Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in den Landkreisen rund um die Landeshauptstadt spiegelt die globalen Krisen wider. In Fürstenfeldbruck, Starnberg und dem Landkreis München ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das geht aus den Zahlen der Arbeitsagenturen für den Mai hervor.
Die Agentur in Freising, die auch für die Landkreise Dachau, Ebersberg und Erding zuständig ist, beziffert die Arbeitslosenquote für ihren gesamten Bereich auf drei Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vormonat – in absoluten Zahlen ein Rückgang um 450 auf aktuell 11 668 Personen. Geschäftsführerin Andrea Olschewski-Schmitt zeigt sich denn auch zunächst erfreut, dass von der leichten Entspannung „ganz verschiedene Personenkreise profitierten – Frauen wie Männer, Jüngere wie Ältere, Personen mit und ohne Migrationshintergrund“.

Die saisonal bedingte Frühjahrsbelebung überlagert in ihrem Zuständigkeitsbereich gleichwohl nur noch gerade so eben einen gegenläufigen Trend, der bald durchschlagen könnte: Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich eingetrübt. Optimistische Wachstumsprognosen, ein „Schneller, Höher, Weiter“ – das war gestern. Was morgen kommt? Ungewiss. Und Ungewissheit ist Gift für die Konjunktur. In unsicheren Zeiten, geprägt von kriegerischen Konflikten, steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, wachsender internationaler Konkurrenz, einem unberechenbaren, die Zollkeule schwingenden US-Präsidenten und dem allgegenwärtigen Reformstau in Deutschland, warten viele Unternehmen ab. Sie verschieben Investitionen und versuchen, Kosten zu reduzieren. Nicht schön für Jobsuchende. Das betrifft längst nicht nur Menschen ohne Schulabschluss, sondern zunehmend auch Akademiker.
Betriebe versuchen, Personal zu halten. Mehr aber auch nicht.
Ulrike Sommer, Chefin der auch für die Landkreise Fürstenfeldbruck und Starnberg zuständigen Agentur für Arbeit in Weilheim, betont zwar, dass „die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in vielen Branchen hoch bleibt“. Sie liegt jedoch gleichwohl mit ihrer Freisinger Kollegin Olschewski-Schmitt auf einer Linie, die sagt, dass Betriebe zwar versuchten, Personal zu halten, „bei Neueinstellungen aber zunehmend zurückhaltend“ seien.
Beleg dafür ist die Zahl der offenen Stellen, die Betriebe an die Arbeitsagentur Freising gemeldet haben: Im Mai waren es 687 in den vier Landkreisen und damit 71 weniger als im Vormonat. Insgesamt 4429 offene Stellen gibt es. Bedarf besteht vor allem noch bei den Verkehrs- und Logistikberufen (910 offene Stellen) sowie bei den Bau- und Ausbauberufen (617). Es folgen fertigungstechnische Berufe, die Maschinen- und Fahrzeugtechnik umfassen, sodann Mechatronik, Energie und Elektro (605).
Nicht alle Jugendlichen sind bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle fündig geworden. Es gibt freilich noch Angebote: Gesucht werden im Zuständigkeitsgebiet der Arbeitsagentur Freising vor allem angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäuferinnen und Verkäufer, Lagerlogistik-Fachkräfte, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte, Bank- sowie Großhandelsmanagement-Kaufleute, Elektronikerinnen und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik sowie Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen. Im Handwerk gibt es ebenfalls noch Bedarf.

996 der ursprünglich 2248 gemeldeten Jugendlichen aus den vier Landkreisen suchen noch nach einer passenden Ausbildungsstelle. Die Agentur unterstützt bei Bedarf mit Förderprogrammen wie der Einstiegsqualifizierung oder der „assistierten Ausbildung“, die vom Abbau sprachlicher oder schulischer Defizite bis hin zur sozialpädagogischen Begleitung reicht.
Mag in den Landkreisen des verwöhnten „Münchner Speckgürtels“ auch Ernüchterung eingekehrt sein, so geht es ihnen doch noch vergleichsweise gut: In der Landeshauptstadt lag die Arbeitslosenquote im Mai bei 5,4 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 6,3 Prozent.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Die Arbeitslosenquote liegt mit 2,4 Prozent unverändert auf dem niedrigen Niveau des Vormonats und dem des Vorjahresmonats. 1752 Menschen waren arbeitslos gemeldet, zehn mehr als im April und zwei weniger als vor einem Jahr.
Landkreis Dachau: Die Zahl der Arbeitslosen sank im Mai um 66 auf 2953, die Quote damit um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent – das entspricht dem Niveau des Vorjahresmonats. Unternehmen meldeten 107 neu zu besetzende Arbeitsstellen, 50 weniger als im April. Insgesamt befanden sich 742 Arbeitsangebote im Stellenpool der Agentur für Arbeit. Seit Oktober wurden 604 junge Leute von der Arbeitsagentur bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützt. Aktuell haben 273 Jugendliche noch keine berufliche oder schulische Perspektive.
Landkreis Ebersberg: Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum April um 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent und damit auf das Niveau des Vorjahresmonats. 2521 Personen sind arbeitslos gemeldet und damit 61 Frauen und Männer weniger als im Vormonat. Die Unternehmen meldeten der Agentur im Mai 150 neu zu besetzende Arbeitsstellen. Insgesamt befanden sich zuletzt 963 offene Arbeitsangebote im Stellenpool der Arbeitsagentur. Seit Oktober machten sich 534 Jugendliche mithilfe der Berufsberatung auf die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz. Die meisten mit Erfolg, 231 suchen aber aktuell noch.
Landkreis Erding: Die Zahl der Arbeitslosen sank im Mai im Vergleich mit dem April um 134 Personen auf 2371, die Arbeitslosenquote also um 0,2 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent. Im Mai wurden 172 neu zu besetzende Arbeitsstellen gemeldet. Das entspricht einem leichten Plus von sechs Stellen im Vergleich zum Vormonat. Insgesamt befinden sich 1053 Arbeitsangebote im Stellenpool der Arbeitsagentur. Seit Oktober nahmen 421 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche das Beratungsangebot der Agentur wahr. Im Mai waren noch 210 junge Leute unversorgt.
Landkreis Freising: 3823 gemeldete Personen und damit 189 weniger als im April waren arbeitslos gemeldet. Die Quote sank im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent und liegt damit auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Unternehmen meldeten 258 neu zu besetzende Arbeitsstellen, das sind 46 weniger als im Vormonat. Insgesamt befanden sich im Mai 1671 offene Arbeitsangebote im Stellenpool der Agentur. Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober nahmen 689 Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen das Beratungsangebot der Agentur wahr. Davon waren im Mai noch 282 auf der Suche.
Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Arbeitslosigkeit ist im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent gesunken. 4839 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 119 weniger als im April, aber 297 mehr als vor einem Jahr. Im Mai meldeten sich 1150 Personen neu arbeitslos. Unternehmen meldeten der Agentur 200 weitere offene Stellen, wodurch die Gesamtzahl auf 1426 steigt.
Landkreis München: Die Arbeitslosenquote bleibt im Vergleich mit dem April bei 3,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist dies allerdings ein Plus von 0,3 Prozentpunkten. 7488 Menschen waren im Mai ohne Arbeit. Das sind 53 Personen mehr als im April und 620 mehr im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Landkreis Starnberg: Die Arbeitslosigkeit liegt mit 3,8 Prozent auf dem Niveau des Vormonats, allerdings auch 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. 2754 Menschen waren als arbeitslos registriert, 34 weniger als im April, aber 138 mehr als vor einem Jahr. Unternehmen meldeten 208 neue offene Stellen, 66 mehr als im Vormonat und 30 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt sind bei der Agentur 1032 offene Stellen registriert.

