Immer mehr Kinder in Deutschland sind übergewichtig und immer weniger wissen, wo das Essen auf ihren Tellern eigentlich herkommt. Dagegen möchte der Acker e.V. mit seinem Projekt "Gemüse-Ackerdemie" ankämpfen. An dem Bildungsprojekt nehmen insgesamt 1000 Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, im Landkreis München sind es 13. Zehn davon begannen vor drei Jahren, weitere drei schlossen sich 2022 an. An den Schulen haben sich Lehrkräfte in Zusammenarbeit mit dem Verein Konzepte überlegt, wie sie einen Acker anlegen können, um dort durch eigenen Anbau von Gemüse den Kindern die Produktion von Lebensmitteln näherzubringen.
Diese Konzepte sehen an jeder Schule unterschiedlich aus, wie Anna Kösler erklärt, die im Landratsamt als Ernährungsberaterin arbeitet. Während an der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Hohenbrunn die Schüler auf einem Teil eines Ackers gärtnern, der ihnen von einem Landwirt zu Verfügung gestellt wird, haben die Schüler des Kurt-Huber-Gymnasiums in Gräfelfing Teile ihres Schulhofs entsiegelt, um Platz für ihren Acker zu schaffen. Auch wie viele Kinder beziehungsweise Jugendliche mitarbeiten, variiert. An der Grundschule Pullach im Isartal hilft die ganze Schule mit, jede Klassenstufe teilt sich einen Acker und jede Klasse hat alle drei Wochen Ackerdienst. So bleibt genug Zeit, um den vollen Lehrplan durchzuarbeiten. An den meisten anderen Schulen beschränken sich die helfenden Hände auf ein paar Klassen oder eine "Acker-AG".
So auch an der Carl-Steinmeier-Mittelschule - hier kümmert sich die Deutschklasse von Patricia Eder um das Gemüse. Die Schüler dieser Klasse leben zum Teil noch nicht lange in Deutschland und lernen die Sprache noch. Laura Luznaku, eine Schülerin der Deutschklasse, findet, man könne auf dem Acker angenehmer und leichter Deutsch üben als im Klassenzimmer. Beim Gärtnern könne sich jeder einbringen und Erfolgserlebnisse erfahren, das sei vor allem während der deprimierenden Corona-Zeit wichtig gewesen, sagt Patricia Eder. Die Deutschlehrerin war völlig überrascht, mit welcher Begeisterung ihre Schüler sich auf dem Acker beim Arbeiten schmutzig machten.
Auch die Grundschüler aus Pullach gärtnern mit viel Hingabe. Nach den Worten von Lehrerin Anja Frisch ist die Lieblingsbeschäftigung der Kinder das Schneckensammeln - manche wollen die Tiere dann am besten gleich mit nach Hause nehmen. Bei dem Projekt hätten die Buben und Mädchen ganz neue Pflanzen kennengelernt und erfahren, was auf ihrem Boden gut wächst. Neben Kartoffeln, Karotten, Gurken und Tomaten bauen die Schulen auch für die Kinder zum Teil unbekanntes Gemüse an. In Pullach essen viele Kinder zum ersten Mal Fenchel, während die Schüler der Grundschule Baierbrunn aus ihrem Palmkohl Chips machten. Die Kinder probieren viel Neues aus, was bei ihnen noch nie auf dem Teller lag, so die Jugendsozialarbeiterinnen Evelyne Chmiel und Agnes Kindsmüller, die der Grundschule in Pullach bei dem Bildungsprojekt helfen.

So unterschiedlich die Ansätze sein mögen, die Schüler haben alle eine neugewonnene Wertschätzung für Lebensmittel gewonnen und wissen nun, wie viel Arbeit in ihrem Gemüse steckt. Genau dafür sei das Projekt ins Leben gerufen worden, erklärt Silvia Mayr vom Acker-Verein. Sie und ihre Kollegin Katherina Rudolph begleiten die Schulen durch das Projekt und veranstalteten ein Netzwerktreffen für die teilnehmenden Schulen, bei dem sie Erfahrungen und Tipps austauschen konnten. Und als zur Dokumentation ein Gruppenfoto gemacht wird, erfahren die Lehrkräfte gleich noch etwas: "Bei der Gemüse-Ackerdemie sagt man Sellerie", ruft Meyr - und alle zeigen so ihr schönstes Lächeln.
