Advent für Anfänger:Auszeit mit Punsch und Plätzchen

Advent für Anfänger: Beim lebendigen Adventskalender treffen sich die Menschen vor den Türen von Privatleuten und Institutionen. Am Dienstag war die evangelische Kirche an der Reihe.

Beim lebendigen Adventskalender treffen sich die Menschen vor den Türen von Privatleuten und Institutionen. Am Dienstag war die evangelische Kirche an der Reihe.

(Foto: Catherina Hess)

Beim lebendigen Adventskalender treffen sich die Ismaninger jeden Tag vor einer anderen Tür. "Das ist eine halbe Stunde, in der man sich aus dem ganzen Wahnsinn rausnimmt", sagt Organisatorin Johanna Wind.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Die einzige Vorgabe, sagt Johanna Wind, ist das Lied "Wir tragen ein Licht". Dieses soll stets gemeinsam gesungen werden, Abend für Abend, wenn Dutzende Ismaningerinnen und Ismaninger gemeinsam ein Türchen im Adventskalender öffnen. Genau genommen ist es ein lebendiger Adventskalender, den die katholische Pfarrei im Ort seit mehr als 20 Jahren organisiert. Täglich um 17.30 Uhr kommen die Menschen vor einer anderen Haustür in der Gemeinde zusammen, singen Lieder und lauschen Geschichten, trinken Punsch, essen Plätzchen und nehmen sich eine Auszeit von der oft stressigen Vorweihnachtszeit.

"Das macht den Advent ruhiger", sagt Johanna Wind, die schon 2000 bei der Premiere des lebendigen Kalenders dabei war und diesen seit mehr als 15 Jahren federführend organisiert. Der Brauch stamme aus dem Tessin und sei um die Jahrtausendwende nach Süddeutschland geschwappt, wo er jedoch seither in etlichen Gemeinden wieder zum Erliegen kam. Nicht so in Ismaning, wo das allabendliche Treffen inzwischen fest dazugehört. Und so habe sie auch keine Probleme für jeden Tag eine Ausrichterin oder einen Ausrichter zu finden, sagt Johanna Wind. Etwa die Hälfte seien Institutionen wie die Bücherei und der Kleingartenverein. Bei der anderen Hälfte handle es sich um Privatpersonen, die einmal im Advent vor ihr Haus einladen, um sich gemeinsam mit anderen aufs nahende Weihnachtsfest einzustimmen.

Dass sich viele Menschen dem Heiligabend Türchen für Türchen nähern, ist ein christlicher Brauch, der in seiner Anfangszeit im 19. Jahrhundert vor allem als Zählhilfe und Zeitmesser diente. Einen der ersten Adventskalender schuf der Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 für ein Hamburger Kinderheim, um die Wartezeit bis Weihnachten vor Augen zu führen. Hierzu steckte er 24 Kerzen auf ein altes Wagenrad, die nach und nach angezündet wurden. Wenig später entstanden erste selbst gebastelte Adventskalender, etwa mit 24 Bildern oder Kreidestrichen über der Tür, von denen täglich einer weggewischt wurde. Um die Jahrhundertwende kamen dann gedruckte Exemplare auf den Markt, meist mit religiösen Bildern oder in Form einer Weihnachtsuhr. 1958 folgte der erste mit Schokolade gefüllte Adventskalender, eine heute noch beliebte Variante. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Vielfalt stetig zugenommen - bis hin zu virtuellen Exemplaren, deren Türchen via Internet geöffnet werden, meist allein daheim vor dem Bildschirm.

Ganz anders sieht es da beim lebendigen Adventskalender in Ismaning aus. "Man ist an der frischen Luft und trifft nette Leute. Und wenn es draußen zapfig kalt ist, schärft das noch mal die Sinne", sagt Johanna Wind. "Das ist eine halbe Stunde, in der man sich aus dem ganzen Wahnsinn rausnimmt."

In dieser Kolumne erklären bis zum Heiligabend täglich Profis Bräuche und Traditionen der Advents- und Weihnachtszeit.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusBanken
:"Es muss wirtschaftlich auch für uns passen"

Nach der Ankündigung weiterer Filialschließungen sieht sich die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg massiver Kritik ausgesetzt. Vorstandsvorsitzender Andreas Frühschütz kann das verstehen, sieht aber keine Möglichkeit, die Entscheidung zu revidieren.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: