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A99-Ausbau:Zusätzliche Ausfahrt unerwünscht

Idylle in weiß: So leer ist die A99 werktags eigentlich nie, auch nicht zu Coronazeiten. Dass eine zusätzliche oder verlegte Anschlussstelle den Durchgangsverkehr in Putzbrunn verringern könnte, glauben indes die wenigsten Gemeinderäte.

(Foto: Claus Schunk)

Der Putzbrunner Bauausschuss lehnt den Vorschlag von FWG und FDP ab, eine Autobahnanschlussstelle auf Höhe des Gewerbegebietes Ost zu beantragen. Die Kommunalpolitiker fürchten zusätzliche Verkehrsströme für den Ort

Von Stefan Galler, Putzbrunn

Letztendlich hatte das Vorhaben der Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) und FDP keine Chance: Mit sechs zu eins Stimmen erteilten die übrigen Mitglieder des Verkehrs- und Umweltausschusses der Gemeinde Putzbrunn deren Ansinnen, eine zusätzliche Autobahnausfahrt auf Höhe des Gewerbegebietes Ost bei der Autobahndirektion Südbayern zu beantragen, eine klare Absage. Als Begründung gaben die meisten Räte an, dass die Folgen einer solchen Anschlussstelle unabsehbar seien: "Dadurch können Verkehrsströme einsetzen, die wir nicht wollen", sagte etwa Walter Hois von der Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP).

In ihrem Antrag hatten FWG und FDP argumentiert, dass eine solche Ausfahrt dafür sorgen könnte, den Schwerlastverkehr aus Putzbrunn Ort herauszuhalten, weil die Lkw direkt vom Gewerbegebiet auf die Autobahn gelangen würden. Darüberhinaus sei der finanzielle Aufwand für Putzbrunn gering, die bestehende Flur müsste nicht großräumig zerteilt werden und die Umbauten seien schnell realisierbar. Zudem sei, das erwähnte FWG-Gemeinderat Josef Jakob am Rande der Sitzung, schon 2004 eine Verlegung der bestehenden Anschlussstelle von Hohenbrunner auf Putzbrunner Flur genehmigt worden. "2006 hat Edwin Klostermeier als neu gewählter Bürgermeister diese Entscheidung dann gekippt", sagte Jakob und widersprach damit einer Aussage Klostermeiers, der behauptet hatte, die oberste Baubehörde habe damals eine solche Verlegung abgelehnt. In der Tat sprachen sich 2006 aber nicht nur der neue Rathauschef und seine SPD-Fraktion, sondern auch CSU und GPP nach langer und intensiver Debatte gegen eine solche Verlegung aus - auch vor knapp 15 Jahren dominierte die Angst vor zusätzlichen Staus.

Klostermeier, damals wie heute Bürgermeister, bezeichnete den aktuellen Antrag und die daraus entstehende Debatte als "Phantomdiskussion", schließlich werde die Planung des achtspurigen Ausbaus der A 99 durch die Autobahndirektion zeitnah abgeschlossen, es sei nicht vorstellbar, dass überhaupt noch Veränderungen möglich seien. Auch der SPD-Politiker äußerte "große Bedenken" darüber, dass man sich mit einer solchen Maßnahme mehr Verkehr in die Gemeinde holen könnte als das bisher der Fall sei. Vor allem dann, wenn die Putzbrunner Ausfahrt nicht zusätzlich, sondern anstelle der bestehenden Ausfahrt Hohenbrunn/Putzbrunn gebaut würde. Die verkehrliche Bedeutung des erweiterten Industrieareals werde seiner Meinung nach überschätzt, so Klostermeier weiter: "Unser Bamperl-Gewerbegebiet ist doch nichts im Vergleich beispielsweise zum Einwohnerzuwachs und dem neuen Gewerbe in Haar."

CSU-Gemeinderat Robert Schmelzer erwähnte die seit Jahren andauernden Gespräche über den Bau einer Autobahnparallele als entlastenden Faktor für die Gemeinden im Osten Münchens: "Wir sollten abwarten, was die Planungen dort ergeben." Sollte diese kommen, gelte es, eine Verbindung zur aktuellen Autobahnanschlussstelle herzustellen, das könnte Putzbrunn dann tatsächlich entlasten, so Schmelzer. Sein Fraktionskollege Johann Weber mahnte zur Vorsicht: "Sollte die bestehende Autobahnausfahrt geschlossen werden, holen wir uns womöglich den gesamten Verkehr aus der Hohenbrunner Muna in unsere Gemeinde."

Thomas Jungwirth (FDP), der den Antrag im Ausschuss vertrat, drang mit seinen Argumenten bei den Kollegen nicht durch, bei der abschließenden Abstimmung stand er alleine.

© SZ vom 14.01.2021
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