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Laim:Der Neubau tilgt den alten Namen

Neubau Grundschule inder Camerloherstrasse

Im Herbst soll der Neubau fertig sein, und weil der Eingang dann an einer anderen Straße liegt, verliert die Schule wohl ihren Namen.

(Foto: Catherina Hess)

Im September soll die Camerloher-Schule umbenannt werden, weil der Haupteingang künftig an der Von-der-Pfordten-Straße liegt und Rettungskräfte nicht lange suchen sollen. Der Elternbeirat protestiert

Von Christina Seipel, Laim

Sie gewinnt neuen Platz, aber sie verliert ihren alten Namen: Wenn im September das neue Schuljahr beginnt, soll die Camerloher-Schule künftig Grundschule an der Von-der-Pfordten-Straße heißen - zum Verdruss vieler Eltern.

Der 1961 fertig gestellte Altbau, der Platz für vier Klassen je Jahrgangsstufe geboten hat, wird durch einen fünfzügig angelegten Neubau an der Von-der-Pfordten-Straße ersetzt. Die Schule kann dadurch vier Klassen mehr einrichten. Nachdem die 20 Schulklassen in das neue Gebäude umgezogen sind, soll das alte Schulhaus abgerissen werden. Der Eingang wird dann von der Camerloherstraße 110 ums Eck an die Von-der-Pfordten-Straße 80 verlagert (bisher hieß dieser kurze Abschnitt Rushaimerstraße). Und genau hier liegt die Crux mit der Namensänderung: Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) schreibt nämlich vor, dass die Anschrift der Schule deutlich aus der amtlichen Bezeichnung hervorgehen muss. Die Straße, an der sich der Haupteingang zum Gebäude befindet, bestimmt also den Schulnamen. Dies sei vor allem aus Sicherheitsgründen notwendig, um eine schnelle Erreichbarkeit durch Rettungskräfte zu gewährleisten, erklärt Andreas Haas, Pressesprecher im Referat für Bildung und Sport (RBS). Am neuen Zugang befinden sich zum Beispiel auch die Brandmeldezentrale und der Wasseranschluss mit Steigleitung für die Feuerwehr.

Alternativ wäre es gemäß Artikel 29 des BayEUG möglich, einer Schule zusätzlich zu der amtlichen Bezeichnung einen Namen zu verleihen. Von dieser Regelung machen die Münchner Realschulen und Gymnasien Gebrauch. Nach einem Stadtratsbeschluss von 1960 werden sie nach Persönlichkeiten benannt, deren Wirken mit der Landeshauptstadt verknüpft ist. Im Fall der Laimer Schule müsste diese dann "Camerloher Grundschule an der Von-der-Pforten-Straße" heißen.

Melchior Camerloher war eine der 42 Geiseln, die München 1632 bei der Besetzung durch den Schwedenkönig Gustav II. Adolf stellen musste, ebenso wie die Herren Aindorfer, Inderstorfer, Byecher und Agricola, nach denen ebenfalls Laimer Straßen benannt sind. In diesem Fall jedoch bestünde die "Gefahr einer Verwirrung", befürchtet Haas, "weil Rettungskräfte beim Stichwort Camerloher-Schule im Zweifel eben dann nicht den Haupteingang an der Von-der-Pforten-Straße anfahren würden, sondern die Camerloherstraße". Dies könne lebensrettende Minuten kosten. Auch Martin Bachmaier, Leiter der Laimer Polizeiinspektion, legte dem Elternbeirat und den Stadtviertelpolitikern dar, dass es nur dann sinnvoll wäre, den Namen beizubehalten, wenn man ein verzögertes Auffinden der Schule durch die Einsatzkräfte ausschließen könne.

Um einen weiteren Namen neben der amtlichen Bezeichnung durchzusetzen, müssten der Schulaufwandsträger - also in der Regel die Kommune - sowie die Lehrerkonferenz, der Elternbeirat und die Schülervertretung zustimmen. Rektorin Alexandra Janssen spricht sich jedoch gegen die Beibehaltung des alten Namens aus. Sie findet, die Sicherheit der Schüler habe oberste Priorität. Auch die Lehrerkonferenz habe sich dagegen ausgesprochen. "In der Abwägung sprachen mehr Gründe für eine Umbenennung", sagt Haas. Ein Antrag auf einen zusätzlichen Schulnamen, der nur vom Elternbeirat ausgehe, sei formal nicht ausreichend.

Die Mitglieder des Laimer Bezirksausschusses (BA) zeigen Verständnis für den Wunsch der Eltern, an dem Namen festzuhalten, und wollen sie unterstützen. "Es soll nicht an klassischem Formalismus scheitern", versprach SPD-Fraktionssprecher Carsten Kaufmann. "Wir sollten es bis zuletzt versuchen." Eine Chance sieht das Gremium darin, den alten Eingang, der von der Camerloherstraße auf das Schulgelände führt, beizubehalten. Dies könne auch die Gefahren beim Hol- und Bringverkehr verringern, sagte BA-Chef Josef Mögele (SPD). Die Stadtviertelvertreter befürchten, dass es vor dem neuen Haupteingang, der unmittelbar an der Von-der-Pfordten-Straße liegt, bei Schulbeginn zu einem Gedränge kommen könnte zwischen den mehr als 500 Schülern, die dann die Grundschule besuchen werden. Bei einem Ortstermin trug der BA seine Sicherheitsbedenken Vertretern der Stadt vor. Das Schulreferat will nun nachdenken, wie man die Schülerströme am Eingang morgens entzerren könnte.

© SZ vom 22.05.2021/van
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