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40 Jahre Baierbrunner Böllerschützen:Zur Feier gibt's Ohrstöpsel für Ilse Aigner

Die Böllerschützen des Baierbrunner Gebirgstrachtenvereins Georgenstoana feiern ihr 40-jähriges Bestehen auf dem Starnberger See in angemessener Lautstärke.

Der Geist von Ludwig II. ist sicher hocherfreut an diesem Samstagvormittag. Es ist etwa 11.30 Uhr, die MS Bernried schaukelt sanft auf dem Starnberger See vor seiner Gedenkstätte. Auf ihrem Deck haben sich 21 fesche Mannsbilder in Miesbacher Tracht versammelt, die Böllerschützen des Baierbrunner Gebirgstrachtenvereins Georgenstoana.

Starnberg: 40 Jahre Gebirgsschützen Baierbrunn

Böllerschützen-Abschuss mit Bio-Korken. Die fliegen aus der Mündung in den See und sorgen für einen akustisch noch eindrucksvolleren Knalleffekt.

(Foto: Nila Thiel)

In Siebenergruppen stellen sie sich nacheinander auf, mit Blick zu Ludwigs Todesort. Die Böllerschützen sind unterwegs, um ihr 40-jähriges Bestehen mit einem kleinen Schiffsausflug zu feiern. Dazu gehört ein Gedenkschießen für den Kini.

Starnberg: 40 Jahre Gebirgsschützen Baierbrunn

Die lärmerzeugenden Schussgeräte in der Ruheposition.

(Foto: Nila Thiel)

Zur Vorbereitung schütten die sieben Schützen ihr Schwarzpulver in die Mündungen der "Salutgeräte", die eben nicht als Feuerwaffen gelten, dann schieben sie das Pulver mit Hilfe ihrer meist selbst angefertigten Stopfer aus unterschiedlichen Materialien tief hinein, verschließen die Mündungen mit Korken. "Laden zur Salve" lautete das dazugehörige Kommando von Schussmeister Gerhard Vierlinger. "Aufziehen!" heißt es dann und "Hoch legt an", woraufhin alle sieben Mann das mit vier bis fünf Kilo nicht ganz leichte Gerät mit einem Arm hochheben.

Starnberg: 40 Jahre Gebirgsschützen Baierbrunn

Hermann Blomberger ist das älteste Mitglied des Gebirgstrachtenvereins.

(Foto: Nila Thile)

"Mund auf!" sagt Ilse Aigner zu den Mitreisenden, die noch nie so nah bei einem Böllerschützen-Abschuss dabei waren. Die Präsidentin des bayerischen Landtags ist Ehrengast der Jubiläumsfahrt und hat sich dafür tatsächlich sehr viel Zeit genommen. Sowohl auf der 40-minütigen Rundfahrt als auch beim anschließenden Festmahl im Landgasthof Post in Aufkirchen ist sie dabei. Zu verdanken ist ihre Gesellschaft dem Felix, wie man den Gesprächen der Männer entnehmen kann.

Starnberg: 40 Jahre Gebirgsschützen Baierbrunn

Ilse Aigner (im Gespräch mit Felix Maiwald) genießt den Ausflug mit dem Gebirgstrachtenverein Georgenstona sichtlich.

(Foto: Nila Thiel)

Felix Maiwald, Ortsvorsitzender der CSU in Baierbrunn und Böllerschütze, hat bereits beim Loisachgaufest im Sommer 2018 die Ilse festgenagelt auf die Teilnahme am Jubiläum der Böllerschützen. "Ich wusste zwar damals noch nicht, in welcher Funktion ich dann sein würde", sagt Aigner auf der Schiffsreise, "aber ich wollte das Versprechen jedenfalls einhalten." Die bayerische Tradition müsse man unterstützen, sagt sie. Und sicher auch den Felix, der bei der Kommunalwahl wieder als Bürgermeisterkandidat auftreten will wie schon 2018, nachdem Barbara Angermaier hingeworfen hatte.

Ilse Aigner nimmt Ohrstöpsel an

Den Mund aufzumachen, helfe gegen die Wirkung der laut knallenden Böllerschüsse aufs Trommelfell, weiß Aigner. Trotzdem hat auch sie vorher von Maiwald ein paar Ohrstöpsel angenommen. Aufmerksam verfolgt sie nun, wie jeweils sieben Männer ihr Pulver verschießen, sodass Flammen aus den Mündungen kommen und Wolken von Pulverdampf rüber zum Ludwig-Denkmal wehen. Die Korken - alles echt bio, wie die Schützen versichern - fliegen in den See. Die Verdämmung durch sie sorgt für einen noch lauteren Knall, erklären sie.

26 Mitglieder hat die Böllerschützenabteilung der Georgenstoana, der älteste ist Hermann Blomberger, 76. Er kam erst im Ruhestand dazu. Als er sich seinerzeit das erste "Salutgerät" bestellte, passierte der Herstellerfirma ein Fehler: Er erhielt nicht den kleinen 14-Kaliber-Handböller, den die anderen auch haben, sondern einen mit 18 Kaliber. Der ist etwas größer und lauter. Da er ihn aber schon schön verzieren und gravieren hatte lassen, durfte er ihn behalten. Um nicht allzu viel lauter zu sein, benutze er weniger Pulver, verrät er.

Der Jüngste ist Christian Schmidt, 25, und es sind noch einige unter 30 Jahren dabei an diesem Tag. Ihnen gefalle es, dass sie so gute Kameradschaft auch mit älteren Herren pflegten, versichern sie und stimmen gerne mit diesen ein in ihren traditionellen Sprechgesang: "Baierbrunner samma, Baierbrunner bleim ma, Baierbrunner woin ma sei."

Beim Gasthof Post dürfen die Schützen noch mal ihr Können beweisen. Diesmal schießen sie ihr Standardprogramm: zuerst Peitsche - einer nach dem anderen-, dann jeweils sieben Männer gemeinsam und dann alle 21 zusammen. Die älteren Frauen, die das Spektakel im Speisesaal durch die großen Glasscheiben beobachten, rufen bei jeden Knall "Huch!". Die Burschen sind stolz, als sie davon hören.

"Das ist auch sehr schön am Böllerschießen, dass wir immer etwas Besonderes sind und die Leute sich freuen", sagt Fabian Vierlinger, Sohn des Schussmeisters. Der Geist Ludwigs II. ist übrigens immer dabei. Einige haben ihn als Münze am Charivari. "Ich hab sogar einen Hosenträger, wo er draufgestickt ist", sagt Jakob Wagner.