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Laim:Tragendes Gerippe

Skelett aus Stahl und Beton: Als "konstruktiven Rückbau" bezeichnen die Planer das, was gerade mit dem ehemaligen Kaufhaus Beck an der Fürstenrieder Straße passiert.

(Foto: Robert Haas)

Der Umbau des früheren Kaufhauses Beck hat begonnen

Von wegen Klinker-Koloss oder Backstein-Ruine. Wortpaare mit dieser speziellen Baustoff-Kopplung verbieten sich ab sofort an der Fürstenrieder Straße 21. Nach mehr als 40 Jahren ist sie endgültig ab, die Hülle des ehemals stolzen Einzelhandel-Solitärs an einer der Hauptschlagadern Laims, die zuletzt nur noch Schmähungen provozierte. Das ehemalige Kaufhaus Beck häutet sich unterdessen radikal und soll bis Ende 2018 als nicht wiederzuerkennender Komplex auferstehen. Der neue Eigentümer in der an Eigentümern reichen Geschichte, der Starnberger Projektentwickler Ehret + Klein, will hier in einem knappen Jahr ein Geschäftshaus mit Einzelhandel und Büros eröffnen.

"Konstruktiven Rückbau" nennen die Planer das, was gerade mit der Immobilie passiert: die Reduzierung eines Gebäudes auf seine statische Grundstruktur, auf sein Skelett. Man sei damit im Zeitplan. Bereits im Dezember ging es mit dem Rohbau los. "Wenn keine unerwarteten Verzögerungen kommen", teilt eine Sprecherin der Eigentümer mit, "werden wir die Fertigstellung des Rohbaus bis Mitte 2018 abgeschlossen haben". Impliziert ist dabei der Lückenschluss zu den Nachbargebäuden links und rechts sowie die Aufsattelung eines viertes Geschosses mit Satteldach, das die Erscheinung des ehemaligen Flachbaus wesentlich verändert. Im Innern soll die Architektur sich treu bleiben, versprechen Ehret +Klein, die Stahlträgerkonstruktion liefert dabei "Industrie-Optik".

Ins Erdgeschoss und den ersten Stock zieht ein Edeka-Markt mit 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche; darüber sind Großraumbüros vorgesehen. Die Stadt hätte im Haus auch gerne Platz schaffen lassen für Wohnraum. Aber, so hat Michael Ehret bei der Begehung der Baustelle im Herbst wissen lassen, "wir wollten hier hochwertiges Gewerbe".

Dass der einstige Klinker-Koloss, der seit Anfang der 1990er Jahre leer steht und damit zum Premium-Schandfleck im Viertel avancierte, tatsächlich wieder mit Leben erfüllt wird, glaubt man in Laim erst, wenn es soweit ist. Zu häufig wurden in der Vergangenheit bereits Anläufe zu einer Metamorphose des Gebäudes unternommen und nie vollendet. Ersteht es diesmal, wie vorhergesagt, Ende 2018 neu, wird dahinter kein Mensch mehr eine ehemalige Backstein-Ruine vermuten. An der glatt gezogenen blütenweißen Fassade mit ihren gedehnten Panorama-Fenstern perlt jede Patina ab.