Hightech, Luft- und RaumfahrtScience-Fiction in der Nachbarschaft

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Dicker Brummer: Besucher der „Langen Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft“ beobachten die Ankunft des Transportflugzeugs  A 400 M der Bundeswehr in Oberpfaffenhofen.
Dicker Brummer: Besucher der „Langen Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft“ beobachten die Ankunft des Transportflugzeugs  A 400 M der Bundeswehr in Oberpfaffenhofen. Arlet Ulfers
  • Der Hightech-Standort Oberpfaffenhofen öffnete bei der ersten „Langen Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft" seine Werkhallen und Labore für über 1000 Besucher.
  • Rund 10 000 Menschen arbeiten zwischen Gilching, Gauting und Weßling in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Drohnentechnik und Lasertechnik.
  • In den letzten zehn Jahren entstanden 23 neue Gebäude auf 100 000 Quadratmetern Fläche und 3000 neue Arbeitsplätze.
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Der Hightech-Standort Oberpfaffenhofen öffnet bei der ersten „Langen Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft“ seine Werkhallen, Labore und das Flugfeld. Mehr als 1000 Besucher erhalten Einblick in eine Welt, die viele nur vom Vorbeifahren kennen.

Von Patrizia Steipe, Weßling

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Als die Silhouette des Transportflugzeugs über dem Air-Tech-Campus Oberpfaffenhofen auftaucht, richten sich die Blicke der Besucher, die sich auf dem Vorfeld an der Absperrung drängen, nach oben. Normalerweise landen auf dem Sonderflughafen Forschungsflugzeuge und Geschäftsflieger. Zur ersten „Langen Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft“ aber hat sich die Bundeswehr mit dem A 400 M angekündigt. Der Airbus gehört zum Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf. Nun ist er da. Er zieht eine weite Schleife, setzt beim Touch-and-Go kurz mit dem Fahrwerk auf, startet wieder durch und landet wenig später endgültig. Aus dem Cockpit winkt die Crew in die Handykameras. Später lassen die Piloten die Heckklappe herunter und die Besucher steigen in den Rumpf. Auf Infotafeln erfahren sie mehr über das „Arbeitstier für sämtliche Transportmissionen“. An den Seiten sind innen im Flieger lange Sitzreihen installiert. In der Mitte ist reichlich Platz für Frachten: Hubschrauber, Geländewagen, sogar kleine Panzer.

Der Airbus der Luftwaffe liefert den spektakulären Auftakt, doch Oberpfaffenhofen hat an diesem Abend noch mehr zu bieten. Viele kennen den Hightech-Standort nur vom Vorbeifahren. Zwischen Gilching, Gauting und Weßling entwickeln, forschen, bauen und testen aber rund 10 000 Menschen. Die Lange Nacht der Wirtschaft und Wissenschaft macht den Ort an diesem Freitagabend sichtbar. Die Regionalagentur GWT Starnberg schickt dafür Shuttlebusse über das weitläufige Gelände zu Betrieben, Instituten, Hallen, Werkstätten und Laboren.

Ein paar Meter neben dem A 400 M hat Quantum Systems einen Stand aufgebaut. „The Future is unmanned“ steht auf Transparenten – „die Zukunft ist unbemannt“. Mitarbeiter beantworten Fragen zu den militärischen Abfang- und Aufklärungsdrohnen. Am Flugfeld hebt immer wieder eine Vector-Drohne ab und steigt surrend in die Höhe. Auf dem Display verfolgen die Zuschauer ihre Aufnahmen. Das KI-gestützte System diene der optischen Gefechtsfeldaufklärung, Zielerfassung und Lagedarstellung und werde in der Ukraine intensiv genutzt, erklärt eine Mitarbeiterin.

Bei der Firma GMV, Anbieter von Systemen für Weltraummissionen, Raumfahrt und Cyber-Sicherheit, patrouillieren zwei Stormtrooper, wie die galaktischen Elite-Soldaten aus der Star-Wars-Saga genannt werden. Ein Mädchen schmiegt sich an einen von ihnen. Unter der weißen Rüstung steckt ihr Vater. Wie so viele hat er seine Familie mitgebracht, um seinen Arbeitsplatz zu zeigen oder um, wie Angestellte der Firma Probeam, ein Mitarbeiter-Sommerfest zu feiern.

„Ich wollte immer schon mal sehen, was hier alles passiert.“ Diesen Satz hört man immer wieder. Denn Oberpfaffenhofen ist neben der Luft- und Raumfahrt auch ein Standort für Hightech wie Medizin- oder Lasertechnik. Anwendungsingenieur Lukas Mayr demonstriert bei Maxphotonics einen Faserlaser. Er spannt zwei Werkstücke in einen Dreh-Kipp-Tisch. „Der Kunde hat eine dichte Schweißnaht bestellt“, erklärt er. Dann stellt er die Anlage ein, verlässt den Raum und verriegelt die Sicherheitstür. Auf einem Monitor sehen die Besucher, wie ein greller Lichtstrahl über Metall fährt. Im Anschluss holt Mayr das fertige Teil und lobt: „Eine wunderschöne Schweißnaht.“

Im Cockpit der Transportmaschine von Airbus erklären die Piloten der Bundeswehr , wie ihr „Arbeitstier für sämtliche Transportmissionen“ funktioniert.
Im Cockpit der Transportmaschine von Airbus erklären die Piloten der Bundeswehr , wie ihr „Arbeitstier für sämtliche Transportmissionen“ funktioniert. Arlet Ulfers
„Die Zukunft ist unbemannt“: Über der Halle von Quantum-Systems GmbH dreht eine Vector-Drohne ihre Runden.
„Die Zukunft ist unbemannt“: Über der Halle von Quantum-Systems GmbH dreht eine Vector-Drohne ihre Runden. Arlet Ulfers

Auch die Geschichte des Orts ist Thema. Conrado Dornier, Enkel von Claude Dornier, der 1936 den Werksflughafen gegründet hat, blickt bei der Auftaktveranstaltung im Hangar auf das Amphibienflugzeug Dornier Seastar. Das Projekt seines Großvaters führt er mit dem deutsch-chinesischen Hersteller Dornier Seawings weiter. Die Basis für das Wasserflugzeug wurde bereits in den 1920er-Jahren gelegt.

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume ist zur Langen Nacht in Oberpfaffenhofen gekommen. Er schwärmt vom Ambiente und vom „sanften Geruch von Kerosin“. Die Stärke des Standorts liege darin, dass hier Universität, Forschungsinstitute, Start-ups und Großkonzerne nebeneinander arbeiten. So könne Europa in der Luft- und Raumfahrt den Anschluss halten und unabhängiger werden, sagt Blume. Dann beschwört er das „Oberpfaffenhofen-Gen“: ein „Macher-Gen“ mit dem Willen, nicht zu resignieren, sondern Innovationen umzusetzen.

Science-Fiction zum Anfassen: Diese Stormtroopers aus dem Star-Wars-Universum kommen bei den Kindern gut an.
Science-Fiction zum Anfassen: Diese Stormtroopers aus dem Star-Wars-Universum kommen bei den Kindern gut an. Arlet Ulfers
Luftfahrt zum Ausprobieren: Bei GMV erklärt Projektleiter Stuart Perryman einer Besucherin den Flugsimulator.
Luftfahrt zum Ausprobieren: Bei GMV erklärt Projektleiter Stuart Perryman einer Besucherin den Flugsimulator. Arlet Ulfers

Zum Beispiel bei Missionen ins All. Am Stand des DLR-School-Labs setzen sich Besucher VR-Brillen auf und sehen sich virtuell auf dem Mond um. Dort sehen sie Kuppelhäuser einer künftigen Mondstation und betreten einen Wohnraum mit Küche. In solchen Behausungen könnten Astronauten künftig wohnen, erklären die Entwickler. Nebenan navigieren Kinder Flugzeuge im Simulator. Was wie Science-Fiction wirkt, gehört zum Arbeitsalltag von Forschern, Entwicklern und Ausbildern in Oberpfaffenhofen. „Hier arbeitet man jeden Tag in der Zukunft“, sagt Wissenschaftsminister Blume.

Bei einer Busrundfahrt über das Areal erzählt GWT-Chef Christoph Winkelkötter, wie stark sich Oberpfaffenhofen verändert hat. Vor zehn Jahren begann der Ausbau: Heute gibt es 23 neue Gebäude auf 100 000 Quadratmetern Fläche, fünf Kilometer neue Straße und 3000 neue Arbeitsplätze. Ein weiteres Gewerbeareal auf Gautinger Flur ist geplant. Der Bus fährt an Unternehmen wie Mubea vorbei, wo Flugzeugrumpfteile entstehen, am ADAC-Luftrettungs-Ausbildungszentrum mit Kletterwand an der Fassade, an der Baustelle für das neue Mondkontrollzentrum und an den Instituten des DLR.

Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume schwärmt vom Ambiente in Oberpfaffenhofen und vom „sanften Geruch von Kerosin“.
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume schwärmt vom Ambiente in Oberpfaffenhofen und vom „sanften Geruch von Kerosin“. Arlet Ulfers
„Eine wunderschöne Schweißnaht“: Lukas Mayr demonstriert für Maxphotonics an einem Bauteil im Dreh-Kipp-Tisch, wie Schweißen mit Laser funktioniert.
„Eine wunderschöne Schweißnaht“: Lukas Mayr demonstriert für Maxphotonics an einem Bauteil im Dreh-Kipp-Tisch, wie Schweißen mit Laser funktioniert. Arlet Ulfers

Er passiert auch das leerstehende Webasto-Gebäude. Das Unternehmen musste den Standort wegen der Krise der Autoindustrie im Herbst 2025 aufgeben. Solche Brüche gehören zu Oberpfaffenhofen dazu. Besonders dramatisch war 2002 die Insolvenz von Fairchild Dornier. Etwa 4000 Mitarbeitende verloren damals ihren Job. Einer davon war Arno Knauber. Er fand in anderen Unternehmen Arbeit, kehrte aber als Rentner zu Dornier zurück – als Führer im Dornier-Museum in Friedrichshafen. In der Werkhalle von General Atomics Aerotec-Systems, dem heutigen Hersteller und Service-Center für die Do 228, tauscht er mit anderen „Dornianern“ Erinnerungen aus, fachsimpelt und lässt am Glücksrad drehen. Von der Do 228 hält er bis heute viel: „Es ist schon erstaunlich, dass dieses System nach 30 Jahren noch immer läuft“, sagt er.

In der Produktionshalle gilt Fotografierverbot. Derzeit überarbeitet das Unternehmen Maschinen der Royal Thai Navy. Die Flugzeuge kommen dafür aus Thailand nach Oberpfaffenhofen. In der Halle steht ein Flieger, bereits entkernt und ohne Lack. Er soll eine neue Seitenflosse, neue Elektrik und eine neue Lackierung bekommen. Einen Fotopunkt gibt es bei der Do 228 NXT, die erst vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. 19 Personen finden darin Platz. Das Flugzeug kommt mit sehr kurzen Start- und Landebahnen zurecht und kann auf unbefestigten Pisten landen. Kotflügel verhindern, dass Steine gegen den Rumpf schleudern, erklärt Werksarchivar Frieder Münden. Zu den Kunden zählen Japan und andere Inselstaaten, erklärt er.

Die Flugfeldlöschfahrzeuge der Werkfeuerwehr lassen gewöhnliche Tanklöschfahrzeuge klein wirken.
Die Flugfeldlöschfahrzeuge der Werkfeuerwehr lassen gewöhnliche Tanklöschfahrzeuge klein wirken. Arlet Ulfers

Draußen zeigt die Werkfeuerwehr ihre beiden Flugfeldlöschfahrzeuge. Neben ihnen wirken die üblichen Tanklöschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren klein. Kinder klettern in das Fahrerhaus und lassen sich Wasserwerfer, den 12500-Liter-Tank und die Technik erklären.

Es gibt noch viel zu sehen, ehe sich um Mitternacht die Werkstore schließen. Vom Besucherandrang ist GWT-Projektleiterin Lena Eberle überwältigt: „Unsere Zielmarke von 1000 wurde bei weitem übertroffen“, sagt sie. Im nächsten Jahr soll es eine Neuauflage geben.

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