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50 Jahre CSU:Zwei echte Fuchzger

Die Grasbrunner CSU begeht ihr rundes Jubiläum mit der Erinnerung an frühere, erfolgreiche Zeiten. An diese will ihr Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat Detlef Wildenheim bei der Kommunalwahl anknüpfen

Über den Jubilar und seinen Stellenwert sagt es manchmal mehr aus, wer zu seiner Geburtstagsfeier alles nicht kommt, als wer dort dabei ist. Und wenn natürlich auch jeder, der fehlte, eine Entschuldigung hatte - Fakt ist: Weder Florian Hahn, der CSU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, noch Ernst Weidenbusch, der Landtagsabgeordnete aus Haar, oder Kerstin Schreyer, die Sozialministerin aus Unterhaching, waren unter den Gästen im Neukeferloher Bürgerhaus, wo der CSU-Ortsverband Grasbrunn diese Woche sein 50-jähriges Bestehen feierte - womit er in der 70 Jahre alten CSU also eher ein Nachzügler ist.

Auch Christoph Göbel, der Landrat, war nicht da und erst recht nicht Otto Bußjäger, der letzte CSU-Bürgermeister, den Grasbrunn hatte. Was nicht nur an Terminkollisionen gelegen haben dürfte, sondern vor allem daran, dass sich Bußjäger und die Partei 2008 im Streit trennten.

Gekommen waren zu dem runden Geburtstag dafür der aktuelle Bürgermeister, Klaus Korneder, ein Sozialdemokrat, und der Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Johannes Seitner. Alois Rath, der Kreisgeschäftsführer der CSU aus Haar, welcher die Glückwünsche der Parteioberen Hahn und Weidenbusch mitbrachte, war ebenfalls unter den mehr als hundert Gästen und auch zwei junge, nachdrängende CSU-Politiker waren darunter: Andreas Bukowski, der Ortsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat in Haar, sowie Sebastian Westenthanner, der Ortsvorsitzende in Pullach.

Ansonsten aber gehörte dieser Abend, wie bei einem Fünfzigsten üblich, vor allem den Älteren: Christine Bachmann, der ehemaligen Zweiten und Dritten Bürgermeisterin, der langjährigen Gemeinderätin und Ortsvorsitzenden Hannelore Kerbl sowie den Gründungsmitgliedern Hans-Jürgen Bennert und Wolfgang Hertel, die Anekdoten aus den vergangenen fünf Jahrzehnten zum Besten gaben. Für andere wichtige Leute der Grasbrunner CSU, welche aktuell die Kommunalpolitik mitprägen, hatte die Regie der Jubelfeier dagegen keine Rolle vorgesehen: Fraktionschefin Ursula Schmidt, Dritter Bürgermeister Michael Hagen und Gemeinderat Paul König kamen gar nicht oder allenfalls erst spät am Abend auf die Bühne.

Der Kandidat und der Minister: Detlef Wildenheim (rechts) mit Florian Herrmann.

(Foto: Claus Schunk)

Diese nutzte dafür vor allem Detlef Wildenheim, der CSU-Ortsvorsitzende, für seinen Auftritt, sozusagen den ersten größeren im beginnenden Kommunalwahlkampf, in den er schließlich als Bürgermeisterkandidat geht. Wildenheim moderierte den Abend, vermied aber - abgesehen von einer Liebeserklärung an seine Heimatgemeinde und seine Frau - inhaltliche Aussagen. So blieb es allein CSU-Kreisgeschäftsführer Rath überlassen, den einzigen wahlkämpferischen Akzent des Abends zu setzen, indem er im Namen von Parteichef Hahn sagte: "Wir wünschen dir, lieber Detlef, viel Erfolg bei der Eroberung des Grasbrunner Rathaussessels!" Wobei er gleich, mit Blick auf Klaus Korneder, nachschob: "Entschuldigen Sie, Herr Bürgermeister."

Ob dem CSU-Kandidaten, der übrigens genauso alt ist wie sein Ortsverband, das gelingt, ist eine andere Frage. SPD-Mann Korneder wurde 2014 bei drei Gegenkandidaten schon im ersten Wahlgang mit 51,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt und der zweite Herausforderer, FWG-Mann Seitner, ist im Gegensatz zum zugezogenen Wildenheim im Ort aufgewachsen und fest verwurzelt. Auch hat die CSU ihre besten Zeiten in der Landkreisgemeinde lange hinter sich. Diese lagen in der Amtszeit von Wilhelm Dresel, der als Rathauschef von 1978 bis 2002 das ehemals kleine Bauerndorf Grasbrunn mit der Siedlung Neukeferloh zu der heute modernen Kommune gemacht hat.

Mit dem Parteiaustritt seines Nachfolgers Otto Bußjäger 2008 und den Verlusten bei den folgenden Kommunalwahlen hat die Partei seither am Ort stark an Einfluss eingebüßt. Bei der Wahl 2014 kam sie nur noch auf 31 Prozent und sechs von 20 Sitzen - so viel wie die unter Korneder erstarkte SPD. Für Wildenheim geht es bei der Wahl am 15. März daher nicht nur darum, Bürgermeister zu werden, sondern die CSU auch im Gemeinderat wieder zur stärksten Kraft zu machen. Mit welchem Team er das schaffen soll, entscheiden die Mitglieder bei der Aufstellung der Liste am kommenden Mittwoch.

So viel steht schon jetzt fest: Es werden auch ein paar Jüngere darunter sein, etwa die Jura-Studentin Victoria Walter und der 32-jährige Maximilian Moser, ein Enkel von Altbürgermeister Dresel. Beide hatten neben den Altvorderen der zurückliegenden fünf Jahrzehnte ihren ersten Auftritt bei der 50-Jahr-Feier. Mit ihrer Kandidatur für die CSU zeigen beide, dass es auch unter jungen und jüngeren Leuten nicht immer grün sein muss, womit sie einem aktuellen Trend ebenso trotzen wie die Gründer des Ortsverbands vor 50 Jahren: 1969, auf dem Höhepunkt der linken Studentenbewegung, einen CSU-Ortsverband ins Leben zu rufen, war nicht unbedingt Mainstream, sondern eher ein "Gegenpol" zur damaligen gesellschaftspolitischen Welle, wie Hauptredner Florian Herrmann sagte. Der Staatskanzleichef von Ministerpräsident Markus Söder, der eine durchaus bemerkenswerte Rede über die Akzeptanz von Meinungsvielfalt und mangelnde Toleranz hielt, war auch Gast - was über den Stellenwert der Grasbrunner Christsozialen innerhalb der CSU durchaus auch etwas aussagt.

In älteren Fassungen dieses Artikels war der Name der Jura-Studentin falsch. Sie heißt Victoria Walter.