Laim:Besorgt und wütend

Lokalpolitik und Bürger rügen Pläne der Stadt für Baumschul-Areal

Von Christina Seipel, Laim

Nach den Naturschützern haben jetzt auch die Laimer Lokalpolitiker heftige Kritik geübt am Entwurf des Stadtentwicklungsplans 2040, den Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Stadtbaurätin Elisabeth Merk vor wenigen Tagen vorgestellt haben. Dieser zeigt auf, wie sich die Stadt in den nächsten 20 Jahren entwickeln und an welchen Stellen noch gebaut werden kann. In dem Papier ist auch das Areal in und um die Baumschule eingezeichnet, auf dem künftig Quartiere entstehen könnten.

Die Ausweisung der Fläche zwischen Laim, Pasing und Blumenau als Siedlungs- und Quartiersentwicklungsgebiet erhitzte die Gemüter des Laimer Bezirksausschusses (BA). In zwei unabhängigen Anträgen forderten die Grünen sowie die Fraktionen von SPD und CSU, jegliche Bebauungspläne auf dem Gebiet, das, so Christian Hartranft (Grüne), "noch nie als Bebauungsfläche diskutiert wurde", aus dem Entwurf zu streichen. Das Areal sei nicht nur eine bedeutende Grün- und Erholungsfläche für die Anwohner, sondern habe auch eine "wichtige stadtklimatische Funktion". Zudem stimmten die BA-Mitglieder überein, dass der grüne Zug, der sich von der Baumschule bei Laim bis nach Gräfelfing und zum Lochhamer Schlag zieht, eine wichtige Kaltluftschneise für die Stadt darstelle.

Sichtlich aufgebracht kritisierte Susanne Kopp von der Bürgerinitiative Landschaftspark-West in der Sitzung des Gremiums den Plan, den bereits seit 1995 vom Stadtrat beschlossenen Landschaftspark nun als Fläche für Siedlungsentwicklung umzudeuten. "Wir sind sehr besorgt und auch sehr wütend." Um die Bebauung der Freifläche im Münchner Westen zu verhindern, hat die Initiative eine Online-Petition gestartet, die inzwischen knapp 3000 Menschen unterschrieben haben. Neben den Bürgern soll "bei so einem gewaltigen Prozess" auch der BA mitbestimmen dürfen, fordert Kopp. Eine Beteiligung der betroffenen Gremien wünschen sich auch SPD und CSU in einem gemeinsamen Antrag. Von den aktuellen Plänen hatten die Lokalpolitiker erst aus der Presse erfahren. "Das ist kein Vorgehen einer Millionenstadt", wetterte Christian Hartranft (Grüne). Auch BA-Chef Josef Mögele (SPD) hat "enorm geärgert, wie das abläuft". Am 28. Juli soll der Stadtrat über den Entwurf abstimmen.

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat inzwischen erklärt, dass die Fläche unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen "ergebnisoffen untersucht werden" soll. Und: Der Beschluss des Stadtentwicklungsplans solle schließlich, so das Versprechen, auf der Basis von Gesprächen "mit allen Akteuren der Stadtgesellschaft" entwickelt werden.

© SZ vom 07.07.2021
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