Ahrnthal, ItalienSpeckknödel und Fackelprozession

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Unterschiedliche Speisenzum Jahreswechsel: Im Ahrntal stehen Schlutzkrapfen auf der Speisekarte.
Unterschiedliche Speisenzum Jahreswechsel: Im Ahrntal stehen Schlutzkrapfen auf der Speisekarte. Imago/Chromorange

Spätestens wenn man auf der Fahrt nach Süden den Brennerpass hinter sich gelassen hat, kommen die Urlaubsgefühle hoch. Das Klima ist gleich einen Tick milder. Südtirol ist Wein- und Obstland. Und doch ist es mit den Dolomiten zugleich hochalpines Gebiet. Die Küche ist entsprechend reichhaltig und abwechslungsreich, je nach Region. Das Ahrnthal, mit dem die Gemeinde Haar eine Partnerschaft pflegt, liegt relativ hoch. Die Orte Luttach, Steinhaus, St. Jakob, St. Johann, St. Peter und Weißenbach befinden sich auf mehr als 1000 Metern über dem Meeresspiegel. Über dem Tal, das der Gemeinde mit circa 6000 Einwohnern auch den Namen gibt, thronen mehrere Dreitausender. Es ist eine Urlaubsregion, in der die Besucher auf Almen mit einfacher Kost übernachten oder im Fünf-Sterne-Hotel mit Mehr-Gänge-Menü logieren. Das typische Essen, an Silvester und am Neujahrstag, ist jedenfalls ein eher einfaches Mahl.

Es gibt die Knödel in verschiedener Zubereitung, Speck, Brot und vor allem den typischen Graukäse. Dazu trinkt man auf den Almen und Jausenstationen Bier oder Wein, der in niedriger gelegenen Regionen weiter südlich gedeiht. Der Geschäftsführer des Tourismusvereins Ahrntal, Gottfried Strauß, spricht von der typischen "Selbstversorgerküche", die den Speiseplan in der Bergregion prägt. Die Bauern machten aus dem Rahm der Kuhmilch die Butter, und aus der Magermilch wird der Graukäse, den man, mit Pfeffer, Essig und Öl angemacht, isst. Er bereichert die Südtiroler Knödelgerichte, wie die Pressknödel, die aus Mehl und Brot zubereitet, mit Graukäse vermengt gebraten werden. Oder, ganz anders, die bekannten Südtiroler Schlutzkrapfen, ähnlich zu Maultaschen geformte Teigtaschen, die mit Spinat oder Topfen gefüllt werden. Stark verbreitet auf den Almen, die laut Strauß jetzt über Silvester und Neujahr alle belegt sind, servieren die Wirte Speckknödel. Gefeiert wird das neue Jahr manchmal laut mit Böllern und manchmal auch ganz ruhig, oder "dezent", wie Gottfried Strauß sagt, wie in Kasern. Dort, im nördlichsten Ort Italiens, einem alten Wallfahrtsdorf an der Grenze zu Österreich, zieht traditionell in der Silvesternacht eine Prozession zur Heilig-Geist-Kirche, in der das Jahr begrüßt wird. Mit einer Fackel in der Hand geht es dann zurück.

© SZ vom 31.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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