Laim Bald ist Schluss mit der Kurverei um den Block

Der Ruf der Anwohner scheint endlich erhört zu werden: Untersuchungen belegen, dass die Voraussetzungen für ein Parklizenzgebiet südlich des S-Bahnhofs Laim erfüllt sind. Eine kleine Insel allerdings bleibt ausgespart

Von Andrea Schlaier, Laim

Wer ab und an versucht, tagsüber rund um den Laimer Kreisel sein Auto abzustellen, gibt nach 20 Minuten entweder entnervt auf und quetscht den Wagen illegal zur Hälfte auf den Gehweg oder hat tatsächlich Glück und findet eine der letzten freien Lücken. Der Parkdruck in der Gegend ist in den vergangenen Jahren eklatant gestiegen. Lange schon fordert der Laimer Bezirksausschuss zur besseren Bewirtschaftung des wenigen Parkraums gerade im südlichen Bereich des S-Bahnhofs ein Parklizenzgebiet. Nach Untersuchungen der Verkehrsfachleute im Planungsreferat im vergangenen Jahr sieht's gut aus: Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt zu, könnte voraussichtlich 2021/2022 im Umfeld des Kreisels eine Wapperl-Zone entstehen.

Das Gebiet verläuft südlich der S-Bahn-Trasse, gewissermaßen in U-Form, mit ins Viertel ragenden Seitenflügeln: Die Landsberger Straße bildet also im Norden den Abschluss, der westliche Flügel führt über die Agricolastraße, macht einen kleinen Knick über die Agnes-Bernauer-Straße zur Von-der-Pfordten- und weiter zur Rushaimerstraße, quer nach Osten entlang der Camerloherstraße, im rechten Winkel die Fürstenrieder Straße hoch bis zur Agnes-Bernauer-Straße, dort weiter bis zur Siglstraße gen Süden, weiter auf der Zschokkestraße, Westend- und Elsenheimerstraße zurück auf die Landsberger Straße. Ausgespart bliebe damit eine Art Insel zwischen den Flügeln, in der kein Anwohnerparken gilt. Benjamin Stjepanovic vom Planungsreferat, der das Konzept zunächst im Unterausschuss und jetzt auch im Plenum des Bezirksausschusses Laim vorgestellt hat, signalisiert Verständnis für diejenigen, die dort leben und ihre Autos abstellen müssen. "Was machen die armen Einwohner in den angrenzenden Gebieten?" Und er schickt gleich ein mögliches Prozedere hinterher: "Es gibt immer eine Möglichkeit nachzujustieren." Zurzeit gäben es die "rechtlichen Möglichkeiten aber nicht her", auch auf dieser nicht berücksichtigten Insel-Fläche eine Lizenzierung auszuweisen. Das liege unter anderem an den vielen dort situierten Einfamilienhäusern, die einen anderen Stellplatz-Schlüssel haben als Mehrfamilienhäuser.

Mangelware Parkplatz: Auch das Neue Rex am Agricolaplatz läge gerade noch in der Wapperl-Zone, die sich südlich der Bahntrasse U-förmig durch die Laimer Straßen ziehen soll.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Erwiesen sind in den anderen untersuchten Zonen dagegen die wesentlichen Voraussetzungen für eine Wapperl-Einführung: das Defizit an Stellplätzen auf Privatgrund und eine flächendeckend hohe Parkraumauslastung. Das 2018 untersuchte Areal grenzte im Norden an die Landsberger Straße, im Süden an die Agnes-Bernauer-Straße, im Westen an die Von-der Pfordten-Straße und im Osten an die Lautensackstraße. 3400 Halter privater Kfz sind dort gemeldet, 2200 private Stellplätze sind registriert, also 1200 weniger, als diese Laimer für ihr eigenes Auto brauchen würden. An öffentlichen Parkbuchten stehen hier tagsüber 1720, nachts 1850 zur Verfügung (weil zu später Stunde etwa die Busspur auf der Fürstenrieder Straße auch zum Kfz-Abstellen genutzt werden darf). Unterm Strich sind damit tagsüber 520 und nachts 650 Parkplätze auch für sie frei: Pendler, Kurzzeit-Shopper, Besucher, dauerparkende Anhänger, Wohnmobile und Mietwagen-Kolonnen. Zu Spitzenzeiten zwischen zehn und 15 Uhr ist im untersuchten Gebiet in Laim alles zu 96 beziehungsweise 97 Prozent dicht. "Ab 95 Prozent", stellt Stjepanovic fest, "sagt man, der Parksuchverkehr steigt erheblich an." Viermal am Tag, um fünf, zehn, 15 und 20 Uhr erfassten die Verkehrsplaner den Status quo im Testgebiet.

Zwischen 20 Uhr abends und fünf Uhr morgens werden etwa drei Viertel des verfügbaren Raums von Anwohnern genutzt - und von Dauerparkern, deren Zahl sich im Untersuchungsraster stabil um die 350 bewege. Ein Großteil der Laimer verlässt morgens dann samt Pkw die Standposition. In die Lücken stoßen Pendler und Kurzzeit-Besucher. Die "Illegalen", also Gehwegparker, gehören ebenfalls zum festen Bestandteil der Park-Gemeinde. "Davon gibt's richtig viele in Laim", konstatiert Stjepanovic. "Oft bleiben da nur 50 bis 80 Zentimeter für Fußgänger; zulässig ist das in der Stadt aber nur, wo genug Platz bleibt, also zwischen 1,40 und 1,50 Meter."

Dass der Parkdruck über das Testgebiet hinaus besteht, zeigten den Planern eigene Stichproben in den angrenzenden Straßenzügen, die sie sich auch aufgrund "massiver Beschwerden wie etwa im Bereich der Zschokkestraße" angeschaut hätten. Diesem Umstand sei auch der nun geplante modifizierte Umriss der Lizenzzone geschuldet. Auswirkungen auf den Zuschnitt hatten auch Untersuchungen, die die Verkehrsplaner bereits vor drei Jahren rund um die U-Bahn-Station Laimer Platz gesammelt hatten; die Ergebnisse hätten damals aber keine Einführung eines Parkraummanagements zugelassen, berichtet Stjepanovic.

Wenn's nach CSU-Sprecherin Anette Zöllner ginge, "könnte man die Parklizenz auf ganz Laim ausdehnen, weil der Parkdruck noch viel größer ausfällt, wenn man zum Beispiel die ganzen Gehwegparker mitkalkuliert". Gleichzeitig fanden sie und andere es erfreulich, dass nun endlich ein Anfang gemacht werde. Auf Anregung von Jutta Hofbauer (Grüne) will der Bezirksausschuss eine Ausweitung der ersten Parklizenzzone und die dafür notwendigen Untersuchungen umgehend beantragen. Und zwar nach einer Einwohnerversammlung, die Gremiums-Chef Josef Mögele (SPD) "so schnell als möglich" vorgeschlagen hat. Stjepanovic signalisiert, wenn er das "Go" zügig erhalte, könnte der Stadtrat nach der Sommerpause über ein zusätzliches Anwohnerparken entscheiden.