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Altersmobilität:Fitnessgeräte statt Volksfesthendl

Pullach, Haus am Wiesenweg, Eröffnung des Seniorenparcours,

Auf dem Pullacher Seniorenparcours gibt es auch Geräte, mit denen man vom Rollstuhl aus leichte sportliche Übungen machen kann.

(Foto: Angelika Bardehle)

Seniorenbeiratsvorsitzende Helga Poschenrieder gewinnt die Garchinger Stadträte für ihre Idee eines Parcours speziell für ältere Menschen. Einen Vorschlag für die Finanzierung liefert sie gleich mit

Von Gudrun Passarge, Garching

"Sie haben uns Grüne erobert", sagte Daniela Rieth. "Mich haben sie überzeugt, ich würde heute schon zustimmen", fiel auch CSU-Fraktionssprecher Jürgen Ascherl ein. Der Antrag für einen Seniorenparcours mit speziellen Geräten für ältere Menschen, den die Seniorenbeiratsvorsitzende Helga Poschenrieder mit viel Engagement vorgestellt hatte, fand im Hauptausschuss des Garchinger Stadtrates einhelligen Beifall. Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sagte zu, das Vorhaben schnell voranzutreiben und vielleicht schon in der nächsten Sitzung eine Entscheidung herbeizuführen.

Es gehe nicht um einen Spielplatz für Senioren, unterstrich Poschenrieder, vielmehr sei es "eine ernsthafte Angelegenheit". Es sei nun mal so, dass im Alter die Bewegungsfähigkeit nachlasse. "Es macht Mühe, die untere Schublade zu erreichen, und hat man sie erreicht, fällt es schwer, dann wieder hochzukommen", schilderte sie die Alltagsprobleme von Älteren.

Doch für die körperliche Fitness ließe sich etwas tun. Dafür eigneten sich die Geräte, die der Seniorenbeirat gerne in Garching aufstellen lassen würde und die von jedem auch mal schnell zwischendurch genutzt werden könnten.

Die Idee kam dem Seniorenbeirat durch einen Zeitungsartikel, in dem über den Pullacher Seniorenparcours berichtet wurde. Vertreter des Seniorenbeirats haben sich den Parcours angeschaut und die Geräte auch selbst getestet. "Das ist sehr ansprechend und sehr effektiv", sagte Poschenrieder. "Da kann man Sachen machen, die man bei einem gewöhnlichen Spaziergang nicht macht."

Vor allen Dingen seien einige Geräte auch für Menschen im Rollstuhl geeignet. Poschenrieder zeigte Bilder von Maschinen, die Radfahren mit den Füßen oder mit den Händen ermöglichten, oder Stöcke, die eine Situation wie beim Nordic Walking nachstellten. Für alles brauche es einen leichten Kraftaufwand, aber es sei machbar und ein Mittel, "dass alte Leute nicht einfach einrosten".

Poschenrieder schätzte die Kosten auf circa 30 000 Euro, "es ist also ein nicht furchtbar unbescheidenes Ansinnen". Zumal sie gerade gelesen habe, dass der Bauausschuss einem Abenteuerspielplatz für Kinder zugestimmt habe, der circa 350 000 Euro kosten soll, was sicher eine gute Sache sei. Zur Finanzierung des Projekts hatte die Vorsitzende des Seniorenbeirats auch schon einige Vorschläge. Sie erinnerte daran, dass in diesem Jahr die Bürgerwoche und damit auch der Seniorennachmittag im Festzelt ausfielen. Bei gut 3000 Senioren, die Anspruch auf ein Hendl und ein Getränk gehabt hätten, käme da schon fast der Betrag zusammen, rechnete sie dem Hauptausschuss vor. Der Bürgermeister relativierte das und sprach von etwa 1000 Senioren im Bierzelt, aber auch das sei ja schon ein fünfstelliger Betrag. Gruchmann stellte fest, dass sich der Vorschlag großen Zuspruchs bei den Stadträten erfreute und kündigte an, im Haushalt, wo bislang kein Geld dafür vorgesehen sei, nach einer geeigneten Kostenstelle zu suchen.

Allerdings sah er die Standortfrage als noch ungeklärt an. Eventuell kämen die früheren Kräutergärten am Seniorenheim in Frage, so Gruchmann, denn der Platz, den sich der Seniorenbeirat schon angeschaut hatte, sei von Bäumen verschattet und dort bestehe die Gefahr, dass die Geräte schnell verklebten. Poschenrieder zeigte sich jederzeit für einen Ortstermin offen. Grünen-Fraktionssprecher Hans-Peter Adolf regte noch an zu prüfen, ob es nicht Zuschüsse für die Geräte gebe, und wenn es nur 5000 Euro seien. Die Verwaltung will die offenen Fragen nun klären. Dann steht einer Beschlussfassung nichts mehr im Weg.

© SZ vom 26.06.2020

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