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Forschung:Das Luftschiff ist auf einer ovaler Flugbahn unterwegs

Bevor zwei Mann das Luftschiff auf den Hügel tragen - mehr Muskelkraft braucht es für das mit Helium gefüllte Schiff nicht -, erfolgt am Container noch der "Preflight-Check". Etwa zehn Minuten dauert das Prozedere, bei dem die Liste sorgsam abgearbeitet wird und das sich kaum von der Vorflugkontrolle des Piloten eines Airbus auf dem Rollfeld unterscheide, sagt Holder. Die Motoren werden kontrolliert, ebenso die sogenannten Ballonnetts: Ballone im Inneren, die genutzt werden, um die Ausdehnung oder das Zusammenziehen der Hülle auszugleichen. "Würde es kalt werden, würde sich das Helium zusammenziehen. Dann füllen sich die Ballonetts mit Luft und stellen sicher, dass die Hülle stabil mit dem definierten Druck gefüllt bleibt, um aerodynamisch zuverlässig fliegen zu können", sagt Chefingenieur Markus Wagner.

Es gehe darum, den Innendruck zu halten, dass die Hülle prall ist. Das "Herzstück" des Schiffs sei aber die Gondel, dort befinden sich der Antrieb, die Akkus und die Datenmodems. Bis zu drei Stunden könne das Luftschiff in der Luft bleiben, sagt Wagner, das sei ein unschlagbarer Vorteil gegenüber einer Drohne. Bei gleicher Nutzlast ist das in etwa die zehnfache Dauer.

Gerade einmal zwei Mann braucht es, um das Luftschiff bis zum Startplatz zu tragen.

(Foto: Claus Schunk)

Der Check ist erfolgreich abgeschlossen. Jetzt wird es ernst. Auf der grünen Wiese werden die Motoren gestartet, und Wagner lässt Keiko nach der Startfreigabe manuell mit seinem Controller abheben. Auf der gewünschten Höhe angekommen, beginnt das Luftschiff lautlos auf der gewünschten Bahn zu fahren.

Am Bildschirm im Pavillon lässt sich verfolgen, wie das Luftschiff dann in 170 Metern Höhe ziemlich genau auf dem vorher bestimmten Hippodrom, einer ovaler Flugbahn, seine Kreise zieht. "Man kann jetzt sehen, wie es superschön dem Track folgt", sagt Wagner. "Es gleicht Windböen aus, die aufsteigende Luft, und korrigiert immer leicht, um die Position möglichst akkurat zu halten." Und das alles lautlos.

Von Juli an werde dann aus dem "Test" eine "Mission", sagt Holder, dann beginnen die tatsächlichen Kartografierungen Ayings. Die Gemeinde, sagt der Projektleiter, dürfe sich auf "eine schöne Darstellung ihres Ortes freuen". Die 3-D-Modelle könnten als Methode dienen, sich mit einem "Alleinstellungsmerkmal" darzustellen, etwa beim Thema Tourismus", sagt er. "Gerade im schönen Alpenvorland." Das sei aber nur ein Aspekt, macht Holder deutlich. Mit den detailgetreuen Modellen von innerstädtischen Bebauungen können auch Straßenschäden identifiziert werden, Potenziale für Solaranlagen ermittelt und städtebauliche Maßnahmen unterstützt werden, etwa beim Thema Denkmalschutz.

Ein prominentes Beispiel für eine mögliche Anwendung, sagt Holder, sei die Kathedrale Notre-Dame de Paris, die im April durch einen Brand massive Schäden erlitten hat. "Mit so einem 3-D-Modell könnten wir zeigen, wie Details ausgesehen haben, und dies für einen Wiederaufbau verwenden. Das hätte einen wahnsinnigen Wert", sagt er. Aying ist nur der Anfang, später sollen vor allem große Städte kartografiert werden.

Aus den Bildern der Kameras entstehen detailgetreue, virtuelle Welten, die per 3-D-Brille betreten werden.

(Foto: Claus Schunk)

Im Hangar des Luftschiffs lässt sich eine weitere Nutzung erleben. Vor einem Computer-Terminal setzt Ferdinand Eisenkeil, Mitarbeiter der IABG in Ottobrunn, Robert Holder eine VR-Brille auf und reicht ihm zwei Sticks. Auf dem Bildschirm lässt sich erkennen, was auch Holder durch die Brille in 3-D sieht - Bauerngehöfte, Bäume, Schuppen, eine virtuelle Realität, eine dreidimensionale Welt, erstellt durch Bilder, die mit den Kameras am Luftschiff aufgenommen worden sind.

Holder kann sich durch die Welt bewegen, sich mit einem Klick an einen anderen Punkt beamen oder über die Bauernhöfe schweben. Noch ist die Auflösung nicht ideal, alles sei noch in der Entwicklung, sagt Eisenkeil. "Wir haben uns zusammengetan, weil wir wissen wollen, wie wir große und komplexe dreidimensionale, georeferenzierte Daten in der virtuellen Realität interaktiv abgebildet bekommen."

Draußen vor dem Container wird Keiko wieder in seinen Frame gepackt, in seine Halterung am Boden. Bis zum nächsten Start in den Himmel über Aying, draußen in der wirklichen Welt.

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