Prozess am Landgericht MünchenWer peinigte das Opfer mit Elektroschocker und Faustschlägen?

Lesezeit: 2 Min.

Die Angeklagten, die sich wegen der mutmaßlichen Entführung eines Mannes verantworten müssen, beim Prozessauftakt im Mai.
Die Angeklagten, die sich wegen der mutmaßlichen Entführung eines Mannes verantworten müssen, beim Prozessauftakt im Mai. Susi Wimmer
  • Drei Männer müssen sich vor dem Landgericht München wegen der Entführung eines mutmaßlichen Schleusers verantworten.
  • Die Brüder Sami und Zakaria D. hatten 50 000 Euro für Visa ihrer Schwester bezahlt, doch der Schleuser tauchte unter.
  • In einer Nürnberger Lagerhalle soll das Opfer zwei Tage lang mit Elektroschockern und Faustschlägen misshandelt worden sein.
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Drei Männer geben vor Gericht zu, einen Schleuser entführt und gefangen gehalten zu haben. Dann eskalierte die Situation – damit aber wollen die Angeklagten nichts zu tun gehabt haben.

Von Andreas Salch

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Angeblich wollten Sami und Zakaria D. ihrer Schwester in Syrien nur dabei helfen, nach Deutschland zu kommen. Doch der Plan misslang. Seit Anfang Mai müssen sie sich vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die zwei Brüder und ihren Bekannten, den 36-jährigen Jaber H., Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs erhoben. Mitte Januar 2024 sollen die drei Männer einen mutmaßlichen Schleuser gekidnappt und in einem Auto in eine Lagerhalle nach Nürnberg gebracht haben. Dort sollen Jaber H. sowie vier weitere Männer, die noch nicht gefasst wurden, das mutmaßliche Opfer zwei Tage und eine Nacht lang mit einem Elektroschocker und Faustschlägen gepeinigt haben.

Sami und Zakaria D. hatten ihm alles in allem 50 000 Euro dafür gezahlt, dass er Visa für ihre Schwester, deren Mann und die Kinder organisiert, damit sie nach Deutschland hätten kommen können. Doch nachdem der angebliche Schleuser das Geld erhalten hatte, soll er untergetaucht sein.

Bislang haben alle drei Angeklagten in dem Prozess geschwiegen. An diesem Mittwoch, dem elften Verhandlungstag, gaben die Verteidiger eine Erklärung für ihre Mandanten ab. Rechtsanwalt Michael Pösl, der mit seinem Kollegen Andreas Remiger Sami D. verteidigt, sagte, sein Mandant räume die Entführung ein. Diesem sei auch klar gewesen, dass der mutmaßliche Schleuser mit dem Tod bedroht werde.

Sami D. und sein Bruder sollen dem Mann zehntausend Euro als Anzahlung für die Visa bezahlt haben. Wegen angeblicher Probleme mit den Pässen ihrer Schwester und deren Mann habe der mutmaßliche Schleuser dann aber den gesamten Betrag über 50 000 Euro für die Visa gefordert. Die noch ausstehenden 40 000 Euro zahlte ein Bekannter der Brüder, ein gewisser Arafat in Nürnberg.

Von ihm fehlt bislang jede Spur. Der Bekannte von Samir und Zakaria D. soll in Nürnberg ein Geschäft für arabische Waren gehabt haben, die er in einer Lagerhalle in einem Industrie- und Gewerbegebiet aufbewahrte. Sami D. und sein Bruder sowie Jaber H. hatten den mutmaßlichen Schleuser in den frühen Morgenstunden des 20. Januar 2025 in München auf offener Straße gekidnappt, in ein Auto gedrängt und in die Lagerhalle ihres Bekannten nach Nürnberg gebracht. Dort, so Sami D.s Verteidiger, hätten jener Arafat sowie drei weitere Männer als „Empfangskomitee“ schon bereitgestanden.

Im Hinblick auf die Misshandlungen, sagte Pösl, sein Mandant habe nichts damit zu tun. Dieser sei vielmehr „zum Zuschauen verdammt“ gewesen. Auch der Verteidiger von Zakaria D., Rechtsanwalt Johannes Makepeace, betonte, sein Mandant habe nicht gewollt, dass Gewalt angewendet werde. Er sei davon ausgegangen, dass Arafat mit dem Opfer reden werde. Doch die Situation sei aus dem Ruder gelaufen. Es seien Dinge passiert, die Zakaria D. nicht gewollt habe. In einem von Arafat und seinen Helfern unbeobachteten Moment hatten Sami und Zakaria D. das Opfer in ihr Auto gesetzt und zurück nach München gefahren. Der Prozess wird fortgesetzt.

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