bedeckt München 19°

Laim:Der Charakter bleibt

Die Siedlung Alte Heimat soll nicht zu einem Quartier werden, in dem die Mieten kaum mehr zu bezahlen sind. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag und der Kommunalreferent kündigen behutsame Sanierung an

Hätte nur noch gefehlt, dass sich die Protagonisten auf offener Bühne umarmen. So ostentativ präsentieren die Partner innerhalb einer Pressekonferenz das gegenseitige "Einvernehmen" und das mit ihrer "ganz besonderen" Klientel. Kommunalreferent Axel Marquardt und Vertreter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag samt ihres Geschäftsführers Klaus-Michael Dengler, kündigen dabei nicht nur für kommenden Mai den Start für die Groß-Sanierung der Siedlung Alte Heimat an. Sie rühmen bei der Gelegenheit gleich auch die Kommunikationskultur, die zwischen Machern und Mietern gewachsen sei. Letztere sind, Marquardt zufolge, "Münchner Bürger, die nicht auf der Sonnenseite stehen", und deshalb darauf angewiesen sind, dass sie sich ihre vier Wände auch nach einer Rundum-Erneuerung noch leisten können.

Dazu muss man wissen, dass es sich bei der weitläufigen Anlage im äußersten Osten Laims um ein Quartier handelt, das einst als Stiftungssiedlung der Stadt für im Krieg ausgebombte Münchner erstellt wurde und fortan Bedürftige, Betagte und solche mit körperlicher und geistiger Behinderung aufnahm. Das gilt heute noch und ist ausgedehnt auf Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Kurzum: Hier leben etwa 1000 Menschen, die entweder nicht mit Geld oder Gesundheit gesegnet sind. Bürger, sagt der Kommunalreferent, die Angst hätten, dass die Stadt ihr Zuhause zu einer "ganz normalen Siedlung macht und damit bezahlbare Mieten verlustig gehen". Doch der Stadtrat habe mit seinem Beschluss 2015 die Weichen gestellt, dass der Charakter der Alten Heimat erhalten bleibe. "Wir werden also keine goldenen Türklinken einbauen, sondern mit Augenmaß und behutsam sanieren." Einmal in Schwung scheut Marquardt kein Pathos: "Das Kommunalreferat hat eine Schutzheiligen-Funktion für die Bewohner."

Die Anlage im äußersten Osten Laims wurde ursprünglich als Stiftungssiedlung der Stadt errichtet.

(Foto: Gewofag/ Andrea Schlaier)

Eine gefühlte Nummer kleiner erläutern die Verantwortlichen der Gewofag, die das Projekt im Auftrag der Eigentümerin Stadt und in beständigem Austausch mit Bewohnern realisieren, wie im einzelnen vorgegangen wird: "Der Terminplan ist nicht sehr sportlich, weil wir behutsam agieren wollte", erläutert Götz Keßler, Bereichsleiter Immobilien- und Bestandsentwicklung. In drei Schritten werden zunächst die Häuser südlich des Kiem-Pauli-Wegs instandgesetzt; es handelt sich um 360 Wohnungen. Pro Jahr nehmen sich die Erneuerer ein Karree vor. Vom Mai bis Ende 2016 ist es das südwestliche Geviert. 2017 folgt der Mittelblock und 2018 im Osten vier Zeilen nördlich und südlich des Kiem-Pauli-Weges. "Wir machen das abschnittweise, weil wir die Bewohner nicht zu sehr mit den Baumaßnahmen belasten wollen." In allen Fällen werden Balkone, Loggien und Terrassen komplett saniert, notwendige Brandschutzmaßnahmen umgesetzt, bestehende Elemente wie Türen, Klingelanlagen und Treppenhäuser erneuert oder verschönt. "Nach außen hin am auffälligsten wird der Neuanstrich an der Fassade sein", sagt Keßler. Der Bereich ist nicht barrierefrei, soll es auch gar nicht werden.

Dieser Bedarf wird mit den Neubauten gedeckt, die zwischen 2018 und 2025 ebenfalls peu à peu umgesetzt werden. Es entsteht westlich des jetzigen Alten- und Servicezentrums (ASZ) ein Wohnungs-Riegel samt einem kleinen Quartierstreff; eine zweite Zeile schließt sich östlich des ASZ an. Am östlichen Rand der Alte Heimat direkt zur Hans-Thonauer-Straße gibt's ebenfalls einen Mietblock und eine sechsgruppige Kindertagesstätte.

Entlang der Zschokkestraße werden gewissermaßen als Lärmschutz für die Bewohner vier Querbauten auf die Wiese gestellt. Schließlich sehen die Planer an der Ecke Zschokke-/Hans-Thonauer-Straße noch einmal einen Mietwohnblock vor und im äußersten Westen Richtung Burgkmairstraße eine Zeile, eventuell mit kleinteiligem Gewerbe, vor.

Thomas-Wimmer-Haus, Laim

Hier leben etwa 1000 Menschen, die nicht mit Geld oder auch nicht mit Gesundheit gesegnet sind.

(Foto: Gewofag/ Andrea Schlaier)

Aufwendig versucht die Gewofag den Bedarf der Bewohner zu ermitteln. Christian Kiefer, Bereichsleiter Immobilienverwaltung, spricht von "persönlicher Kontaktaufnahme" mit den einzelnen Parteien und der gemeinsamen Suche nach passenden Wohnungszuschnitten im dann entwickelten Quartier. Wer in einem der Abbruchhäuser wohnt - insgesamt 140 Wohnungen werden dem Erdboden gleichgemacht - kann innerhalb des Gevierts umziehen. Der Mietpreis lasse sich ausschließlich "mitnehmen", wenn man innerhalb der Alten Heimat in eine frei werdende Wohnung umsiedelt. Wer in einen Neubau auf dem Gelände umsiedelt, müsse dafür mehr berappen als im Zuhause in einem ausschließlich renovierten Trakt. Die Mieten sollen sich je nach Förderung, zwischen 5,50 und neun Euro pro Quadratmeter bewegen.

Zwei Tage vor der Pressekonferenz haben Gewofag-Mitarbeiter und Marquardt die Bewohner bereits informiert. Etwa 250 seien gekommen. "Die Stimmung war sehr positiv", sagt Götz Keßler. "Ich führe das auf unsere sehr intensive Kooperation mit der Bewohnervertretung der Alten Heimat zurück." Unverhohlen stolz blickt jetzt auch er in die Runde: "Ich glaube, dass ist das Ergebnis eines gelungenen Kommunikationsprozesses."