Bandenbetrug:Falschem Polizisten droht Haftstrafe

Lesezeit: 1 min

Ein zwanzigfach vorbestrafter Mann ergaunert mehr als 200 000 Euro von Senioren. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Von Andreas Salch

Sie setzen ihre Opfer am Telefon oft stundenlang massiv unter Druck: Sogenannte falsche Polizisten - Betrüger, die von Callcentern aus agieren und es vor allem auf das Geld von Senioren abgesehen haben. Den alten Menschen wird vorgegaukelt, ihr Erspartes sei auf der Bank nicht mehr sicher. Deshalb sollten sie es sofort abheben und vor ihrer Haustüre ablegen, wo ein Polizist es später abholt, um es in Sicherheit zu bringen. Bei dem vermeintlichen Polizisten handelt es sich tatsächlich um ein Mitglied der Bande, einen sogenannten Abholer. Einer von ihnen ist Drazen S. Der 34-Jährige muss sich seit diesem Donnerstag vor dem Landgericht München I wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs verantworten.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hat S. im vergangenen Jahr binnen weniger Monate rund 206 000 Euro bei sechs Senioren in ganz Süddeutschland "abgeholt" und anschließend an andere Mitglieder der Bande weitergereicht. Für jede Geldabholung soll der 34-Jährige den Ermittlungen zufolge einen Betrag zwischen 500 und 1500 Euro erhalten haben. Eines der Opfer ist eine 83-jährige Rentnerin aus München-Laim. Die Seniorin brachten die Hintermänner der Bande dazu, im Juli 2021 alles in allem 40 000 Euro in zwei Tranchen von ihrem Konto abzuheben. Die Geldscheine steckte die Rentnerin danach in Kuverts und legte sie vor ihrer Wohnungstüre ab, wo sie der Angeklagte schließlich an sich nahm.

Kurz nach der zweiten Geldübergabe versuchte die Bande der 83-Jährigen weitere 10 000 Euro und sogar ihre Immobilie abzuschwatzen. Doch der Plan ging nicht auf. Die Seniorin war inzwischen misstrauisch geworden und zur Polizei gegangen. Zum Schein ging sie auf die Forderungen der falschen Polizisten ein. Als Drazen S. am frühen Abend des 27. Juli vergangenen Jahres das Geld an sich nehmen wollte, wurde er festgenommen. Für den Fall eines Geständnisses hat das Gericht dem 34-Jährigen, der nicht weniger als 20 Vorstrafen hat, eine Haftstrafe von nicht mehr als fünfeinhalb Jahren und nicht weniger als vier Jahren und acht Monaten in Aussicht gestellt. "Das ist ein sehr großzügiges Angebot von uns", sagte die Vorsitzende der 29. Strafkammer, Richterin Nicole Selzam, zu Drazen S. Ein Urteil in dem Prozess wird im Juli erwartet.

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