bedeckt München 14°

Laim:Unterschiedliche Wahrnehmungen

Kommunikation ermöglichen, Menschen verbinden: Im Stadtbezirk ist die Initiative Inlaim ihren Zielen gerecht geworden, intern gab es Probleme.

(Foto: Robert Haas)

Die Initiative "Inlaim" hat sich gespalten. Ein Teil des Kernteams gründet einen neuen Verein und wirft den ehemaligen Mitstreiterinnen vor, parteipolitische Ziele verfolgt zu haben. Die sind "völlig vor den Kopf gestoßen"

Von Christina Seipel, Laim

Still und leise hat sich das Kernteam von "Inlaim" in der veranstaltungsarmen Zeit der Corona-Krise getrennt. Lediglich per E-Mail, in der sie die Gründung des neuen Vereins "laim_up" ankündigten, erwähnten Sophie Kaiser, Sevda Cakir und Petra Stockdreher fast beiläufig das Ende der Bürgerinitiative. "Wir sind nicht im Guten auseinandergegangen." Das war alles, was Stockdreher, die 2017 die Initiative gemeinsam mit Lisbeth Haas, Erika Sturm und Ruth Wassermann ins Leben gerufen hatte, verriet. Mehr zu den Hintergründen gaben beide Gruppen nicht preis. Während die eine Seite sich bereits dem entstehenden Verein widmete, war von der anderen bis vor Kurzem nichts mehr zu hören.

"Unterschiedliche Vorstellungen über die Art der Projekte" hätten zur Spaltung geführt, heißt es jetzt in einer Stellungnahme per E-Mail, die Haas, Sturm und Wassermann unterzeichnet haben, gemeinsam mit Angela Büttner und Annette Meyer zum Felde. Der Vorwurf an die drei Mitbegründerinnen, dass sie die Initiative für parteipolitische Zwecke genutzt hätten, habe jeder weiteren Zusammenarbeit letztlich die Grundlage entzogen. Büttner und Meyer zum Felde hätten sich angeschlossen, "weil sie unter diesen Umständen nicht mehr weitermachen wollten."

Laut Lisbeth Haas, die für Bündnis 90/Die Grünen im Laimer Bezirksausschuss (BA) sitzt, ist der Vorwurf vorgeschoben: "Wir haben nie Parteipolitik betrieben." Tatsächlich war Haas' Stimme im BA eher förderlich. So hatten die Grünen von Anfang an zugesagt, die Kosten für die Erstausstattung des Inlaim-Ladens an der Guido-Schneble-Straße 24 zu übernehmen. Erst im Frühjahr hatte dann auch die schwarz-rote Mehrheit zugestimmt.

Erste Differenzen zwischen den Frauen habe es schon gegeben, als sie im Sommer 2019 den Laden im Genossenschaftsbau angemietet haben. "Den Schlüssel haben wir uns erkämpfen müssen", behauptet Haas. Da der Mietvertrag auf Stockdreher laufe, hätten sie auch keinen Anspruch mehr auf die Räume, die laim_up nun weiter für seine Aktionen nutzt.

Die Menschen im Viertel miteinander zu verbinden, war ein wesentliches Ziel von Inlaim. Was sie im Stadtbezirk geschafft haben, scheint ihnen intern jedoch nicht geglückt zu sein. Als sie sich wegen des Lockdowns nicht mehr persönlich treffen konnten, sei die Kommunikation zunehmend konflikthafter geworden, darin zumindest sind sich beide Seiten einig.

"Im Juni 2020 wurden die Differenzen so groß, dass sie die bisherige gute Energie und kreative Projektentwicklung zu überlagern drohten", beschreiben die laim_up-Gründerinnen die Auflösung. Die ehemaligen Mitstreiterinnen sehen dies anders: "Wir waren völlig vor den Kopf gestoßen", sagt Haas. Per Brief habe sie erfahren, dass eine Mitarbeit der drei Parteimitglieder nicht mehr erwünscht sei. Ein Gespräch habe nicht stattgefunden. Eines stehe jedoch fest: "Wir wollen auf alle Fälle weitermachen", bekräftigt Haas. Wie dies aussehen soll, konnte sie noch nicht sagen. Bewährte Inlaim-Aktionen wie Kochen mit Flüchtlingen sollen fortgesetzt werden.

© SZ vom 17.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema