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5-G-Technik:Ein Mast, aber keine Erschließung

Sauerlacher Bürgerversammlung berät über Mobilfunkprojekt

Von Patrik Stäbler, Sauerlach

Ein 33,95 Meter hoher Schleuderbetonmast, darauf ein 6,02 Meter langer "Systemaufsatz mit zwei Plattformen und Outdoortechnik": Das sind die Zahlen und Fakten zu einem Bauvorhaben in Kleineichenhausen, das die Bewohner des Sauerlacher Ortsteils seit Monaten in Aufregung versetzt. Denn dahinter verbirgt sich ein fast 40 Meter hoher Mobilfunkmast, den die Telekom auf einer Waldlichtung errichten will. Während der Grundstückseigner sich mit der Firma geeinigt hat, regt sich in Kleineichenhausen und den benachbarten Ortschaften Widerstand. Aus diesem Grund lädt die Gemeinde Sauerlach an diesem Dienstag um 19 Uhr zu einer Bürgerversammlung zum Thema Mobilfunkmast in die Mehrzweckhalle ein. Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt wird einen Vortrag halten; im Anschluss können Bürger Fragen stellen.

Zu Wort melden dürften sich dann auch die Unterstützer des Mobilfunkmasten, der laut einem Telekom-Sprecher zur "Versorgung des ländlichen Raums mit LTE" dienen soll. Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung) zufolge sind die Befürworter bereits im Rathaus vorstellig geworden. Zahlenmäßig seien sie den Kritikern des Projekts jedoch deutlich unterlegen, die eine eigene Bürgerinitiative namens Ortsteile Sauerlach-West gegründet haben. Sie hat circa 125 Unterschriften aus Sauerlach gegen den Bau gesammelt; aus dem Nachbarort Endlhausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) seien in etwa noch einmal so viele im Rathaus eingegangen, berichtete Bogner.

Die Bürgermeisterin und der Gemeinderat haben sich in der Sitzung vor der Sommerpause mit dem Bauantrag für den Mobilfunkmast beschäftigt, der zuvor von der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH eingereicht worden war. Das Gremium erteilte dem Vorhaben einstimmig eine Absage, weil man erst die Bürgerversammlung abwarten wolle - "und weil wir noch gar nicht wissen, wie dieser Mast erschlossen werden soll", so Bogner. Ihr zufolge hat die Telekom nicht mit der Gemeinde gesprochen. "Das war praktisch friss oder stirb", kritisierte die Rathauschefin. Zwar gelten Mobilfunkmasten aus baurechtlicher Sicht als privilegierte Vorhaben, ihre Zulässigkeit steht aber unter dem Vorbehalt der ausreichenden Erschließung - und genau hier will die Gemeinde ansetzen, um die Entscheidungshoheit über das Projekt zu behalten. Oder wie Bogner sagt: "Die müssen irgendwo eine Zuwegung nachweisen - die haben sie nicht. Und die müssen Strom reinbringen - das können sie nicht."

© SZ vom 08.09.2020

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