Jubiläum in Grünwald Des Schweindlbauers Zähmung

Ulli Portenlänger vor seinem Bio-Hotel.

(Foto: Claus Schunk)

Die Familie Portenlänger feiert das hundertjährige Bestehen des Alten Wirts in Grünwald. Den Grundstein des Erfolgs legte ein Vorfahr, der von seinen Brüdern zu seinem Glück gezwungen werden musste.

Von Claudia Wessel, Grünwald

"Allem Anschein nach liebt er die Freiheit und das Bier." So wird im Jahre 1781 der 23-jährige Johann Portenlänger beschrieben, und das ist ja für den Vorfahren eine Gastwirtsfamilie nicht unbedingt der schlechteste Charakter. Nun hatte der Johann aber sechs jüngere Geschwister, die sich eineinhalb Jahre lang anschauten, was er mit dem Schweindlbauer-Hof, den ihm sein Vater Kaspar überschrieben hatte, anstellte.

Was sie sahen, gefiel ihnen nicht: "Seine Geschwister befürchten, er werde den Hof versaufen und sie um ihr Erbe bringen" - so steht es in der Familienchronik der Portenlängers, die seit eh und je in Grünwald ansässig sind. Ein gutes Ende nahm es dann nicht nur mit dem Johann, auch die ganze Familie wurde noch sehr erfolgreich und ist es bis heute. Am Freitag dieser Woche kann sie das 100-jährige Bestehen des Gasthauses "Alter Wirt" feiern.

Am Freitag dieser Woche wird das 100-jährige Bestehen des Gasthauses "Alter Wirt" gefeiert.

(Foto: Claus Schunk)

Aber erst noch einmal zurück zum jungen Johann. Da er Schulden gemacht und diese nicht zurückgezahlt hat, erhält er einen Vormund, der ihm ein Ultimatum stellt: Innerhalb von zwei Monaten soll er heiraten, sonst würde das Gut verkauft. Erst einmal kümmert sich der junge Schweindlbauer gar nicht um diese Drohung. Ein Jahr geht ins Land, in dem er weiter sein Tunichtgut-Leben führt. "Nun ist man entschlossen", heißt es dann in der Familienchronik, "den Schweindl nicht länger mehr auf dem Gut forthausen zu lassen". Er bekommt einen letzten Termin von vier Wochen, in denen er eine Braut finden soll.

Wie auch immer er es anstellt - er schafft es. "Er heiratet eine tüchtige und riegelsame Hausfrau, die dem fröhlichen Junggesellen schon Mores lehrt", so die Chronik. Damit ist alles gerettet. "Die Eheleute wirtschaften gut und bringen den Hof wieder in die Höhe."

Obwohl Ulli Portenlänger eigentlich andere Pläne hatte, hat er das Gasthaus übernommen und zu einem zertifizierten Bio-Hotel ausgebaut.

(Foto: Claus Schunk)

"In der Höhe" befindet sich auch der Alte Wirt mit Bio-Hotel, den heute Johanns Nachkomme Ulli Portenlänger, 59, führt. Das Anwesen hat 1919 einer der Söhne von Georg Portenlänger gekauft, der von 1900 bis 1925 Bürgermeister von Grünwald war. Jener Sohn, ebenfalls namens Georg, war Metzger und kaufte die kleine Wirtschaft.

Er heiratete im selben Jahr, und es war insofern eine lustige Hochzeit, als drei Portenlängers daran beteiligt waren: Nicht nur hieß der Bräutigam so, sondern auch die Braut Anna, eine entfernte Verwandte, und sogar der Standesbeamte (welcher der Bürgermeister und Vater des Bräutigams war).

Eine Tochter jener Anna aus Portenläng, einem Teil von Brunnthal, hieß Annelies. Sie ist heute 99 Jahre alt und kommt immer noch zum Essen in den Alten Wirt, erzählt Ulli Portenlänger. Sein Vater namens Georg war deren jüngerer Bruder, der Zweitgeborene, er ist schon 2005 gestorben.

Im Alten Wirt finden die Hausgäste unter anderem ein uriges Ambiente

(Foto: Claus Schunk)

Ulli Portenlänger war das fünfte und jüngste Kind seiner Eltern, er hat selbst auch drei Kinder, die - wie sonst - ebenfalls Wirte sind. Sie betreiben seit dem vergangenen Jahr gemeinsam die Münchner Gaststätte "Xaver's" in der Rumfordstraße 35.

Mit dem Alten Wirt ist Ulli Portenlänger natürlich aufgewachsen, übernehmen wollte er das Gasthaus mit Hotel eigentlich nicht. 1991 wurde er aber dann doch zum Inhaber. Gemeinsam mit seiner Frau tendierte er von Anfang an in Richtung Bio. "Wenn möglich haben wir Fleisch vom Biobauern", schrieben sie anfangs auf ihre Homepage.

Stammgäste kommen regelmäßig zum Kartenspielen.

(Foto: Claus Schunk)

Da jedoch meldete sich das Landesamt für Ernährung, denn dies war nicht erlaubt. Man brauchte eine Zertifizierung, entweder für einzelne Zutaten oder Gerichte oder eine für das gesamte Konzept. Die Wirte entschieden sich für Letzteres, traten 2006 dem Verein "Biohotels" bei und entschieden sich somit, 100 Prozent Bio-Zutaten zu servieren. Es gibt im Alten Wirt nur eine einzige Ausnahme, für die man gerne Strafgebühr zahlt: das Augustiner-Bier.

Alles andere, Getränke (auch Bio-Bier), Speisen, Gewürze, selbst die Einrichtung von den Lehmwänden über Tische aus Ulmenholz und eine Bar aus Apfelholz, bis zu der Raumdecke aus Weidenstangen ist bio-zertifiziert. Auch die 50 Hotelzimmer sind inzwischen alle biologisch renoviert worden.

Hat es sich gelohnt? "Es lohnt sich schon deshalb, weil man einen Sinn darin sieht", sagt Ulli Portenlänger. "Auch bekommt man bewusstere Gäste." Damit die Familiengeschichte nicht abreißt, hat der 59-Jährige auch schon dafür gesorgt, dass der Alte Wirt in Portenlänger-Hände übergeben wird: 2020 steigt sein Sohn Jakob als künftiger Nachfolger ein. "Die Freiheit und das Bier" lieben wohl auch die Nachkommen von Ur-Ahn Johann, sonst wären sie wohl keine Wirte geworden. Nur ist das heute ganz offensichtlich kein Widerspruch mehr zu wirtschaftlichem Erfolg.