Vor Gericht 35-jähriger Betrüger gibt sich als Trump-Freund aus

  • Das Landgericht München verurteilt einen 35-Jährigen wegen 50-fachen gewerbsmäßigen Betrugs zu mehr als vier Jahren Haft.
  • Der Mann richtete in München und Leipzig einen Schaden von knapp 37 000 Euro an.
  • Er hatte sich unter anderem als Bekannter des US-Präsidenten Donald Trump ausgegeben.
Von Andreas Salch

Am Ende der Verhandlung muss der Richter dann noch was los werden und wendet sich mit sarkastischen Worten an den Angeklagten: Er müsse ihm "Respekt und Hochachtung" zollen dafür, wie "wunderbar" er sein Handwerk verstehe. In 30 Jahren als Richter habe er noch keinen so "gut arbeitenden und kreativen Betrüger" mit "so viel Einfühlungsvermögen" erlebt. "Man muss sagen: tolle Arbeit", sagt Richter Frank Zimmer zu Goran S. Unter anderem wegen 50-fachen gewerbsmäßigen Betrugs wurde der 35-Jährige am Montag vor der 12. Strafkammer am Landgericht München I zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Von 2017 an bis zu seiner Festnahme im März vorigen Jahres richtete Goran S. in München und Leipzig mit seinen Betrügereien einen Schaden von knapp 37 000 Euro an. Tatsächlich dürfte es noch weitaus mehr sein. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage ursprünglich von mehr als 80 Fällen des gewerbsmäßigen Betrugs und einem Schaden von etwas mehr als 100 000 Euro ausgegangen. Einen Großteil der Anklagepunkte stellte das Gericht aber ein, da sich deren Ahndung im Hinblick auf die Strafe nicht ausgewirkt hätte.

Prozess

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Gegenüber seinen Opfern hatte sich Goran S. mal als Goldminenbesitzer oder als "drittreichster Mann der Welt" ausgegeben und behauptet, ein Bekannter von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump zu sein. Doch nicht nur das. Goran S. verfügt offenbar auch über sehr viel psychologisches Einfühlungsvermögen. Sonst wäre es ihm nicht gelungen, so viele Menschen dazu zu bringen, ihm Geld zu leihen. Zurückbezahlt hat er es nie. Er brauchte es, um seinen aufwendigen Lebenswandel zu finanzieren. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sagte in ihrem Plädoyer, der Angeklagte habe das Geld geradezu "verprasst". Sie forderte sechs Jahre und sechs Monate Haft.

Einem Fitnesstrainer in Schwabing etwa hatte sich der 35-Jährige als Millionär und Hotelbesitzer vorgestellt und ihm anvertraut, er habe sich kürzlich zwei Bugattis gekauft. Der Fitnesstrainer zeigte sich beeindruckt; als Goran S. ihn bat, ihm Geld zu leihen, bekam er es: etwas mehr als 16 000 Euro. Außerdem war der Fitnesstrainer noch dazu bereit, für den vermeintlichen Hotelbesitzer vier Handyverträge abzuschließen. In einem Atelier in Leipzig hatte sich Goran S. zwei Maßanzüge und ein Hemd für knapp 2300 Euro schneidern lassen. Den fälligen Betrag beglich er mit einer fingierten Online-Überweisung.

Der Angeklagte, so Richter Frank Zimmer bei der Urteilsbegründung, habe das Wesen seiner Opfer "psychologisch zielgenau getroffen" und so deren Vertrauen erschlichen. Waren die Betreffenden einmal nicht in der Lage, Goran S. weitere Geldbeträge zu leihen, bedrohte er sie - oder machte ihnen ein schlechtes Gewissen, indem er ihnen vorwarf, sie hätten sein Vertrauen missbraucht. Dies sei "absolut widerwärtig", betonte Richter Zimmer und sagte zu Goran S., bevor er abgeführt wurde: "Alles Gute, suchen Sie sich in Zukunft eine andere Arbeit."