfläche umgraben ließ. Der wissenschaftlich interessierte König sammelte die archäologischen Funde und stellte sie im Casino auf der Insel aus.

Noch immer wird weitergesucht, etwa von der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie, die regelmäßig Tauchgänge rund um die Insel macht. Für Freizeit-Bootsverkehr ist dieser Bereich auch deshalb gesperrt. Stücke aus dem fünften Jahrhundert vor Christus fand man erst vor wenigen Monaten.

In der Sonderausstellung sind viele weitere spannende Fundstücke zu sehen. Das älteste Objekt ist ein spätneolitischer Feuersteindolch aus der Zeit zwischen 3400 bis 2800 vor Christus. Da er aus oberitalienischem Material geschaffen ist, kam er vermutlich als Geschenk in den Alpenraum. Aus derselben Zeit stammen Dolche und Messer, die in den 1860er- und 1870er-Jahren gefunden wurden. Eine größere Menge Schmucknadeln, die etwa aus der Zeit zwischen 1100 und 800 vor Christus stammen, sind ebenfalls unter einer Vitrine ausgestellt und lassen zierliche Muster erkennen.

Eine Theatermaske aus etwa dem 2. Jahrhundert nach Christus.

(Foto: Claus Schunk)

Zu den Zeugnissen früher Besiedlung gehören auch die Reste von prähistorischen Pfahlbauten rund um die Roseninsel, über welche die Ausstellung ebenfalls informiert. Seit 2011 gehören diese zum Unesco-Welterbe "Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen". Bei den Resten der Pfahlbausiedlung im Umfeld der Roseninsel handelt es sich hauptsächlich um aus dem Boden ragende Pfahlköpfe und im Wasser liegende Bauhölzer. Für den Erhalt des Bodendenkmals ist es wichtig, dass diese dünne Schutzschicht nicht zerstört wird. Möglichst wenig Bewegung im Wasser hilft dabei. Um dieses besondere archäologische Welterbe zu schützen, markieren rote Bojen und Hinweisschilder die Welterbeschutzzone um die Roseninsel, die nicht mit Booten angesteuert werden soll. Auch Schwimmer und andere Wassersportler wie Stand-up-Paddler sollten die Schutzzone respektieren, bereits das Gehen im Flachwasserbereich ist schädlich für das Welterbe. Wie die Pfahlbauten wohl aussahen, zeigen in der Ausstellung Fotos von einem Nachbau auf dem Bodensee im Pfahlbau Museum. Warum sich die Menschen damals auf der kleinen Insel niederließen statt auf dem nahen Festland, erklärte Heiner Schwarzberg bei der Führung durch die Ausstellung: Zum einen seien die Menschen Fischer gewesen, zum anderen konnten sie sich auf einer Insel besser gegen Angreifer schützen.

Die Ausstellung "Archäologie auf der Roseninsel seit König Max II von Bayern" ist noch bis zum 22. September in der Burg Grünwald zu sehen. Geöffnet ist sie Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.