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Laim/Nymphenburg:Alarm in der Röhre

Weil Sensoren während der Bauarbeiten angeschlagen haben, wird die Laimer Unterführung nun fünf Wochen lang für den Straßenverkehr gesperrt. Die Deutsche Bahn will den Tunnel sichern

Von Christina Seipel, Laim

Seitdem 2018 die Bauarbeiten für die zweite Stammstrecke und die Umweltverbundröhre begonnen haben, ist es am Laimer Bahnhof immer wieder zu kleineren Einschränkungen im Straßen- und Schienenverkehr gekommen. Nun aber soll die Unterführung in der Nacht zum Montag, 22. Februar, für ganze fünf Wochen für den Straßenverkehr gesperrt werden. Als Grund nennt die Deutsche Bahn AG "notwendige Baumaßnahmen am Bestandsbauwerk". Bei den Mitgliedern des Laimer Bezirksausschusses (BA) kamen jetzt große Sicherheitsbedenken auf, ob der Tunnel aus dem Jahr 1891 den aktuellen Anforderungen weiterhin Stand hält.

In die Jahre gekommen: Die Straßentunnel-Konstruktion stammt von 1891.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Zuge der Bauarbeiten an der neuen Umweltverbundröhre sind über die gesamte Unterführung verteilt Messpunkte installiert worden, um Erschütterungen oder Verschiebungen des Gewölbes rechtzeitig festzustellen. "Diese Sensoren haben nun Alarm geschlagen", sagt BA-Chef Josef Mögele (SPD). Wie aus einem Protokoll der DB an das Gremium hervorgeht, ist das Warnsystem in drei verschiedene Kategorien unterteilt. In der nördlichen Straßenröhre sei nun mit der zweiten Stufe der Warnwert erreicht worden. Deshalb hat die Bahn beschlossen, die Röhre zeitnah zu sperren. Beim Alarmwert der Stufe drei hätte auch der Gleisverkehr gesperrt werden müssen. Zudem seien Adhoc-Maßnahmen ergriffen worden "um weiteren Verformungen bis zur Umsetzung der Havariemaßnahme gegenzusteuern", so die DB. Um was es sich dabei konkret handelt, geht aus dem Schreiben nicht hervor.

In jüngster Zeit war immer wieder die Rede von Erosionen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Stadtviertelpolitiker sind alarmiert. "Auf mich macht das keinen vertrauenerweckenden Eindruck", klagte CSU-Stadträtin und Fraktionssprecherin Alexandra Gaßmann in der jüngsten BA-Sitzung. Bedenken habe sie vor allem wegen der Menschen, die die Röhre täglich passieren. Denn viele Fragen bleiben offen, etwa ob die Fußgängerunterführung ebenfalls mit Sensoren überwacht wird. Im Stadtrat hat Gaßmann deshalb eine Anfrage zu den Auswirkungen der Havariemaßnahmen auf die Laimer Röhre gestellt. Darin heißt es: "Durch die Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke und der Umweltverbundröhre haben sich in dem maroden Bauwerk Schäden ergeben, die nun gesichert und überwacht werden müssen." Die DB wollte sich nicht äußern, ob die aktuellen Baumaßnahmen mit den Arbeiten an der zweiten Stammstrecke im Zusammenhang stünden. Es handele sich auch um keine Schäden, sondern vielmehr "kleinere Veränderungen am Bestandsbauwerk", die im Bereich der Straßenröhre" festgestellt worden seien, teilte eine Sprecherin auf SZ-Anfrage mit. Als "Vorsorgemaßnahme, um möglichen Schäden vorzubeugen", soll dieses nun mit Stahlbändern entsprechend verstärkt werden. "In meinen Augen ist das Flickschusterei", kritisiert Gaßmann.

Die Bahn teilt die Bedenken nicht. "Die Sicherheit für den Straßenverkehr sowie Fußgänger und Radfahrer ist zu jeder Zeit gewährleistet", versichert die Sprecherin in ihrer Stellungnahme. Auch die Bauarbeiten für die zweite Stammstrecke und die Umweltverbundröhre im Bereich Laim sollen durch die Baumaßnahme nicht beeinträchtigt werden. Der Durchgang für Fußgänger und Radfahrer wird während der fünfwöchigen Sperrung zugänglich bleiben und auch die S-Bahn-Station uneingeschränkt erreichbar sein. Der Straßenverkehr wird während der Sperre über die Landsberger Straße und die Friedenheimer Brücke umgeleitet. Bei den Buslinien 51, 151, 168 und N 78 kommt es zu Umleitungen und Haltestellenverlegungen. Die Durchfahrt für Autos und Busse ist voraussichtlich vom 29. März an wieder möglich.

© SZ vom 11.02.2021
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