Prozess um großen DrogenfundDrogen-Kurierfahrer schweigt über seine Hintermänner

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Die Fahnder stellten den Kurierfahrer am Autobahnkreuz Ulm/Elchingen (Symbolfoto).
Die Fahnder stellten den Kurierfahrer am Autobahnkreuz Ulm/Elchingen (Symbolfoto). (Foto: Martin Dziadek)

Ein spiel- und drogensüchtiger Angeklagter aus München räumt vor dem Landgericht München I ein, dass er Kokain und Heroin im Wert von mehreren Millionen transportiert habe. Von den Auftraggebern fühlt er sich bedroht.

Von Andreas Salch

Als der Münchner Altenpfleger Roko L. (Name geändert) am frühen Abend des 14. September vergangenen Jahres mit dem Auto aus den Niederlanden zurück nach Hause fuhr, wurde er schon erwartet – von der Polizei. Die Fahnder wussten, dass der 31-Jährige, von dem sie ein Foto hatten, mit einem Mercedes-Benz unterwegs war. Als die Ermittler den Wagen am Autobahnkreuz Ulm/Elchingen sahen, nahmen sie sofort die Verfolgung auf und lotsten die Fahrerin des Wagens auf die Rastanlage Leipheim. Roko L. saß auf dem Beifahrersitz.

Wie sich herausstellte, befand sich in dem Wagen eine brisante Fracht: nicht weniger als 30,5 Kilogramm Kokaingemisch sowie knapp vier Kilogramm Heroingemisch, verpackt in Tüten, Tragetaschen, Rucksäcken und kleinen Koffern. Die Drogen seien von „bester Qualität“ gewesen, sagt Roko L.’s Verteidiger, Rechtsanwalt Benedikt Stehle. Er und eine Kollegin vertreten den Altenpfleger, der sich jetzt unter anderem wegen des Vorwurfs der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor der 19. Strafkammer am Landgericht München I verantworten muss.

Das sichergestellte Kokain und Heroin, das Roko L. als Kurier für Auftraggeber in den Niederlanden mutmaßlich transportiert hat, ist die größte Menge, um die es in den vergangenen Jahren bei einem Drogen-Prozess am Landgericht München I ging. Allein der Wert des Kokains beläuft sich im Straßenverkauf laut L.’s Verteidiger auf zwei bis drei Millionen Euro.

Roko L. befindet sich seit der Kontrolle durch die Polizei in Untersuchungshaft. Die Frau, die damals am Steuer des Mercedes saß, hatte nichts von den Drogen gewusst, die sich in einem ausgeklügelten Versteck im Fond des Mercedes befanden. Ein technischer Beamter der Polizei, der als Zeuge aussagte, bestätigte Richter Markus Koppenleitner, dass die Arbeiten für das geheime Depot handwerklich „sehr professionell ausgeführt“  worden seien. „Da waren Profis dran“, betonte der Zeuge aufgrund seiner langjährigen Erfahrung anerkennend.

Roko L. ist geständig. Einer der Polizisten, der in Leipheim dabei war, berichtete, dass der Altenpfleger, als er mit dem Drogenfund konfrontiert wurde, geantwortet habe: „Heute habt ihr gewonnen.“ Er habe den Eindruck gehabt, so der Beamte, dass der Angeklagte damit gerechnet habe, irgendwann erwischt zu werden.

Tatsächlich war die Kurierfahrt, bei der Roko L. festgenommen wurde, nicht seine erste. In einer Erklärung, die sein Verteidiger zum Prozessauftakt vortrug, bekennt der 31-Jährige, er habe zunächst mit „kleinen Kurierfahrten“ angefangen. Die Drogen, die sichergestellt worden seien, habe er nach Innsbruck bringen sollen. Als Grund für die Kurierfahrten gibt Roko L. „erhebliche Schulden bei den falschen Leuten“ an, und dass er bedroht worden sei. Durch seinen Kokainkonsum und seine Spielsucht habe er immer mehr Schulden aufgehäuft. Schließlich habe er seine Miete nicht mehr zahlen können und sich Geld „von Leuten“ geliehen. Sie verlangten angeblich „immer mehr Zinsen“. Zuletzt, so L., habe er bei seinen Gläubigern mit 100 000 Euro in der Kreide gestanden.

In Stadelheim haben den Angeklagten Drohungen erreicht

Als Ausweg aus seiner finanziell misslichen Lage habe man ihm angeboten, seine Schulden durch Kurierfahrten abzubezahlen. Für die Fahrt, die für den Altenpfleger in der Untersuchungshaft endete, sollten ihm angeblich 30 000 Euro erlassen werden. Pro Fahrt habe er lediglich 1000 Euro „als Taschengeld“ für Verpflegung, Tanken und Hotels erhalten, so der 31-Jährige.

Roko L.’s Erklärung endet mit der Erkenntnis, dass er einen „Riesenfehler“ gemacht habe. Überdies bekennt er, dass er „froh“ sei, aus „diesem Teufelskreis rausgekommen“ zu sein. Angaben zu den Hinterleuten in den Niederlanden wolle sein Mandant keine machen, sagte Rechtsanwalt Stehle – und zwar aus Angst. Bereits kurz nach der Verhaftung seines Mandanten, so der Verteidiger, sei in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim jemand auf Roko L. zugekommen und habe ihm gedroht, „dass ihm und seiner Familie etwas passiert, sollte er eine Aussage machen.“ Ein Urteil in dem Prozess wird an diesem Freitag erwartet.

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