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Airbus:Sonnenkraft für die Raumfahrt

Besuch im Reinraum: Sozialministerin Kerstin Schreyer und Ministerpräsident Markus Söder mit Produktionsleiterin Rendel Rieckmann und Airbus-Defence-and-Space-Chef Dirk Hoke (vorne von links).

(Foto: Airbus Defence and Space)

Das Unternehmen investiert 25 Millionen in den Standort Ottobrunn. Ministerpräsident Markus Söder ist begeistert.

Der Ministerpräsident drückt auf den Knopf, woraufhin sich ein Roboterarm in Bewegung setzt und dieser ein kleines Solarmodul in ein riesiges Sonnensegel einpasst. Markus Söder (CSU) strahlt bis über beide Ohren, als er den Vorgang beobachtet. Während seines Besuchs bei Airbus in Ottobrunn/Taufkirchen macht er kein Hehl aus seiner Innovationsbegeisterung. "Sie merken schon, ich finde Luft- und Raumfahrt ganz gut", sagt der Politiker in seinem Grußwort.

Anlass des Termins, zu dem Söder am Montag von der Stimmkreisabgeordneten und Sozialministerin Kerstin Schreyer, dem Landtagsabgeordneten Ernst Weidenbusch sowie Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (alle CSU) begleitet wurde, waren zwei technische Neuerungen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns: eine sogenannte Industrie-4.0-Factory zur Automatisierung und Digitalisierung der Fertigung von Solargeneratoren für Satelliten sowie ein um 250 Quadratmeter auf nunmehr 1700 Quadratmeter erweiterter Reinraum für die Integration von satellitengestützten optischen Instrumenten.

Ein "Meilenstein", um wettbewerbsfähig zu bleiben

Die Solarroboter und die Errichtung der Factory schlagen mit 15 Millionen Euro zu Buche; für Dirk Hoke, Unternehmenschef von Airbus Defence and Space, ein "Meilenstein", um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. "Wenn die Industrie-4.0-Factory nächstes Jahr in Betrieb geht, werden wir die Produktionskosten und den Zeitaufwand halbieren können." Trotz der Automation, das betont Hoke, stünden die 170 Arbeitsplätze in diesem Bereich keineswegs zur Disposition. Die Mitarbeiter sollen vielmehr durch Fortentwicklungen im Bereich der Robotertechnologien und der Digitalisierung, insbesondere bei der Fertigung von Wissenschaftssatelliten, "die Produktivität erhöhen".

Auch der erweiterte Reinraum, in den Airbus rund zehn Millionen Euro steckt, ist eine in die Zukunft gerichtete Innovation: Ein Teil der 150 Airbus-Mitarbeiter im Bereich der optischen Instrumente ist hier mit dem Bau des deutsch-französischen Satellitenprojekts Merlin (Methane Remote Sensing Lidar Mission) beschäftigt. Ministerpräsident Söder durchtrennte ein rotes Band am Reinraum-Eingang, während perfekt choreografiert "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss aus dem Astronauten-Klassiker "2001 - Odyssee im Weltraum" eingespielt wurde.

Söder war Fan von Science Fiction

Das passte schon alleine deshalb, weil Söder in seiner Rede zuvor hatte durchblicken lassen, wie sein Medienkonsum in der Jugend aussah: "Ich bin mehr Fan von Science Fiction als von Rosamunde Pilcher", sagte er und fügte - augenzwinkernd - hinzu: Jetzt müsse Bayern eben die Airbus-Innovationen mitfinanzieren, "bloß weil der Söder als Kind zu wenig gelesen und zu viel ferngesehen hat". Kunstpause. "Ja, vielleicht auch deshalb." Gelächter bei den geladenen Gästen. Und noch einmal Gelächter, als Söder anmerkte, "Taufkirchen-Ottobrunn" höre sich nicht sehr innovativ an. Dabei gebe es analog zum kalifornische Silicon Valley hier ein "echtes Space Valley".

Bei der anschließenden Führung durch die Hightech-Räume ließ Söder die nötige Maskerade klaglos über sich ergehen, auch wenn Schutzanzüge und Häubchen, die für den Besuch dort anzulegen sind, modisch eher nicht wettbewerbsfähig sind. Doch dem Fortschritt wird hier alles untergeordnet. Schließlich würde ein Mensch den Reinraum in gerade mal einer einzigen Minute mit 100 Millionen Partikeln verschmutzen. Das gilt auch für einen Ministerpräsidenten.